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Eseleien (5)
Mittelalterliche Eseley

Mönchengladbach. Am Wochenende steigt das Ritterfest Schloss Rheydt - und ausgerechnet in diesem Jahr fehlt ein Esel. Wir empören uns, schließlich war er treuer Begleiter des Mittelalters. Natürlich verraten wir auch, warum sich das Spektakel trotzdem lohnt. Von Ludwig Krause

Ponys wird es geben. Schafe, Lämmer, Ziegen, Schweine, Gänse und Enten. Die Prominenz des Streichelzoos gibt sich auf dem mittelalterlichen Bauernhof beim Ritterfest Schloss Rheydt ein Stelldichein. Da kann geritten und gekrault werden, bestaunt und fotografiert. Einer aber wird fehlen. Einer, der im Mittelalter eine große Rolle gespielt hat. Der Esel, treuer Begleiter als Reit- und Packtier, war zwischen den Jahren 800 und 1500, in denen man das Mittelalter grob ansiedelt, aus Mitteleuropa nicht wegzudenken. Aus dem Alltag, aber auch aus Kunst, Kultur und Politik. In Rheydt macht er in diesem Jahr trotzdem Pause. Weil es eben Ponys gibt, auf denen Kinder reiten können.

"Rex illiteratus quasi asinus coronatus", hieß es dabei schon im Jahr 1139. Und jetzt für alle, die ihre Brötchen beim Bäcker nicht auf Latein bestellen: "Ein ungebildeter König ist wie ein gekrönter Esel" - diesen Hinweis bekam der französische König Ludwig VII. sogar schriftlich. Wer genau die Zeilen verfassen ließ, ist unklar, bei Historikern gelten Konrad III. oder Friedrich Barbarossa als mögliche Kandidaten. Das Sprichwort war im Hochmittelalter so beliebt, dass es eben gleich mehreren Personen in den Mund gelegt wurde. Gemeint war in diesem konkreten Fall, dass der König seine Kinder besser in den freien Künsten unterrichten lassen solle.

Die Gründung des Klosters Maulbronn in Baden-Württemberg soll der Legende zufolge im 12. Jahrhundert sogar auf einen Esel zurückgehen. Walter von Lomersheim belud demnach dem Tier mit einem Geldsack und schickte es los. Wo auch immer es anhalten würde, wollte er ein Kloster bauen. Gesagt, getan: Der Esel blieb an der heutigen Stelle stehen. Der Name Maulbronn kommt aber trotzdem wohl eher nicht von Maulesel, sondern vom historischen Namen "Mulenbrunnen", weil das Kloster eben an einer Mühle und einem Brunnen errichtet wurde. Auch in der Bibel ist der Esel ein gern genommenes Motiv. Josef reitet auf ihm nach Ägypten und Jesus in Jerusalem ein. Dementsprechend illustriert wurden die Szenen auch von mittelalterlichen Malern. Jacopo Bassano (1510 bis 1592) ließ bei seinem "Einzug der Tiere in die Arche" natürlich auch einen treuschauenden Esel nicht fehlen. Und bei Giotto di Bondones (1266-1337) "Der Einzug in Jerusalem" könnte das Tier kaum freundlicher dreinblicken. Gründe genug also, sich mal mit dem Esel auseinanderzusetzen.

Das Rittefest Schloss Rheydt am kommenden Wochenende wird aber wohl trotz dessen Abstinenz die volle Ladung Mittelalter bieten. Im Heerlager zeigen Ritter Schwertkämpfe, Axtwurf und Bogenschießen. Der mittelalterliche Markt lockt mit seinem Angebot, Bäckereyen, Brätereyen und Tavernen sorgen für Speis und Trank. Einer der Höhepunkte dürfte das große Turnier mit Reitkunst, Kämpfen und Flammenzauber sein. Freunde mittelalterlicher Musik hingegen können sich auf die Mittelalterbands "WirrWahr" und "Spectaculatius" freuen. Und wer weiß, vielleicht gibt es im nächsten Jahr sogar wieder eine Eseley.

Der Markt ist am Freitag, 18 bis 1 Uhr, am Samstag von 11 bis 1 Uhr und am Sonntag von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet zwölf Euro, für Kinder bis zwölf Jahre vier Euro. Informationen im Internet: www.ritterfest-schloss-rheydt.de

Quelle: RP
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