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Mönchengladbach
Mittermeier im Sitzen

Mönchengladbach. Stand-Up-Comedian Michael Mittermeier sprach im Roten Krokodil in einer WDR-Radiosendung vor Livepublikum über seine Familie, seinen Humor und sich selbst. 340 Gäste wissen nun, wie der Oberbayer wirklich ist. Von Andreas Gruhn

Normalerweise hüpft Michael Mittermeier über die Bühne wie ein Duracell-Häschen auf Starkstrom und reißt einen Brüller nach dem anderen. Er befeuert das Publikum mit seinen Pointen, das auch lacht, bevor es überhaupt merkt, ob das wirklich so witzig war, was Mittermeier ihnen da gerade um die Ohren gehauen hat. Und normalerweise sitzen Martina Berk und ihr Sohn Christian auch daheim auf dem Sofa, wenn die Komik des Oberbayern via Fernsehen in das Wohnzimmer der Neusser Familie hereinbricht. Doch an diesem Abend war alles anders, die vierköpfige Familie sollte den wirklichen, den echten Mittermeier kennenlernen.

"Geil, aber keine Ahnung"

Er saß. Mittermeier saß tatsächlich; und zwar zwei Stunden in seinem Sessel, für die Dauer der Aufzeichnung der Sendung "Montalk" durch den WDR im Wickrather Roten Krokodil. Normalerweise hocken bei der Talksendung Moderatorin und Gast im Studio, vier Mal im Jahr wagen sie sich aber nach draußen vor Livepublikum. So am vergangenen Dienstag: 340 Menschen, ein jüngeres bis gesetztes Publikum auf der Suche nach dem Feierabendhumor, warten im Roten Krokodil darauf, von Mittermeier befeuert zu werden.

Doch es ist kein Auftritt des mehrfach preisgekrönten Comedians Mittermeier, an diesem Abend soll er er selbst sein. Das genehmigt sich der mitunter vom Tourstress geplagte Vater an diesem Abend einmal. Als die Zwei-Mann-Band "Die Allerwertesten" die Sendung beginnt, steht der 43-Jährige schon auf der Bühne ein wenig abseits der Scheinwerfer und wippt mit dem Fuß mit. Kein Trara, kein großer Knalleffekt mit rauschendem Applaus. Fortan berichtet er der Moderatorin Gisela Steinhauer aus dem Kinderzimmer der Familie Mittermeier, warum seine neuesten Hobbies Bilderbücher, Puzzle, Lego und "mit roter Plastikgitarre zu Jack Johnson durch die Wohnung hüpfen" sind. Der Grund ist zwei Jahre alt und heißt Lilli, Mittermeiers Tochter. Nachzulesen in seinem Buch "Achtung Baby!" Klar, ganz ohne Pointen geht es nicht. Mittermeier erklärt, wie sie sich beschwerte, als er die Wärmelampe zu nah über das Babybett aufhing. "Wir wollen sie wärmen, kein Hähnchen grillen." Oder wie er selbst vor dem Babyshop stand wie ein Zeuge Jehovas vor dem Sex-Shop: "Geil, aber keine Ahnung." Familie Berk lacht zufrieden. Das ist Mittermeier.

Lieber erzählt er von Auftritten vor drei Leuten, vor einer Meute Rockern, warum er die irische Band U2 verehrt, über sein Engagement für die Menschen in Myanmar. "Mich interessiert beides: Sein wirkliches Ich, aber ich will auch, dass er witzig ist. Er ist authentisch in allem, was er bringt", sagt Martina Berk. Nach zwei Stunden weiß sie: An diesem Abend sollte sie beides bekommen. Beides ist gar nicht so weit voneinander entfernt.

Standhaft setzt sich Mittermeier über die mehrmalige Aufforderung der Moderatorin hinweg, er möge doch bitte mal eine Stand-Up-Nummer präsentieren. Er bleibt sitzen. Die Stand-Up-Nummer gab's doch noch. Vom Überraschungsgast, Mittermeiers liebstem Kollegen: Hennes Bender.

Quelle: RP
 
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