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Leichenfund in Mönchengladbach
Toter im Baum erfroren oder an Überdosis gestorben

Mönchengladbach: Toter im Baum erfroren oder an Überdosis gestorben
In diesem Baum wurde die Leiche gefunden. Für die Bergung mussten die vorderen Äste entfernt werden. FOTO: Sabine Kricke
Mönchengladbach. Nach dem Fund einer Leiche in der Baumkrone eines Privatgartens in Mönchengladbach hat die Obduktion ergeben, dass der junge Mann vermutlich erfroren oder an Betäubungsmitteln gestorben ist. Die Nachbarn zeigen sich erschüttert. Von Sabine Kricke, Gabi Peters und Andreas Gruhn

Der Schock bei den Anwohnern einer Wohnsiedlung in Mönchengladbach sitzt auch zehn Tage nach dem fürchterlichen Fund noch tief. Die Blicke der Anwohner sind gesenkt, als sie an dem Grundstück vorbeigehen, auf dem bereits Ende April ein Spaziergänger die Leiche eines Mannes in einer Baumkrone entdeckte.

Am Dienstag wurde der Leichnam des Mannes obduziert. "Dabei haben sich keine Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden am Tod der aufgefundenen Person ergeben", teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstagnachmittag mit. Der Tote könnte erfroren oder an einer Intoxikation, also einer Vergiftung durch Medikamente oder Drogen gestorben sein. 

Dieses Bild vom Leichenfundort veröffentlichte die Polizei um zu zeigen, wie schlecht der Tote im Hintergrund zu erkennen ist. FOTO: Polizei MG

Nachbarn vermuten, dass es sich bei dem Toten um einen jungen Mann handelt, der als Obdachloser in dem Wohngebiet bekannt war und in der letzten Zeit nicht mehr gesehen wurde. Die Staatsanwaltschaft will dies nicht ausschließen. Die Identität des Toten stehe nach wie vor noch nicht sicher fest. Mittels einer DNA-Analyse soll die Identität eindeutig geklärt werden. Die Beamten gehen davon aus, dass dieses Ergebnis Ende dieser Woche vorliegen könnte. 

"Es ist wirklich unfassbar"

Die Äste des abgetrennten Baumes liegen noch immer an der Straße. FOTO: Sabine Kricke

In dem Wohngebiet, in dem die Leiche gefunden wurde, sorgt der Fall für Entsetzen. "Traurig und gruselig zugleich", sagt eine Anwohnerin in dem belebten Wohngebiet mitten in Mönchengladbach. Die junge Frau ging täglich mit ihren Kindern an der Stelle vorbei, an der der tote Mann wochenlang lag. "Es ist wirklich unfassbar, dass da niemand etwas von mitbekommen hat. Aber der Baum war so dicht bewachsen, da konnte man wirklich nichts sehen", sagt die Frau.

Ein 59-jähriger Spaziergänger hatte im Baum in etwa dreieinhalb bis vier Meter Höhe eine vermeintlich leblose Person oder eine lebensgroße Puppe wahrgenommen. Um die Leiche des Mannes aus der Baumkrone zu befreien, musste die Feuerwehr zahlreiche Äste abtrennen. Die Überreste liegen bis heute noch auf einer Grünfläche in der Nähe des Baumes. "Spekuliert wird natürlich viel, aber sicher weiß das niemand hier. Aber so oder so, das ist einfach nur schlimm", sagt eine weitere Nachbarin. 

Der tote Jugendliche lebte nach Familientragödie auf Bäumen und Dächern.