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Mönchengladbach
Mit Klängen reden und experimentieren

Mönchengladbach: Mit Klängen reden und experimentieren
Dies ist nicht das Zeichen für die Eurowährung, sondern das Logo des Festivals Ensemblia, FOTO: Stadt MG
Mönchengladbach. Das "Ensemble Stationen NRW" verwandelt zur Eröffnung des Festivals Ensemblia den gotischen Raum der Citykirche in ein Improvisationslabor für Neue Musik. Am Schluss gibt's sogar eine mit Projektionen dekorierte Uraufführung. Von Armin Kaumanns

Bevor die Ensemblia 2015 eröffnet wird, hat sie längst begonnen. Ausstellung, Kunstaktion, Lesung - schon vor dem Konzert mit dem "Ensemble Stationen NRW" in der Citykirche ist viel los in der Stadt. Die richtet ihr seit 1979 bestehendes Festival für Neue Musik, die auf andere Sparten übergreift, alle zwei Jahre aus. "Die Ensemblia ist alles - außer gewöhnlich", so preist Bürgermeister Uli Elsen in Vertretung des noch im Hauptausschuss weilenden Oberbürgermeisters Hans Wilhelm Reiners, die Tage Neuer Musik. Er spricht von einem "Kulturklima, das über die fünf Festivaltage hinaus fortwirkt" in der Stadt. Den gut 100 Zuhörern verspricht er nach dem Konzert noch ein Gläschen Wein oder Saft. Die meisten blieben bis zum Schluss, trotz der ungewohnten Klänge. Ein Viertelstündchen nach Beginn trifft dann auch der OB ein.

Das "Ensemble Stationen NRW" ist so etwas wie das klingende Abbild der Neue-Musik-Szene des Landes. Im letzten Jahr entsandten zehn Vereine für Neue Musik je einen Instrumental-Solisten in dieses Mini-Orchester, damit es in zehn NRW-Städten neue und neueste Musik aufführe. Mit Harfe, Akkordeon, Gongs, Schlagwerk, Synthesizer, Flöte, Klarinette, Geige, Blockflöte und Gesang ist fast jeder Klangkosmos spielbar. Für ihr Gladbacher Konzert passten die Musiker unter anderem zwei Werke von Jörg-Peter Mittmann und Peter Gahn an die Akustik der Citykirche an und fügten alles in einen thematischen Zusammenhang, den man vielleicht "diskursive Musik" nennen mag. In Mittmanns Stück "sprachlos" ringen die von der heftig das Metrum mit der nicht zum Spiel benötigten freien Rechten taktierenden Blockflötistin synchronisierten Musiker um Aufmerksamkeit. Der Mann an den Gongs vollführt eine Choreografie, die Harfenistin nimmt auch den Geigenbogen zur Hand und die Holzbläser prunken an bizarren Bass-Instrumenten. Das Stück verhaucht im Pianissimo, aus dem Karl-Heinz Stockhausens 1968 entstandenes "ES" wieder auftaucht. Es entspinnt sich eine Klangrede wie ein improvisiertes "Concerto grosso".

Mit dem zehnköpfigen "Ensemble Stationen NRW" wurde der musikalische Teil der Ensemblia in der Citykirche eröffnet. Dabei gab es wortwörtlich viel Raum für Improvisation und am Schluss eine Uraufführung. FOTO: Detlef Ilgner

Einige wenige Besucher mochten die wenig bequemen Extrem-Klänge nicht weiter hören und verpassten so den Höhepunkt des Konzerts, ein Stück von Peter Gahn für Sopranino-Blockflöte, Schlagzeug und Akkordeon. Gudula Rosa entfacht in dem unglaublich virtuosen Werk, das die Großstadt aus der Hochhausperspektive abbilden soll, ein Feuerwerk an Klängen und Farben. Nach einer Improvisationsrunde des Ensembles, das dazu mit Instrumenten durchs Kirchenschiff wandelt, in etliche (instrumentale) Zwiegespräche verfällt und am Ende in allgemeines Gemurmel übergeht, erklingt Christian Banasiks Stück "Mapping Sound Fields", das als Auftrag der Ensemblia Klänge aus der Stadt verarbeitet. Etliche der Klangsammler vom Gymnasium am Geroweiher lauschten gespannt auf "ihre" Geräusche. Hier erkannten sie einen Bagger, dort Trippelschritte, vieles aber blieb im vielsagend dichten Gestrüpp der Klänge unerkannt. - Nach frohem Applaus gab's Blumen und Getränke.

Quelle: RP
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