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Schläge, Tritte, Drohungen
Schon 130 Übergriffe auf Polizisten in Mönchengladbach

Mönchengladbach: Schon 130 Übergriffe auf Polizisten
Immer öfter werden Polizisten Opfer von Gewalt. Dieses Foto stammt aus Lübeck, doch auch in Mönchengladbach gibt es immer mehr Fälle. FOTO: dpa
Mönchengladbach. In Mönchengladbach steigt die Zahl der gewalttätigen Angriffe auf Polizisten kontinuierlich. Die Landesregierung ruft ab Montag zur "Woche des Respekts" auf. Auch in der Stadt wünschen sich Einsatzkräfte häufig mehr Wertschätzung. Von Gabi Peters

Die Gewalt richtet sich gegen Uniformen. Aber in den Uniformen stecken Menschen, die Schläge und Tritte, Demütigung durch Anspucken, Angst nach der Bedrohung mit Waffen verarbeiten müssen. "Und es sind die Familien der Polizistinnen und Polizisten, die hoffen, dass niemals das Telefon klingelt oder die Kollegen vor der Tür stehen, weil dem Partner, dem Vater oder der Mutter im Dienst etwas zugestoßen ist", sagt Michael Frehn.

Der Hauptkommissar weiß, wie sich das anfühlt. Vor sechs Jahren wurde er im Dienst Opfer eines Angriffs, dessen Folgen er und seine Familie bis heute spüren. Er war gerade dabei, einen Täter nach einem Einbruch zu fesseln, als ein junger Mann auf ihn zu gerannt kam und ihm aus dem Lauf mit dem Vollspann ins Gesicht trat. Es folgte eine lange Zeit im Krankenhaus mit unzähligen Gesichtsoperationen. Laut Gutachter hätte dieser Tritt Michael Frehn töten können, wenn er nicht in einer muskulär angespannten Situation und generell körperlich fit gewesen wäre.

Ein Polizist erzählt anonym über seinen Alltag

Neben Frehn gab es im Jahr 2010 noch 92 weitere Polizisten, die im Dienst angegriffen und verletzt wurden. 2012 waren es schon 124. Im Jahr 2015 erfuhren Polizistinnen und Polizisten in 132 Fällen Gewalt im Dienst. Dass diese Zahl 2016 wiederum übertroffen wird, ist absehbar: Bis zum 10. November wurden zu diesem Delikt 130 Strafanzeigen gestellt. Das sind durchschnittlich knapp zwölf Fälle von Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamte pro Monat nur in Mönchengladbach, Beleidigungen ganz außen vor gelassen.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat vom 14. bis 18. November die "Woche des Respekts" ausgerufen: gegen Hass und Gewalt, für ein friedliches Zusammenleben und mehr Wertschätzung im Umgang miteinander.

Michael Frehn versieht seinen Dienst auch heute noch auf der Straße. Aber die Folgen jener Nacht, in der er angegriffen wurde, bleiben: "Ich werde jeden Tag daran erinnert: Mein Gesicht ist teilweise noch immer taub und fühlt sich auch nach sechs Jahren noch in Gänze anders und fremd für mich an."

Angesicht der "Woche des Respekts" wünscht er sich: "Alle sollten generell etwas mehr Ruhe und Toleranz aufbringen. Manchmal sollten sich die, die über uns richten, einfach mal als Mensch in die Situation der Polizistin oder des Polizisten hinein versetzen und sich fragen: Wie hätte ich reagiert und gehandelt, wenn ich an seiner oder ihrer Stelle gewesen wäre?" Von der Politik erhofft Frehn sich, dass sie "hinter uns stehen würde". Nicht nur Michael Frehn erkennt ein steigendes Gewaltpotential. Sätze wie "ich mache meinen Job gerne, aber es wird härter da draußen" fallen sinngemäß bei vielen Polizisten, die in der Stadt ihren Dienst versehen.

Auch Polizeipräsidenten Mathis Wiesselmann beobachtet die Entwicklung mit Sorge: "Meine Kolleginnen und Kollegen leisten Großartiges. Sie haben Respekt und Achtung verdient. Polizeibeamte sorgen dafür, dass die Menschen in Mönchengladbach in einer insgesamt sicheren Stadt leben können. Und ich finde es skandalös, dass ihre Würde und körperliche Integrität immer wieder verletzt wird."

Mathis Wiesselmann musste in diesem Jahr schon in 130 Fällen Strafanträge stellen, weil Polizistinnen und Polizisten beleidigt oder verletzt wurden. "Zum Glück gibt es deutlich mehr Zuspruch als Anfeindung, aber die Entwicklung geht dennoch in eine falsche Richtung. Wir werden dem durch konsequentes, rechtsstaatliches Handeln begegnen."

Seit Anfang des Jahres hat die Mönchengladbacher Polizei einen verstärkten Personaleinsatz in den Nächten auf Freitag und Samstag sowie vor Feiertagen. "Dies versetzt uns in die Lage, zum Schutz der Bürger wirkungsvoller einzugreifen. Außerdem lässt eine ausreichende Personalstärke Übergriffe gegen Polizeivollzugsbeamte weniger wahrscheinlich werden", sagt der Polizeipräsident. Er zieht ein klares Fazit: "Mönchengladbach hat eine engagierte Polizei verdient - und die Beamten eine Bevölkerung, die ihre Arbeit respektiert und wertschätzt."

Mehr zu der "Woche des Respekts" gibt es im Internet unter www.respekt.nrw.

Quelle: RP
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