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Mönchengladbach
Mit fremden Wassern gewaschen

Mönchengladbach: Mit fremden Wassern gewaschen
NAS-Geschäftsführer Klaus Bamberg (l.), RP-Redakteur Jan Schnettler und Frank Meyer, Fachkraft Lagerlogistik sowie Abteilungs- und Schichtleiter, peilen mit dem Handscanner die Wäsche an. FOTO: Michael Obst
Mönchengladbach. Viele Kliniken und Altenheime lagern nicht nur die Wäscherei aus, sondern mieten sogar sämtliche Textilien nur noch an. Einer der führenden Dienstleister ist dabei die Neue Arbeit Service in Hardt - mit erstaunlichem Digitalisierungsgrad. Von Jan Schnettler

Dass nicht mehr jedes Krankenhaus oder Altenheim seine Wäsche selber wäscht? Das ist in Zeiten eines hohen Kostendrucks im Gesundheitssystem keine Überraschung. Dass aber viele Kliniken den gesamten Textilbestand, vom Waschlappen über die Inkontinenzunterlage bis zum Kittel des Chefarztes, bei spezialisierten Dienstleistern anmieten, das überrascht dann doch. Einer der führenden Textillogistiker für diese Kundengruppen sitzt in Hardt - die Neue Arbeit Service (NAS) GmbH, eine gewerbliche Tochter der Gladbacher Diakonie. Sie ist 2001 entstanden, im Zuge der großen Outsourcing-Welle.

Beim Besuch in den Hallen an der Tomphecke überrascht vor allem eines: wie hoch der Digitalisierungsgrad ist. Denn jedes größere Wäschestück ist bereits mit einem RFID-Chip versehen, der es dem Unternehmen ermöglicht, jedes der mittlerweile mehr als 100.000 Teile lückenlos zu verfolgen - bis zum Krankenhaus und zurück. Antennen an Ein- und Ausgangsstationen dienen zur automatischen Erkennung. Durch dieses System kommt weniger abhanden als früher. Doch mehr noch. "Die Chips haben auch die Qualitätskontrolle bereits integriert", sagt NAS-Geschäftsführer Klaus Bamberg. "Sie zeigen beispielsweise an, wie viele Waschgänge ein Stück bereits durchlaufen hat und wann der Verschleiß einsetzt."

Auch der Fingerscanner ist mit dem Logistiksystem verbunden. FOTO: Obst Michael

Das ist dann aber bereits das Ende des textilen Kreislaufs. Ganz am Anfang steht das Bestellwesen im Internet. "Die Quote an Bestellungen über das Netz liegt bei 100 Prozent", sagt Kundendienstleiterin Nicole Hörnemann. Die Kunden in den Altenheimen und Kliniken werden von NAS dafür mit Tablets ausgestattet, können direkt auf der Station bestellen. Im Logistikzentrum wird der Auftrag dann von geschulten Mitarbeitern kommissioniert. Mit Tablet und Handscanner lenkt das System sie zu den Lagerplätzen, die nach Schnelldrehern und langsam drehenden Teilen sortiert sind. Dabei sind Lagerung und Laufwege so optimiert, dass Fehlerquote und Aufwand miniert werden. Ist der Auftrag fertig zusammengestellt, wird die rollbare Gitterbox mit der Wäsche ins "RFID-Kabinett" geschoben, das alle Teile automatisch kontrolliert und zu einem Auftrag "verheiratet". Ausgeliefert wird die Wäsche dann mit einem der zehn eigenen Lkw. "Wir beschäftigen für die Tätigkeit 18 ausschließlich eigene Mitarbeiter", sagt Hörnemann. "Sie sind - neben den Kundenberatern - unser Gesicht beim Kunden und haben den meisten Kontakt mit ihnen." "Unsere Logistiklösung ist deutschlandweit einzigartig", sagt Bamberg. "Die Branche hat nach so etwas gegiert." Drei Jahre habe die Umstellung auf das neue System gedauert; der Gladbacher Manfred Langen beriet, die Grevenbroicher Firma IBS setzte um. 16 Millionen Euro wurden in den letzten zehn Jahren in den Maschinenpark investiert. Dank nahtloser Verfolgung aller Teile kann NAS den Kunden übrigens auch aufzeigen, um wie viel wirtschaftlicher Station A gegenüber Station B ist - oder Kliniken anonymisierte Branchen-Benchmarks vorlegen. Die Kundenberater nehmen jeden Prozessschritt vor Ort unter die Lupe, um weitere Einsparpotenziale zu zeigen.

70.000 Teile pro Tag werden in Hardt kommissioniert, 18 Millionen sind es über das Jahr gesehen. 30 Kliniken, etwa das Evangelische Krankenhaus in Düsseldorf, und 130 Seniorenheime, darunter alle von Diakonie und Caritas in Mönchengladbach, zählen zu den Kunden, die sich auf NRW und Rheinland-Pfalz verteilen. 78 Mitarbeiter hat NAS, das Schwesterunternehmen Neue Arbeit Integration (NAI), das im selben Gebäude 30.000 Kilogramm Wäsche am Tag reinigt, weitere 160 - zumeist Behinderte oder ehemals Langzeitarbeitslose. Ebenfalls in dem Komplex befindet sich ein Lager mit Teilen im Wert von 500.000 Euro für den Fall, dass sensible Artikel, wie OP-Wäsche, unversehens irgendwo knapp werden sollte. In einer eigenen Reparaturwerkstatt wird zudem Mietwäsche ausgebessert. "70 Prozent der Kunden haben bereits auf Mietwäsche umgestellt", sagt Bamberg. In Seniorenheimen, wo die Bewohner naturgemäß Wert auf eigene Kleidung legen, werden die Kleidungsstücke nicht gechippt, sondern mit einem Barcode versehen, der eine Zuordnung ermöglicht.

Quelle: RP
 
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