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Mönchengladbach
Modernes und Klassisches mit extremen Rhythmen

Mönchengladbach. Beim 5. Sinfoniekonzert begeisterte der 29-jährige Schlagzeuger Alexej Gerassimez das Publikum. Von Heide Oehmen

Bereits in der vorvorigen Saison war das Sinfoniekonzert-Publikum restlos begeistert von dem jungen, aus Essen stammenden Schlagzeuger Alexej Gerassimez. Vielleicht war auch das ein Grund, dass beim zweiten Besuch des 29-Jährigen, sehr natürlich wirkenden Künstlers der Konzertsaal des Theaters Mönchengladbach fast ausverkauft war. Der zweite Preisträger beim ARD-Musikwettbewerb blieb seinem Auditorium nichts schuldig und übertraf sich diesmal noch mit der atemraubenden Wiedergabe des 1992 entstandenen Konzertes für Schlagzeug und großes Orchester aus der Feder des Schotten James MacMillan (*1959).

Das für alle Beteiligten äußerst komplizierte Werk trägt den Titel des alten französischen Adventsliedes "O komm, o komm, Emanuel", dessen Melodie aber erst gegen Ende des 25-minütigen Opus' zu erkennen ist. Gerassimez bediente wieselflink und mit höchster Präzision eine riesige, links und rechts vom Dirigentenpult aufgebaute Schlagwerkbatterie vom Marimbaphon über Vibraphon, bis zu chinesischen Glocken und unterschiedlichen Trommeln. Generalmusikdirektor Mikhel Kütson und seine dank schweißtreibender Probenarbeit optimal vorbereiteten "Niederrheinischen Sinfoniker hatten kein leichteres Los - die extremen rhythmischen Anforderungen, die es mit dem Solisten zu koordinieren galt, erforderten höchste Anspannung und bedingungslosen Einsatz. Nach dem glücklichen Gelingen brach verdienter Jubel los, und der Solist, der morgens in der Mönchengladbacher Musikschule sogar einen Meisterkurs für ausgewählte Schüler hielt, hatte noch die Kraft für ein virtuoses Marimbaphonsolo.

"Zum Weinen schön", entfuhr es einer Zuhörerin, als das Eingangsstück des Abends, die klanggesättigt und feierlich zelebrierte "Fantasie über ein Thema von Thomas Tallis" des Engländers Ralph Vaughan-Williams (1872-1958) verklungen war. Die hoch motivierten Streicher des Orchesters, aufgeteilt in eine große und eine in jeder Stimme nur doppelt besetzte Gruppe, legten fürwahr ganz viel Gefühl in diese fesselnde Musik.

Heiter ging der gefeierte Abend, den auch eine Flüchtlingsgruppe - vom Orchester eingeladen - erleben durfte, zu Ende. Ludwig van Beethovens 8. Sinfonie F-Dur op. 93 - obwohl im Rahmen seines Oeuvres recht spät komponiert - enthält so viele melodiöse Passagen und überrumpelnde musikalische Einfälle, dass das Zuhören - zumindest in einer solch überlegt austarierten und eleganten Interpretation - die reine Freude ist.

Quelle: RP
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