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Mönchengladbach
Mit Holz und Herz

Mönchengladbach. 24 junge Männer und Frauen absolvieren zurzeit ihr letztes Lehrjahr als Auszubildende bei der Mönchengladbacher Tischlerinnung. Jetzt fertigten sie ihre Gesellenstücke, die sie eigenständig entwarfen, zeichneten und bauten. Von Angela Rietdorf

Man sieht auf einen Tisch hinab und blickt in die Unendlichkeit. Geschickt hat Christopher Grumbach zwei Spiegel und eine LED-Beleuchtung kombiniert und eine optische Illusion von ungeheurer Tiefe geschaffen. Spiegel und Beleuchtung bilden die Tischplatte des kleinen Gesellenstücks, eines Couchtischs, den der angehende Tischler zur Vorbereitung auf die Prüfung geschaffen hat. Warum hat er gerade einen Tisch als Prüfungsgegenstand gewählt? "Ich brauche einen für zu Hause", sagt Christopher Grumbach trocken.

24 junge Frauen und Männer absolvieren derzeit ihr letztes Lehrjahr in den Ausbildungsbetrieben der Tischler-Innung. Traditionell gehört das kleine Gesellenstück dazu, ein Möbelstück, das die Auszubildenden selbstständig entwerfen, zeichnen und bauen. Die Vorbereitung findet im Berufskolleg statt, die Umsetzung in den Ausbildungsbetrieben. Dreißig Stunden sind für die Realisation vorgesehen, aber: "Es hat ein bisschen länger gedauert als dreißig Stunden", erklärt Christopher Grumbach. "Man sollte sich aber auch Zeit lassen, damit es wirklich gut wird." Vor allem der Stromanschluss hat ihn richtig Zeit gekostet.

Auch Konstantin Weber hat viele Stunden in sein Möbelstück investiert. Es ist ein schwebender Nachttisch aus Acrylglas und Mahagoni. "Ich wollte in jedem Fall auch eine Schublade einbauen, denn die gehört zu jedem Gesellenstück", erklärt der 20-Jährige. Die Herstellung der Nutleiste erfordert besondere Präzision, man merkt sofort, ob die Schublade hängen bleibt, gleitet oder sich verkantet. Die Verwendung des Plexiglases bedeutete zusätzliche Tüftelei. "Plexiglas ist schwer zu verarbeiten", sagt Konstantin Weber. Aber gerade das Arbeiten mit verschiedenen Materialien ist für ihn die spezielle Herausforderung. Von außen schlicht und funktional, von innen ein wahres Wunderwerk - so präsentiert sich die "MuBo", Stefani Beckers überraschender Möbelwürfel. Er sieht auf den ersten Blick aus wie ein würfelförmiger Tisch auf Rädern, aber wenn die angehende Tischlerin ihn auseinandernimmt, stellt sich heraus, dass er zwei Sitzgelegenheiten enthält, eine Schublade und eine Tischplatte mit Solarpanel, Beleuchtung und USB-Ports. Eine echte Multifunktionsbox, "Mubo" eben, wie sie ihre Schöpferin liebevoll nennt. Der besondere Clou: Das Ganze ist ein echtes Recyclingprodukt aus Restholz, das sonst verbrannt worden wäre und altem Segeltuch für die Polster. Gerade der "grüne" Aspekt war Stefani Becker wichtig. Dafür hat sie sogar auf Eiche verzichtet und Buche verwendet, obwohl das Holz jetzt öfter geölt werden muss. "MuBo" ist für den Außeneinsatz beim Camping oder auf einem Festival gedacht. "Ich möchte sie nächstes Jahr beim Herzberg-Festival zum ersten Mal mitnehmen", sagt die begeisterte Festivalbesucherin.

Diese drei und 22 weitere ideenreiche kleine Gesellenstücke - Regale, Schränke, Säulen, Tische - werden bewertet und dann bis zum 30. November im Foyer des Berufsbildungswerks der Kreishandwerkerschaft am Platz des Handwerks ausgestellt. Alle gefertigten Möbelstücke beeindrucken durch Kreativität und zeugen von präziser Arbeit und Spaß am Tischler-Handwerk.

Einer Profession, die ausgesprochen vielseitig ist und Unikate schafft.

Quelle: RP
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