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Mönchengladbach
Mit Kings of Floyd funkelt der verrückte Diamant weiter

Mönchengladbach. Die Tribute-Band mit Mönchengladbacher Ursprung inszenierte das Werk der Rockband "Pink Floyd" in der Kaiser-Friedrich-Halle. Von Andreas Gruhn

Es war doch schon alles gesagt. Das irre Stroboskop-Gewitter des Song-Biests "Run like Hell" ist durch die Kaiser-Friedrich-Halle gefegt, die wohl mehr als 500 Menschen hatte es von den Sitzen gerissen, diese an Perfektion grenzende Inszenierung Pink Floyds auf der Bühne, sie hat viel Rauch hinterlassen, die Ohren klingelten, und alles war bereit zu gehen nach diesem irrwitzigen Finale. Pink Floyd in Gladbach, irre. Aber nein, die Band legte noch ein Stück nach.

Warum?

"Goodbye blue sky", ein ruhiger Album-Track von "The Wall", ist ein ziemlich merkwürdiger Schluss, bis man begriffen hat, was denn der Grund dafür ist. Die Band möchte sich doch noch selbst vorstellen. Und in diesem Moment wird man zurückgerissen in die Realität, die besagt: Pink Floyd gibt es nicht mehr. Der Gitarrist heißt nicht David Gilmour. Sondern Maurus Fischer, ein Mönchengladbacher im Übrigen. Keyboarder Rick Wright ist tot. Der Mann an den Tasten ist Jürgen Magdziak. Und Roger Waters gibt sich seinem klanggewordenen Wahnsinn auf ewiger Solo-Tour hin, an diesem Abend heißt der Sänger Mark Gillespie. So viel muss man nach rund drei Stunden noch sagen, eine kleine, aber nicht unwichtige Fußnote: Das da auf der Bühne waren nicht Pink Floyd. Sondern die Tribute-Band Kings of Floyd. Fast hätte man's vergessen.

Über Tribute-Bands weiß man im Grunde gar nicht so viel, weil sie vor allem die Originale kopieren und dies mitunter bis zu einer Perfektion treiben, dass hinter der Kopie aus Licht und Ton der einzelne Musiker verschwindet. Aber gerade im Fall von Pink Floyd werden diese Bands so dringend benötigt, weil das Original nicht mehr existiert, das Werk in seiner Schönheit aber unbedingt für die Nachwelt erhalten bleiben muss. Auch an diesem Samstagabend in der KFH sind viele Väter, die ihren Söhnen wenigstens die Kopie Pink Floyds mit auf den Lebensweg geben wollen, weil diese eben ungerechterweise bei der letzten Tour des Originals Anfang der 90er Jahre noch mit der Trommel um den Weihnachtsbaum gelaufen sind.

Es sind zwei Dinge, die das Werk Pink Floyds prägen. Einerseits Roger Waters' Songwriting der genialen Alben "Dark side of the moon", "Wish you were here" und "The Wall". Und andererseits, wie die anderen drei Gilmour, Wright und Schlagzeuger Nick Mason daraus einen Klangkosmos aus schneidenden, schmelzenden Gitarren-Soli in melancholischen Elektro-Klang-Wolken schufen. Ein Lied, das all das verschmelzt, ist "Shine on you crazy diamond". Und genau dafür sorgen Kings of Floyd, durch sie funkelt der Diamant weiter. Sie spielen die wichtigsten beiden Alben in Gänze, weite Teile von "The Wall", verzichten dankbarerweise nahezu ausschließlich auf die späten Werke der 80er und 90er, in denen es mitunter allzu nah am Sentimentalitäts-Kitsch vorbeischrammte. Sie haben eine der Dimension Kaiser-Friedrich-Halle angemessene Video-Licht-Show dabei, die das Bombast-Original klug in Kleingedrucktes übersetzt. Sie leisten sich nur wenige Schwächen (etwa beim missglückten Opener "One of these days"), sie haben brillante Instrumentalisten mit Gitarrist Fischer (der im Nebenberuf als Ohrenarzt praktiziert), Keyboarder Jürgen Magdziak und Saxophonist Bernd Winterschladen, sie haben mit Mark Gillespie eine sehr charismatische Stimme, die aber mehr Unterstützung im Background-Chor und ab und an einen zweiten Leadsänger bräuchte.

Jedes wichtige musikalische Werk braucht sein Orchester. Pink Floyd hat gewiss viele. Aber diese Band (derzeit auf Deutschland-Tour) gehört zu den richtig guten.

www.kingsoffloyd.com

Quelle: RP
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