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Mönchengladbach
Mit Weitsicht an die Spitze der Optiker

Mönchengladbach: Mit Weitsicht an die Spitze der Optiker
FOTO: Pleines
Mönchengladbach. Vor 60 Jahren startete Optik Pleines in Rheydt. Heute gibt es 17 Niederlassungen. Auch weil das Familienunternehmen früher als andere verstanden hat, dass die Kunden nicht bloß gut sehen, sondern dabei auch gut aussehen wollen. Von Jan Schnettler

Das Internet, das Internet: In vielen Branchen gehört das Lamento über die digitale Konkurrenz fast schon zum guten Ton. Nicht so bei den Optikern. Zumindest nicht, wenn man R. Dieter Pleines fragt. Der Inhaber von Pleines Fashion Optik, das in diesem Jahr 60-jähriges Bestehen feiert, sieht im Netz "keine Bedrohung, sondern eine Ergänzung unseres Angebots". Etwa in Form von Online-Sehtests. Das Konsumobjekt Brille lasse sich bei Systemoptikern im Internet zwar bestellen wie ein T-Shirt. "Aber wir arbeiten in einer Branche, in der die persönliche Ansprache wichtig ist", sagt der Mann, der selbst ein Jahr älter ist als das Unternehmen, das er in erst zweiter Generation führt. "Wir erleben aktuell, dass Online-Kunden wieder vermehrt in die Fachgeschäfte zurückkommen." Auch, weil sich das Berufsbild immer mehr zum persönlichen Typ- und Stilberater entwickelt habe.

Das war einmal ganz anders, als Pleines' Vater Rolf im Jahr 1956 sein erstes Geschäft an der Wickrather Straße in Rheydt eröffnete. Handwerker im weißen Kittel seien Optiker damals gewesen, die in Sachen Sehhilfe berieten. Doch sein Vater habe bereits mit dem Slogan "Besser sehen, besser aussehen" geworben. Was sich sozusagen als weitsichtig herausstellen sollte. Denn in den 70ern kam das Thema Sonnenbrille auf, die Brille wurde in der Wahrnehmung zunehmend von einer Art "Prothese" zum modischen Accessoire. "Aber bis in die 90er galt sie noch Hilfsmittel, das vom Arzt verordnet wurde", erinnert sich Pleines.

FOTO: Raupold, Isabella (ikr)

Erst durch die folgende Entwicklung vom "Erfüllungsgehilfen" der Krankenkassen zum serviceorientierten Dienstleister und Modeberater habe sich der Beruf stark entwickelt. Und er werde es weiter tun: "Unsere Branche hat eine gute Zukunft." Wegen der vielen Bildschirmarbeit, wegen der neuen Sehgewohnheiten, die Smartphones & Co. mit sich bringen. Und schon alleine deswegen, weil der geburtenstärkste Jahrgang 1964 langsam in das brillentragende Alter kommt und sich ein riesiges Potenzial an neuen Kunden auftut. "Mit dem Alter steigt der Prozentsatz der Brillenträger auf bis zu 95 Prozent", sagt Pleines.

Und in dieser florierenden Branche will das Familienunternehmen, das mit 17 Optik- und 15 Akustikfachgeschäften zwischen Kleve und Aachen längst auch Filialist ist ("die Kombination ist durchaus selten"), weiter Marktanteile gewinnen. "Wir sind schon jetzt unter den Top 20 der 12.000 augenoptischen Fachgeschäfte in Deutschland", sagt Pleines. Wobei die beiden bekannten Marktführer weit vor allen Mitbewerbern liegen. Und man wolle weiter expandieren - über den Niederrhein hinaus, aber innerhalb der Grenzen Nordrhein-Westfalens. "Noch" sei man beispielsweise nicht in Düsseldorf vertreten, sagt der 61-Jährige mit einem Augenzwinkern. "Aber durch die Standorte Kaarst, Meerbusch und Mettmann schleichen wir uns langsam heran."

FOTO: Pleines

110 Mitarbeiter hat das Unternehmen über beide Sparten hinweg - die Hörakustik kam vor zwölf Jahren dazu und macht heute ein Drittel des Umsatzes aus -, 13 davon sind Auszubildende. Firmensitz ist seit fünf Jahren die Hindenburgstraße in Korschenbroich, nicht mehr die Bahnhofstraße in Rheydt, wo das Unternehmen zuvor seit 1978 gesessen hatte. Im Prinzip aus Bequemlichkeit sei man in die Nachbarstadt gewechselt - weil Pleines und seine Ehefrau Evelin dort seit 35 Jahren wohnen. "Und weil wir an der Bahnhofstraße im Prinzip in den kleinen Räumen über dem Geschäft arbeiteten, die irgendwann aus allen Nähten platzten."

Pleines kauft zusammen mit 500 Optik-Fachgeschäften ein. Die dadurch niedrigeren Einkaufspreise könne man direkt an die Kunden weitergeben. Lokal vernetzt ist man beispielsweise auch mit dem Gläser-Hersteller Hoya Lens, der seinen Deutschlandsitz an der Krefelder Straße in Gladbach hat und dessen Erzeugnisse man, zusammen mit denen von Zeiss, fast ausschließlich verwendet. Über Sponsoring (TVK und VfB Korschenbroich), Spenden- und Charity-Aktionen sowie Beteiligungen an Gesundheitstagen ist Pleines örtlich eingebunden.

Mit 50 Fassungen ist Pleines' Vater Rolf 1956 einst gestartet, heute kann der Kunde alleine im Mönchengladbacher Raum aus rund 7000 auswählen - die Brille ist eben längst als Modeartikel etabliert. Und sie ist, ebenso wie Kleidungsstücke es sind, Trends und Wellenbewegungen unterworfen, auch wenn die Zyklen hier deutlich länger sind. "Vor zehn Jahren war der Megatrend randlos, dann ging es zur eckigen Nerd-Brille aus schwarzem Kunststoff", erläutert Evelin Pleines. Nun sei Kunststoff zwar immer noch sehr stark vertreten, doch es gehe langsam zurück zur so genannten Panto-Form: rund, dünnrandiger, zarter. "Die Zyklen bemessen sich auch an den Wiederbeschaffungs-Rhythmen", sagt Pleines. "Vier bis fünf Jahre sind da realistisch." Doch es gelte zumindest eine Faustregel: "Wir in Deutschland sind den Italienern bei der Brillenmode im Durchschnitt ein Jahr hinterher."

Und wie modisch sind eigentlich die Mönchengladbacher und die Korschenbroicher in Sachen Brillen? "Es gibt in der Tat große regionale Unterschiede", sagt R. Dieter Pleines. Der Bayer etwa sei da sehr konservativ, der Berliner mache sowieso sein ganz eigenes Ding. "Auch bedingt durch die Nähe zur Modestadt Düsseldorf ist man hier im Mönchengladbacher Raum sehr, sehr modisch."

Quelle: RP
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