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Interview mit Chef des Hockeyparks
"Coldplay hätte ich gern in Gladbach"

Mönchengladbach: Hockeypark-Chef Micky Hilgers: "Coldplay hätte ich gern in Gladbach"
Micky Hilgers auf der Tribüne mit den charakteristischen bunten Sitzplätzen. FOTO: Andreas Gruhn
Mönchengladbach. Hockeypark-Chef Micky Hilgers spricht über die Stars der Open-Air-Saison, den geplanten Kauf des Hockey-Parks und darüber, welche Hallengröße Mönchengladbach noch fehlt. Von Andreas Gruhn, Denisa Richters und Angela Rietdorf

Die Open-Air-Saison beginnt bald, Ihr Terminkalender für den Sparkassenpark ist voll wie nie. Welche Besucherzahlen werden Sie erreichen?

Hilgers Es gibt dieses Jahr 13 Veranstaltungen, zwölf Konzerte und die Olé-Veranstaltung. Der Vorverkauf läuft bisher gut, wir liegen schon jetzt weit über 100.000 und die stärksten Monate April, Mai und Juni kommen erst noch. Ich glaube, dass wir in diesem Jahr die 150.000 knacken werden. 13 Veranstaltungen sind allerdings auch das Maximale, mehr geht eigentlich nicht.

Wann beginnt die Saison für Sie?

Hilgers Das erste Open-Air-Konzert ist am 10. Juni mit "Die Söhne Mannheims". Aber eigentlich laufen die Veranstaltungen ganzjährig durch: Wir hatten gerade die Beginner in Köln und Düsseldorf, im Mai kommt Chris de Burgh nach Wuppertal, im Juni Deep Purple nach Köln. Am 3. Juni findet der Marathon in Mönchengladbach statt, bei dem wir Veranstalter sind. Und am 10. Juni läuft parallel zum Saisonauftakt in Gladbach die erste Olé-Veranstaltung in Oberhausen.

Sie haben die Rechte an der Olé-Reihe erworben. Was hat es damit auf sich?

Hilgers Ich hatte schon länger mit einer Übernahme geliebäugelt und haben dann Olé letztes Jahr in Mönchengladbach getestet, um dann im Sommer die Rechte zu kaufen. Jetzt führen wir sieben Veranstaltungen in ganz Deutschland durch, und wir haben für die nächsten Jahre noch Einiges mit der Marke vor.

Diese Stars kommen 2017 nach Mönchengladbach FOTO: Jörg Knappe

Wer es nicht kennt: Was ist Olé?

Hilgers Olé ist die größte Schlagerparty Deutschlands. Das läuft nach dem Mallorca-Muster ab. Mit dabei sind Matthias Reim, Mickie Krause oder Jürgen Drews. Es ist eine Veranstaltung mit einem zehn- bis zwölfstündigen Party- Programm. Olé ist eine gut eingeführte Veranstaltungsreihe, die es seit zehn Jahren gibt. Die Freunde des Schlagers werden genauso angesprochen wie jene, die Party machen wollen. Es werden riesige Besucherzahlen erreicht: Bei den sieben Veranstaltungen kommen 150.000 bis 200.000 Leute. Wir bringen Olé erstmals auch nach Hamburg. Bei der Präsentation waren 40 Medienvertreter, mit Olivia Jones als Präsentatorin von Hamburg Olé. Das Thema hat enorme Anziehungskraft.

Frustriert Sie diese Ballermannisierung nicht?

Hilgers Nein, gar nicht. Das ist einfach eine andere Zielgruppe. Wir präsentieren Olé erstmalig auch als Festival auf dem Nürburgring. Und wir werden wahrscheinlich mehr Karten verkaufen als das New-Horizon-Festival, das mehr als 150 DJs aufbietet. Olé ist einfach über zehn Jahre gewachsen, hat 120.000 Likes bei Facebook. Deswegen haben wir uns auch für die Marke und diese Riesen-Community entschieden. Gibt es Kritik aus der Branche?

Hilgers Nein, im Gegenteil. Viele ärgern sich, dass sie nicht selber zugeschlagen haben. Selbst der weltgrößte Konzertveranstalter verhandelt mit uns über Olé in Berlin. Kritik oder Probleme gibt es bei Bands wie Freiwild oder Böhse Onkels. Das würden wir auch nicht machen.

Wann läuft Olé in Gladbach?

Hilgers Am 1. Juli. Wir erwarten bis zu 18.000 Besucher.

Einen Tag, bevor die Tour de France durch Gladbach fährt. Was für ein Wochenende.

Hilgers Ja, aber Olé dauert zwölf Stunden, die Tour de France zwölf Minuten. (lacht)

Wo läuft der Vorverkauf noch gut?

Hilgers Bei Volbeat erwarten wir auch 18.000 Besucher. Auch Fury in the Slaughterhouse ist sehr gut angelaufen, Runrig, ZZ Top/ Status Quo, Scooter, Westernhagen und Sting entwickeln sich ebenfalls gut. Das wird richtig voll dieses Jahr.

Sie sind nicht nur Konzert-Veranstalter, auch Pächter des Stadions. Der Pachtvertrag der Betreibergesellschaft mit der EWMG läuft noch bis 2036. Sie haben aber ein Kauf-Angebot abgegeben. Was tut sich?

Hilgers Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und stehen in den Startlöchern. Für uns steht alles auf Grün. Jetzt warten wir auf den Startschuss, sprich das Go der EWMG und der Stadt.

Warum wollen Sie denn kaufen?

