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Heimat erleben
Mönchengladbach geht ins Ohr

Heimat erleben: Mönchengladbach geht ins Ohr
FOTO: probst
Mönchengladbach. Die Vitusstadt wurde schon oft in Liedern unterschiedlichster Genres besungen. Ob Rap, Fangesang oder Karnevals-Hit - Mönchengladbach ist eine Muse. Ein Streifzug durch die Musiklandschaft. Von Tim Specks

Wer eine Reise schon einmal am Mönchengladbacher Hauptbahnhof beendet hat und aus der Bahnhofshalle trat, um dort auf das Haus Westland zu blicken, der weiß: Die Stadt hat nicht nur schöne Seiten. Doch trotz manch baufälliger Ecken taugte Mönchengladbach schon häufig als Muse für Sänger, die aus der Vitusstadt stammen und die Liebe zu ihrer Heimatstadt besangen.

Der wohl bekannteste Gladbacher Künstler, der sich von seiner Heimatstadt zu einem Lied inspirieren ließ, ist Rapper Eko Fresh (). Zwar wurde er ausgerechnet in Köln geboren, doch aufgewachsen ist er in Mönchengladbach. Und so wundert es nicht, dass der Musiker schon früh in seiner Karriere eine Ode im Sprechgesang an die Stadt am Niederrhein schrieb. "Mönchengladbach Love" nennt sich dieses Werk. Gemeinsam mit Rap-Kollege Summer Cem zeichnet er in seinem Frühwerk ein ghettoartiges Bild der Stadt - samt Drogenverkauf, Alkoholkonsum und Schusswaffen. Doch die beiden zeigen auch andere Seiten Gladbachs auf: So besingen sie den Schillerplatz, den Marienplatz und die Borussia, die niemals absteigt. Sogar ein bisschen Stolz über ihre Herkunft lassen sich Eko Fresh und Summer Cem entlocken, wenn sie rappen: "Das ist Mönchengladbach, egal, wie gut du etwas kannst - wir können es achtfach".

Im Laufe seiner Karriere wurde der Mönchengladbacher deutschlandweit bekannt. Nominierungen bei Verleihungen von Musikpreisen trugen dazu bei, das Eko Fresh den Namen seiner Heimatstadt in die Öffentlichkeit trug. Den größten Mönchengladbach-Moment in seiner Karriere gab es aber 2003, als der Künstler im Song "Ich bin jung und brauche das Geld" über seine Heimatstadt rappte. Mit dem Lied hielt sich der Gladbacher 14 Wochen auf Platz fünf der deutschen Single-Charts. Und brachte den Namen der Stadt so dorthin, wo er auch hin wollte: "Aus Mönchengladbach bis raus in die Welt."

In der Welt - oder immerhin: In Europa - sind auch diejenigen Lieder über Mönchengladbach angekommen, die jedes Wochenende von Tausenden gesungen werden: Borussias Fans sind gleichzeitig Botschafter der Heimatliebe und der größte Chor, den die Stadt zu bieten hat. In vielen Liedern, in denen die Fans ihre Liebe zur Borussia kundtun, besingen sie gleichzeitig auch die Vitusstadt. Sogar einzelne Stadtteile Mönchengladbachs schafften es schon ins Lieder-Repertoire der Fohlenfans: "In Eicken auf dem Bökelberg - meine Liebe war gebor'n". Nicht zuletzt durch die Fangesänge, die die Borussen seit einiger Zeit auch wieder in Europas Stadien zum Besten geben dürfen, ist der Name "Mönchengladbach" international bekanntgeworden. Und bei ausländischen Fans und Kommentatoren ist die Aussprache des Stadtnamens beinahe so gefürchtet, wie Partien gegen Dnipro Dnipropetrowsk.

Noch ausgefallener, als der Name "Mönchengladbach" für diese Menschen klingen muss, war die Idee, die Jakob Fischer vor einigen Jahren hatte. Fischer ist gebürtiger Mönchengladbacher - und muss seine Heimatstadt sehr lieben. Denn diese Liebe veranlasste ihn dazu, die "Mönchengladbach-Hymne" zu schreiben.

In dem Song, der sich eher nach am heimischen Keyboard gespieltem Schlager, als nach pathetischer Hymne anhört, lässt Fischer eigentlich erst einmal kein gutes Haar an der Stadt. "Nicht so groß wie Berlin oder kulturell wie Wien, nicht so sauber wie Singapur und auch kein Ort wie Badekur" sei Mönchengladbach. Auch fehle es der Stadt an einem großen Fluss und einer Straßenbahn, und der Flughafen sei auch "recht mager", führt Fischer zu Autotune-Klängen fort. Doch bevor sich das Lied zu einem Abgesang auf Mönchengladbach entwickelt, bekommt Fischer die Kurve. Denn, so singt er, all diese Dinge könnten keinen Frust verbreiten. Wichtig sei eben nur, dass man sich zuhause fühlt. Dieser beinahe philosophisch klingenden Aussage folgt dann der Refrain, der Ohrwurm-Potenzial hat: "M-Ö-N-C-H-E-N-G-L-A-D-B-A-C-H - Hurra, ein bisschen wunderbar. Diese Stadt am Niederrhein wird nie 'ne Metropole sein. Doch das ist doch ganz egal, denn es lebt sich optimal."

Fischer geht noch weiter. Es brauche keine Skyline, und dass es keine Messen gebe und Borussia keine Pokale gewinne, sei doch nur gut für die Ruhe in der Stadt. Es folgt erneut der Refrain - und siehe da, der Name "Mönchengladbach" kann sogar ins Ohr gehen.

Trotz - oder gerade wegen - seiner etwas schrullig anmutenden Aufmachung war der Song in Mönchengladbach ein Hit, als er bei YouTube veröffentlicht wurde. Über den QR-Code gelangen Sie direkt zum Video. Nicht nur das Internet, auch die Bühnen des Karnevals nutzen Künstler, um über die Stadt zu singen. So, wie die "Dröpkes". Die Dahler Band schrieb 2007 den Song "Mönchengladbach - Meine Stadt am Niederrhein". Wie es dazu kam, erklärt Sänger Christian Holz: "Während unserer Tour waren wir in Köln. Da gibt es so viele Lieder über die Stadt. Das war für uns ein Grund, unsere Heimatverbundenheit auch einmal auszudrücken." In dem Lied besingt die Band all das, was Gladbach so lebenswert macht.

"Mönchengladbach", so sagt Christian Holz, "brauchte auch einmal eine Hymne. Die Stadt muss sich nicht hinter Köln oder Düsseldorf verstecken." Schon dieser Satz ist hitverdächtig.

Sind auch Sie inspiriert von Mönchengladbach? Lässt Borussia ihre poetische Ader pulsieren? Dann schicken Sie uns Ihre Ideen für ein Mönchengladbach-Lied. Egal ob Ballade, Rap oder Country-Song - Wir freuen uns auf Ihre Einfälle.

Quelle: RP
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