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Mönchengladbach
Mit Starthilfe in die Ausbildung

Mönchengladbach: Mit Starthilfe in die Ausbildung
Carina Gierke hat durch das Einstiegsqualifizierungsjahr bei Real begonnen. FOTO: Ilgner Detlef
Mönchengladbach. 40.000 junge Menschen brauchen bundesweit eine Einstiegsqualifizierung in die Berufsausbildung. Aber 70 Prozent von ihnen werden danach übernommen. Arbeitsagentur-Vorstand Raimund Becker besuchte am Montag zwei von ihnen. Von Andreas Gruhn

Maurice Feldbusch hätte sich vor drei Jahren nie vorstellen können, dass er eines Tages Speck um Fleischhappen wickeln und diese auf einen Filetspieß schieben würde. An diesem Morgen zeigt er aber sehr hohem Besuch, wie gerne er seinen Ausbildungsberuf als Fleischfachverkäufer im Mönchengladbacher Real-Markt an der Reyerhütte mittlerweile macht. Denn neben ihm hinter der Fleischtheke steht im weitesten Sinne derjenige, der ihm den Job ermöglicht hat: Raimund Becker, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, ist aus Nürnberg gekommen, um solche Auszubildenden wie Maurice Feldbusch kennenzulernen.

"Durch den Bacon um das Schweinefilet zieht der Geschmack direkt ins Fleisch ein", erklärt Feldbusch. Der 20-jährige Gladbacher ist nicht auf dem direkten Weg zu seinem Ausbildungsplatz gekommen. Bevor er 2015 begann, machte er erst ein Praktikum bei Real und dann ein sogenanntes Einstiegsqualifizierungsjahr (EQJ). Dabei handelt es sich um ein betriebliches Langzeitpraktikum, das von der Arbeitsagentur mit 216 Euro im Monat vergütet wird, und das für viele junge Leute der Steigbügel in die Berufsausbildung ist. "Viele junge Menschen sind heute Bewerber, von denen die Betriebe sagen, sie wären nicht ausbildungsreif", sagt Becker. "Die Einstiegsqualifizierung hilft Bewerbern und Unternehmen, Kompetenzen zu entdecken und die Schüler an die Ausbildung heranzuführen."

Auszubildender Maurice Feldbusch (M.) zeigt Arbeitsagentur-Vorstand Raimund Becker (l.) und Real-Arbeitsdirektor Jörg Krämer seinen Arbeitsplatz. FOTO: Ilg

Bundesweit absolvieren dies jedes Jahr rund 40.000 junge Menschen. Das Interesse daran auch vonseiten der Unternehmen ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Die Suche nach Fachkräften, die eine Berufsausbildung dem Studium vorziehen, wird eben immer schwieriger. So werden zunehmend solche jungen Menschen interessant, die eine Starthilfe ins Berufsleben brauchen. Weil sie sich zu spät gekümmert haben, weil sie eine besondere Förderung brauchen, weil sie keine besonders guten Noten haben, vielleicht auch, weil sie schulmüde waren. Gute Verkäufer etwa können sie trotzdem sein. "In der Schule gibt es kein Fach Verkauf", sagt Stefan Noppenberger, bei Real Abteilungsleiter fürs Personalmarketing. "Solche Eigenschaften kann man im EQJ entdecken."

Bei Carina Gierke (19), die ihre Ausbildung zur Kauffrau im Lebensmitteleinzelhandel im Januar abschließen wird, war es genauso. Als kleines Kind war sie schon immer in dem Warenhaus mit ihren Eltern einkaufen. Dass sie auch dort arbeiten könnte, auf die Idee brachte sie erst ihr Vermittler in der Arbeitsagentur nach dem Realschulabschluss. Aber sie war schlicht zu spät dran fürs Ausbildungsjahr. Und Maurice Feldbusch, der anfangs keine Ahnung hatte, was er tun wollte, entdeckte durch das EQJ die Fleischtheke für sich. "Das EQJ hat mir den Einstieg gebracht, in dem ich mich richtig beweisen konnte", sagt Carina Gierke, die als nächsten Karriereschritt die Teamleiter-Ausbildung anpeilt.

Ihr Arbeitgeber ist vollauf zufrieden mit den beiden Auszubildenden. "Beide entwickeln sich richtig gut", sagt Stefan Noppenberger. Die Aussichten von Absolventen mit Einstiegsqualifizierung sind laut Agentur-Vorstand Raimund Becker glänzend. Rund 70 Prozent der Absolventen würden anschließend in die Ausbildung übernommen: "Und sie haben eine lange Betriebszugehörigkeit." Carina Gierke und Maurice Feldbusch hätten nichts dagegen.

Möglich ist diese Maßnahme grundsätzlich in allen Ausbildungsberufen und in allen Unternehmen - von der kleinen Meisterwerkstatt bis zum SB-Warenhauskonzern. Welche Voraussetzungen es gibt, erfahren Bewerber wie Unternehmen im Internet unter www.arbeitsagentur.de oder bei ihrem Berater in der Agentur für Arbeit.

Quelle: RP
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