Hilgers Wir haben uns ein Monopol in einer Nische aufgebaut, aber um das zu erhalten, müssen wir immer einen Schritt weiter sein als die anderen. Wir müssen investieren, aber das macht nur bei Eigentum Sinn. Wir sprechen hier über Investitionen in siebenstelliger Höhe in Logistik, Infrastruktur und Service.

Als reiner Konzertveranstalter hätten Sie es einfacher. Allein mit der Olé-Tour würden Sie doch gut verdienen.

Hilgers Ja, ich hätte die halbe Arbeit und den doppelten Ertrag, aber was wir hier in Gladbach aufgebaut haben, ist unser langfristig angelegtes Kerngeschäft. Ich habe Ideen und möchte noch einiges bewegen. Ich bin Gladbacher und möchte das für meine Heimatstadt realisieren.

Es wird auch über ein Leistungszentrum des Deutschen Hockeybundes gesprochen. Wie weit sind die Pläne?

Hilgers Nach meiner Kenntnis würden der DHB und die Stadt gerne einen Bundesleistungsstützpunkt Hockey bauen und auch bei uns steht hier alles auf Grün. Es würden dann alle Enden zusammengeführt. Wenn wir das Stadion kaufen und das Leistungszentrum gebaut wird, gäbe es eine Win-Win-Win-Situation. Es würde als Gesamtpaket perfekt funktionieren.

Wird im Hockeypark denn auch mal wieder Hockey gespielt?

Hilgers Das Stadion ist für sportliche Großereignisse gebaut worden, und um die muss man sich bewerben. Das tut der DHB, aber andere Länder haben auch Interesse an Welt- oder Europameisterschaften. Ich könnte mir vorstellen, dass es vielleicht 2021 klappt. Auch hier haben wir dem DHB unsere vollste Unterstützung zugesagt, sowohl finanziell als auch organisatorisch.

Würden Sie nach dem Kauf das Stadion ausbauen?

Hilgers Wir haben viele Planmodelle. Erste Priorität hat der Ausbau von Infrastruktur, Zuschauerservice und der Backstage- und Backofficebereiche. Danach geht es um Investitionen in Bürobereiche für Seminar- und Sponsorenflächen, Partner- und Zuliefererbedürfnisse und natürlich auch Gastronomieflächen. Darüber hinaus gibt es weitere Planungen...

Gibt es einen Zeitplan?

Hilgers Wir stehen in den Startlöchern. Aber wir wollen keinen Druck aufbauen. Unser Pachtvertrag läuft ja noch 20 Jahre. Aber ein bisschen ungeduldig bin ich schon. Wir sind seit zwei Jahren an dem Thema dran und haben viel Geld in die Vorplanung gesteckt.

Im Nordpark tut sich viel. Es wird viel neu gebaut. Wie bewerten Sie die Pläne? Bedeuten mehr Gebäude auch mehr Schallschutz?

Hilgers Ja sicherlich. Die Entwicklung ist positiv. Für uns ist das Verkehrsthema wichtig. Es gibt hier genug Parkplätze, weil wir grundsätzlich der Fußball-Bundesliga aus dem Weg gehen. Die Stadt muss sich natürlich auf Dauer die Infrastruktur ansehen und die Frage stellen, ob nicht zusätzliche Parkhäuser benötigt werden. Momentan kommen wir mit den Plätzen gut aus, und die Parkplatzgesellschaft verdient auch gut an den geschätzten 30.000 Autos, die in diesem Jahr von Konzertbesuchern abgestellt werden.

Was fehlt Ihnen in Gladbach?

Hilgers Eine Halle für 2000 bis 3000 Besucher. Es gibt in Gladbach tolle Hallen, aber sie sind für unsere Veranstaltungsideen zu klein. Wir hätten für diese Größe viele Shows, mit denen wir jetzt nach Köln, Oberhausen oder Düsseldorf gehen. Ich glaube, es gibt entsprechende Gebäude im Bestand und von uns gibt es ein entsprechendes Konzept...

Wie zum Beispiel das TiN in direkter Nachbarschaft. Und ein Festival ist auch schon länger im Gespräch. Das für Gladbach vorgesehene Ein-Tages-Festival weicht jetzt nach Gelsenkirchen aus. Wie sicher sind Sie, dass es 2018 endlich in Gladbach klappt?

Hilgers Ein Festival ist eine komplexe Sache, für die Organisation braucht man Zeit. Letztendlich ist es daran auch gescheitert, wir hätten die abschließenden Vertrags-Gespräche dazu gern schon im Oktober mit der Bima geführt. Es wäre vielleicht auch einfacher gewesen, wenn wir direkt mit der Bima den Vertrag abgeschlossen hätten, was übrigens auch der OB so gewünscht hätte. Aber das war leider nicht möglich. Wir bleiben dran. Alle Seiten haben ein Interesse daran, 2018 ein Festival auf die Beine zu stellen, vielleicht klappt es ja wirklich. Verdient hätten es die Gladbacher.

Worauf freuen Sie sich in der kommenden Open-Air-Saison am meisten?

Hilgers Auf Volbeat. Auf Sting natürlich auch. Westernhagen unplugged wird auch etwas ganz Neues. Es wird ein großartiger Sommer!

Sie haben viele Stars geholt. Welcher Wunsch blieb bisher offen? Die Rolling Stones?

Hilgers Mit den Stones haben wir verhandelt. Sie sind aber letztendlich nach Düsseldorf gegangen. Das Nonplusultra in der Konzertszene sind für mich momentan Coldplay. Sie zeigen eine großartige Show und spielen einen Hit nach dem anderen. Und alle gehen total begeistert nach Hause. Aber dafür sind wir zu klein. Noch.

Quelle: RP
 
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