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Mönchengladbach
Schorch: Kein Stellenabbau, aber Kurzarbeit

Mönchengladbach Schorch - Kein Stellenabbau, aber Kurzarbeit
Diese Mega-Motoren werden bei Schorch für die Ölindustrie in Abu Dhabi hergestellt. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Beim angeschlagenen Mönchengladbacher Motorenbauer Schorch soll es vorerst keinen weiteren Personalabbau geben. Das teilten die Geschäftsleitung und der Mutterkonzern ATB der Belegschaft am Freitagmorgen in einer Mitarbeiter-Informationsveranstaltung mit. Von Andreas Gruhn

Allerdings ist für den Oktober aufgrund der desolaten Auftragslage Kurzarbeit für Teile des Werks beantragt worden. Dies betrifft nach Informationen unserer Redaktion rund 30 bis 40 Prozent der Beschäftigten. Zuletzt hatte es Kurzarbeit bei Schorch im Januar gegeben.

Derzeit sind rund 400 Mitarbeiter bei Schorch beschäftigt. Eine Jobgarantie gibt es aber nicht. "Wir würden diese Personalstärke gerne beibehalten. Wenn das Geschäft wieder anzieht, brauchen wir unsere Fachkräfte. Wir müssen unsere Kosten deutlich reduzieren, einen weiteren Personalabbau kann ich dabei nicht ausschließen, ist jedoch bisher nicht geplant", sagt Gilbert Faul, Vorstandsmitglied des ATB-Mutterkonzerns.

Schorch war schwer in Schieflage geraten, weil der niedrige Öl- und Gaspreis die Nachfrage nach druckfesten elektrischen Motoren stark gedrückt hat.

Zuletzt machte Schorch 2013 Gewinne, im vergangenen Jahr hatte sich das Unternehmen bereits betriebsbedingt von 115 Mitarbeitern getrennt. Der Umsatz war von 80 auf 50 Millionen Euro eingebrochen.

In der vergangenen Woche war erhebliche Unruhe aufgekommen, weil eine Verlagerung der Produktion nach China befürchtet worden war. Geschäftsleiter Michael Grüner kündigte daraufhin ein Gesamtkonzept an. Dies war am Wochenende in Wien mit dem Mutterkonzern ATB und dem Eigentümer, der chinesischen Wolong-Gruppe, abgestimmt worden.

ATB-Vorstandsmitglied Gilbert Faul und Schorch-Geschäftsleiter Michael Grüner informieren die Belegschaft am Freitagmorgen über die geplanten Umstrukturierungen im Unternehmen. Demnach sollen die Strukturen, Hierarchien und Arbeitsabläufe komplett aufgebrochen werden.

Im Unternehmen sollen vier neue Organisationseinheiten für die einzelnen Marktsegmente geformt werden. Einen zentralen Einkauf etwa solle es dann nicht mehr geben. Diese Einheiten sollen wie vier Unternehmen im Unternehmen arbeiten, eine Auslagerung soll es aber nicht geben, versichert Grüner. Damit wolle man um ein Drittel schnellere Reaktions- und Lieferzeiten erreichen, um so höhere Kundenzufriedenheit, schnelleres Geld und letztlich wieder mehr Aufträge zu erhalten.

In China ist überdies ein gemeinsames Joint Venture mit einem chinesischen Werk des Mutterkonzerns geplant. Dort sollen Motoren gebaut werden, die explizit für den chinesischen Markt bestimmt sind. So wolle man speziell in China projektierte Aufträge erhalten. Dafür werde Entwicklung aus Mönchengladbach benötigt.

Die Motoren-Wicklung in Mönchengladbach werde aber beibehalten. Drei bis sechs Mitarbeiter sollen für ein bis zwei Jahre dort eingesetzt werden. "Das hat nichts mit einer Verlagerung zu tun", sagt Faul. "Wenn der Markt wieder anzieht, braucht der Eigentümer die Fachkräfte und das Know-How in Deutschland.

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