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Junge tot in Baum gefunden
Bewegender Abschied von 17-Jährigem in Mönchengladbach

Tot im Baum gefunden: Bewegende Trauerfeier für 17-Jährigen
Mönchengladbach. Zum Wickrather Friedhof in Mönchengladbach sind am Mittwoch rund 50 Menschen gekommen, um sich von dem 17-Jährigen zu verabschieden, der vor rund drei Wochen tot in einem Baum gefunden wurde. Zum Andenken an ihn stiegen weiße Luftballons in den Himmel. Von Maximilian Krone, Mönchengladbach

Die Trauerhalle am Wickrather Friedhof ist voll, als am Mittwochmorgen gedämpfte Trauermusik ertönt und Pfarrer Guido Helbig den Raum betritt. Vor ihm rund 50 Trauernde, die gekommen sind, um Mark S. die letzte Ehre zu erweisen. Hinten im Raum steht ein schlichtes Holzkreuz, auf dem zu lesen ist: "Du warst ein Held". 17 Kerzen brennen, für jedes seiner Lebensjahre eine. Pfarrer Helbig findet die passenden Worte für die Trauergemeinde.

Viele Fragen würden sich aufwerfen, an Gott und die Menschen, begann Helbig seine Trauerrede. "Ich habe Mark im Januar 2014 kennengelernt. Zuvor war er auf eine Weise dem Tod begegnet, wie man es sich kaum vorstellen kann", sagt der Pfarrer. Der damals 14-Jährige war dazwischen gegangen, als sein Vater auf die Mutter einstach und sie tötete. Mark S. selbst wurde lebensgefährlich verletzt, lag lange im Krankenhaus. Der Vater brachte sich später im Gefängnis um. "Mark hat heldenhaft agiert", meint Helbig und spricht von seelischen Wunden, die der Jugendliche erlitten habe, die so schlimm wogen, dass er es nicht mehr in geschlossenen Räumen aushielt und ein Leben auf Dächern und Bäumen vorzog, dort, wo er letztlich auch starb.

Mit der Schilderung über sein Kennenlernen mit dem Jungen sorgt Guido Helbig für den emotionalsten Moment der Andacht. "Ich hätte ihm gern anders geholfen, viele Menschen hätten ihm gern anders geholfen", sagt der Pfarrer mit zitternder Stimme. "Wir waren so froh, als er ins Jugendhaus Am Steinberg übersiedeln konnte. Und auch Mark S. schien ein wenig Hoffnung zu haben. Doch nach einem Jahr änderte sich etwas", sagt Helbig. Er habe alle Hilfsangebote abgelehnt, sich immer weiter zurückgezogen. "Es schien so, als flüchtete er vor sich selbst", meint Helbig. 

Immer wieder ist ein Schluchzen im Raum zu hören, in dem nur wenige Plätze frei geblieben sind. Hier und dort werden Tränen mit einem Taschentuch weggewischt. Am Ende des Trauergottesdienstes bleiben einige vor dem hölzernen Kreuz stehen, verweilen einen Moment und legen etwas nieder. Draußen gedenken die Trauernden mit rund einem Dutzend weißer Luftballons des Jugendlichen, der Ende April in einem Baum im Stadtteil Windberg gefunden worden war. 

Die Totenhalle des Wickrather Friedhofs. FOTO: Jörg Knappe

Auf Wunsch der Angehörigen wurde Mark S. bereits am Dienstag im engsten Familienkreis beigesetzt. Fotos vom Grab oder aus der Trauerhalle waren auch am Mittwoch nicht gestattet.

Vieles liegt in diesem Fall indes immer noch im Dunkeln. Etwa die Todesursache, die wegen der Länge der Zeit, in der der Körper von Mark S. im Baum hing, nicht mehr festgestellt werden konnte. Aber auch, wie es überhaupt soweit kommen konnte und ob dem Jugendlichen, der offenbar nie über den Mord an seiner Mutter hinwegkam, nicht hätte geholfen werden können.

In Vergessenheit geraten wird er wohl nicht so schnell. Am Freitag lädt auch die christliche Laiengemeinschaft Sant Egidio um 19.30 Uhr zu einem Gebet in der Citykirche am Alter Markt ein. 

 
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