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Mönchengladbach
Mönchengladbach handelt fair

Mönchengladbach. In der Citykirche wurden das Fairtrade-Zertifikat übergeben und der Fair-Führer vorgestellt. Von Angela Rietdorf

Hans Oehmen hat eine Vision. "Am 11. März 2026 schließt der Eine-Welt-Laden, weil er überflüssig geworden ist. Es gibt dann überall fair gehandelte Produkte. Und Borussia Mönchengladbach schenkt während der Meisterfeier in diesem Jahr fair gehandelten Kaffee aus", malt der Vorstand des Eine-Welt-Ladens ein Zukunftsbild, das nicht nur Fußballfans begeistern würde. Der erste Schritt auf diesem zugegeben noch langen Weg ist getan: Mönchengladbach kann sich in die illustre Reihe der Fairtrade Towns einreihen und befindet sich damit auf Augenhöhe mit London, Paris und San Francisco. Am Freitag wurde in der Citykirche die Zertifizierungsurkunde durch Fairtrade Deutschland überreicht.

Fast anderthalb Jahre lang haben viele daran gearbeitet, dass sich Mönchengladbach nun stolz "Stadt des fairen Handels" nennen darf. Am Anfang stand die Idee, die während der Aktivitäten zum 30. Geburtstag des Eine-Welt-Ladens vor zwei Jahren geboren wurde. Es folgte der einstimmige Ratsbeschluss vom November 2014. Dann nahm eine Steuerungsgruppe ihre Arbeit auf, um die Voraussetzungen für die Zertifizierung zu erfüllen.

Dazu gehört zum Beispiel der Nachweis, dass eine bestimmte Anzahl von Läden fair gehandelte Produkte führt. Oder dass in Cafés und Restaurants fair gehandelte Lebensmittel verwendet oder angeboten werden.

Viele Informationen mussten zusammengetragen werden und sind dann auch gleich noch in einen Einkaufsführer geflossen - einen Fair-Führer, der die fairen Angebote in der Stadt vorstellt und zusammenfasst. Ihn gibt es in traditioneller Papierform oder auch im Internet auf der ebenfalls neu gestalteten Homepage "http://www.fairtrade-mg.de" .

Den Führer kann man zu Rate ziehen, wenn man wissen möchte, wo es fair gehandelte Rosen gibt, in welchem Café Fairtrade-Kaffee ausgeschenkt wird. Oder auch, wo es fair gehandelte Textilien gibt. Mit dem fairen Einkauf beruhigt man nicht nur sein Gewissen, sondern kann auch etwas bewegen. "Wenn die Menschen von dem leben können, was sie produzieren, müssen auch weniger Menschen aus wirtschaftlichen Gründen aus ihrer Heimat fliehen", sagt Pfarrerin Antje Brand vom Stadtverband der evangelischen Gemeinden. Auch OB Hans Wilhelm Reiners betont: "Wir müssen mehr tun, um den Menschen vernünftige Lebensgrundlagen zu bieten. Bei einem T-Shirt für 1,99 Euro kann irgendetwas nicht stimmen." Das sieht inzwischen eine steigende Anzahl von Deutschen so. "Der Fairtrade-Markt wächst und gedeiht", stellt Jan Kaiser vom Handelsverband NRW fest. Beispielsweise stammt inzwischen jede Vierte in Deutschland verkaufte Rose aus fairem Handel. Mit der nun von Ehrenbotschafter Manfred Holz an OB Reiners überreichten Zertifizierungsurkunde ist jetzt für Mönchengladbach ein Startschuss für faires Handeln gefallen, aber noch lange nicht das Ziel erreicht. "Die Kampagne nimmt heute Fahrt auf", erklärt Reiners. In der Tat gibt es "noch viel Luft nach oben", wie es Wolfgang Funke von der Katholischen Region Mönchengladbach ausdrückt. Zwar gibt es inzwischen schon zertifizierte Fairtrade-Schulen und -Kitas in Mönchengladbach.

Aber Manfred Holz von Fairtrade Deutschland zählt noch etliche weitere Möglichkeiten auf: fair gehandelte Fußbälle für alle Schulen und Vereine, fair gehandelte Kleidung in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, faire Süßigkeiten in den Schultüten. "Fairer Handel muss einfach immer selbstverständlicher werden", sagt Hans Oehmen.

Es sind ja immerhin noch zehn Jahre Zeit bis zur Meisterfeier.

Quelle: RP
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