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Mönchengladbach
Mit Schminke Normalität zurückholen

Mönchengladbach. Beim Kosmetikkurs bekommen Krebspatientinnen Tipps, um besser mit ihrem veränderten Aussehen umzugehen. Von Angela Rietdorf

Im Konferenzraum des Evangelischen Krankenhauses Bethesda hat sich eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Gruppe versammelt: sieben Frauen, die alle kahlköpfig sind. Alle sind Krebspatientinnen, die eine Chemotherapie durchmachen. Die Perücken oder Tücher, die sie sonst tragen, haben sie abgenommen.

Kosmetikerin Anja Brüggemann zeigt ihnen, worauf es beim Schminken - jetzt, aber auch später, wenn die Haare nachgewachsen sind - ankommt. "Der Verlust der Haare ist für Frauen oft ein Trauma, das zur Krebsdiagnose dazukommt", sagt die Kursleiterin. "Durch die Schminktipps bekommen sie ein Stück Normalität zurück."

Einmal im Monat findet im Bethesda ein solcher Schminkkurs für Krebspatientinnen statt. Organisiert wird er von der DKMS Life, einer Tochterorganisation der Deutschen Knochenmarkspenderdatei. Die Kosmetikbranche unterstützt die Kurse mit Produktspenden. Die Teilnehmerinnen bekommen eine Tasche voller Kosmetikprodukte vom Gesichtsreiniger bis zum Eyeliner. Auch ein Tuch ist dabei, das Anja Brüggemann gekonnt verknotet und zum Piratenkopftuch macht.

Dann erklärt sie die Anwendung der einzelnen Kosmetikprodukte. Spannend wird es bei der Augenpartie. Durch die Chemotherapie fallen meist nicht nur die Kopfhaare aus, sondern auch Augenbrauen und Wimpern. Die Kosmetikerin zeigt, wo ein Strich entlang des Wimpernkranzes Wunder wirkt. "Wie schön", ruft Tina begeistert, als sie ihre Nachbarin betrachtet. "Ohne Wimpern und Augenbrauen sieht man krank aus", weiß Anja Brüggemann und da können die Teilnehmerinnen nur zustimmen.

"Das Ausfallen der Augenbrauen ist schlimmer als das der Kopfhaare", sagt Kerstin, "und die Wimpern machen am meisten zu schaffen." Mit dem Verlust der oft langen Haare dagegen kommen viele der Teilnehmerinnen erstaunlich gut klar. Etliche haben sie abrasieren lassen, bevor sie ausfielen. Doris hat ihre Freundinnen mit zum Friseur genommen. "Wir haben Sekt getrunken und viel gelacht", erzählt sie. "Ich wurde gefragt, ob ich einen neuen Trend setzen wollte mit der Glatze", ergänzt Kerstin, die bewusst auch keine Perücke trägt. Andere brauchen länger, um sich an die neue Kahlköpfigkeit zu gewöhnen. Zu Anfang habe sie auch mit Mütze geduscht, sagt Barbara. Aber jetzt könne sie sich ohne Haare akzeptieren, mit Perücke allerdings nicht. "Das bin dann nicht mehr ich", meint sie. Die Perücken sind generell und bei den gegenwärtigen Temperaturen besonders unbeliebt. Die Schminktipps aber nehmen alle gern an. Und Anja Brüggemann erklärt nicht nur, sie führt auch mit Ausdauer vor, wie und wo ein kleiner Strich das Gesicht verändern oder wie man mit dem Abdeckstift die beste Wirkung erzielen kann. Es wird viel gelacht an diesem Nachmittag. Die Frauen sind unter sich und alle haben ähnliche Erfahrungen, das verbindet. "Manchmal kommen Teilnehmerinnen, die die Chemotherapie noch vor sich haben. "Die sind dann oft überrascht, wie gut die Stimmung hier ist", erzählt die Kursleiterin. "Das nimmt ihnen die Angst vor der Therapie und ihren Folgen."

Die Seminare sind kostenlos und offen nicht nur für Bethesda-Patientinnen. Allerdings ist eine Anmeldung erforderlich.

Quelle: RP
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