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Mönchengladbach
Modellprojekt "Familiale Pflege": Steigende Nachfrage im Bethesda

Mönchengladbach: Modellprojekt "Familiale Pflege": Steigende Nachfrage im Bethesda
Die Verantwortlichen des Bethesda bekommen ein positives Feedback für das Angebot der Familialen Pflege von der AOK Rheinland-Hamburg und der Uni Bielefeld. FOTO: Bethesda
Mönchengladbach. In nur fünf Jahren hat sich die Zahl der von der Familialen Pflege erreichten Angehörigen im Bethesda mehr als verzehnfacht.

Es ist eine enorme Belastung für alle Beteiligten: Ein Patient kehrt pflegebedürftig aus dem Krankenhaus zurück. Vielleicht hatte er einen Herzinfarkt, vielleicht einen Schlaganfall, vielleicht ist es Krebs. Jedenfalls kann er nicht einfach in sein altes Leben zurück. Er braucht Pflege. Und die übernehmen im allgemeinen die Angehörigen. Gelernt haben sie es aber meistens nicht. So sind Probleme programmiert. Im schlimmsten Fall tritt der Drehtüreffekt ein: Der Patient landet immer wieder im Krankenhaus, weil in der Pflege Fehler gemacht werden. Um das zu vermeiden, gibt es das Modellprojekt der Familialen Pflege: Pflegetrainerinnen begleiten die Patienten und ihre Angehörigen, geben Tipps, leiten an und stehen als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung. Das Programm ist ein voller Erfolg.

Das Evangelische Krankenhaus Bethesda der Johanniter beteiligt sich seit 2012 an dem Projekt, das es seit 2004 gibt. Die Pflegekassen bei der AOK Rheinland-Hamburg und bei der AOK Nordwest stellen dafür die erforderlichen Mittel im Rahmen einer Zuwendung bereit, und dies unabhängig von der Kassenzugehörigkeit der Versicherten. Aktuell verfügen alle fünf Mönchengladbacher Kliniken über dieses Angebot. Die Zahlen der von der Familialen Pflege erreichten Angehörigen im Bethesda haben sich in den vergangenen fünf Jahren vervielfacht: Im ersten Jahr nahmen 30 bis 40 Angehörige die kostenlose Praxisanleitung an, heute sind es mehr als 590 im Jahr. Dass im Bethesda eine so hohe Zahl von Betroffenen erreicht wird, hängt mit dem Ansatz zusammen, den das Krankenhaus gewählt hat: Die beiden Pflegetrainerinnen wurden in Vollzeit freigestellt. Sie bieten zwar auch zweimal im Jahr Kurse, aber ihr Schwerpunkt ist die Einzelbetreuung. Mit der Beratung und dem Training der Angehörigen wird bereits im Krankenhaus begonnen. Griffe werden eingeübt oder der Umgang mit technischen oder medizinischen Hilfsmitteln trainiert. Vor der Entlassung steht ein Hausbesuch an, bei dem Hinweise zur sinnvollen Umgestaltung der Wohnung für die Pflegesituation gegeben werden. Auch wenn der Patient wieder zu Hause ist, stehen die Pflegetrainerinnen den Betroffenen noch sechs Wochen mit Rat und Tat zur Seite. "Wir sehen uns als Brückenbauer zwischen dem Krankenhaus und dem Zuhause des Patienten", sagt die Pflegetrainerin Hannelore Unger.

Für die AOK und die das Projekt begleitende Universität Bielefeld ist die Familiale Pflege ein Erfolg, den es auszubauen gilt. "Das Modellprojekt entwickelt sich ständig weiter", sagt Alexandra Hansla vom Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld. "Es ist ein Lernprozess." Bei dem man allerdings schon ziemlich weit ist. Das Bethesda hat den Anspruch, das Angebot so auszubauen, dass möglichst jede betroffene Familie angesprochen wird. "Die alltägliche Pflege ist eine Herausforderung, mit der ein Krankenhaus die Angehörigen nicht allein lassen sollte", sagt Bethesda-Krankenhausdirektor Helmut Häfner. Die stellvertretende Regionaldirektorin Marion Schröder der AOK in Mönchengladbach weist auf ein neues Informationsangebot hin: Eine Demenz-Musterwohnung, die in Jülich eröffnet wurde, um pflegenden Angehörigen beispielhaft zu zeigen, wie eine Wohnung demenzfreundlich gestaltet werden kann. Eine Anmeldung ist aufgrund der hohen Nachfrage notwendig. Unter der Nummer 02461 682299 können sich interessierte Personen in Jülich anmelden.

Quelle: RP
 
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