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Mönchengladbach
Trauerfeier für toten 17-Jährigen findet Mittwoch statt

Mönchengladbach: Trauerfeier für Toten im Baum findet Mittwoch statt
Alle Trauergäste sind eingeladen, am Mittwoch um 10 Uhr Luftballons für den toten Jungen steigen zu lassen. (Symbolbild) FOTO: Shutterstock/Maxim Blinkov
Mönchengladbach. Das Schicksal des 17-Jährigen, der tot in einem Baum in Mönchengladbach gefunden wurde, hat viele bewegt. Die Bürger der Stadt sind aufgerufen, am Mittwoch um 10 Uhr Luftballons für Mark steigen zu lassen. "Du warst ein Held", wird auf seinem Grab stehen. Von Gabi Peters

Waltraud Aretz kannte Mark. Vor drei Jahren hat sie seine Mutter beerdigt, am Mittwoch will die Bestatterin mit dafür sorgen, dass auch der Sohn, der Ende April tot in einem Baum gefunden wurde, einen würdevollen Abschied bekommt. Am 17. Mai beginnt um 10 Uhr eine Trauerfeier in der Kapelle auf dem Friedhof in Wickrath.

Anschließend wird der 17-Jährige beerdigt. "Mark, Du warst ein Held", ließ Waltraud Aretz auf das Grabkreuz schreiben. Und das aus gutem Grund. Denn vor drei Jahren warf sich Mark S. dazwischen, als sein Vater ausrastete und mit einem Messer auf seine Mutter einstach. Der damals 14-Jährige wurde selbst lebensgefährlich verletzt. Im Gegensatz zu seiner Mutter überlebte der Junge die blutige Familientragödie – zunächst.

Traumatisiert zog er sich von der Gesellschaft zurück

In den nachfolgenden Jahren zog sich Mark S. schwer traumatisiert immer weiter in die Isolation zurück. Lebte in Bäumen und übernachtete auf Dächern. Alle Hilfsangebote lehnte er ab. Sein "Revier" war der Ortsteil Windberg, wo er auch einige Zeit in einem Heim untergebracht war. Die Anwohner kannten ihn. Brigitte Bengner, die ihre Feinkost-Manufaktur an der Lindenstraße hat, sah den jungen Mann oft. Zuletzt im Januar. "Er saß auf einer Bank und aß einen Joghurt mit den Fingern", sagt die Geschäftsfrau.

Selbst in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen, tat Brigitte Bengner der junge Mann leid. Sie sprach ihn an, fragte, was los sei. Doch Mark S. habe nur geantwortet: "Sie wissen gar nichts über mich." Die Aufforderung, von sich zu erzählen, habe er mit den Worten "alles viel zu schlimm" abgelehnt. "Man merkte genau, dass er eine tief verletzte Seele besaß", sagt Brigitte Bengner.

Luftballons für Mark

Auch sie hat das Schicksal des jungen Mannes tief bewegt, weil auch sie eine harte Kindheit gehabt habe. Deshalb reifte die Idee, dass die ganze Stadt ein Zeichen setzen könnte für den jungen Mann, der so viel Schreckliches miterlebt hat und dem keiner helfen konnte. "Es wäre doch schön, wenn alle morgen um 10 Uhr Luftballons für Mark S. steigen lassen könnten", sagt sie. Und: "Wer es nicht schafft, zur Trauerfeier nach Wickrath zu kommen, lässt die Ballons einfach irgendwo im Stadtgebiet fliegen – in Gedenken an den jungen Mann."

Waltraud Aretz geht davon aus, dass viele, die Mark S. kannten, ihn auf seinem letzten Weg am Mittwoch begleiten werden. Denn das, was Mark S. durchmachen musste, lasse niemanden kalt. "Ich bin selber Mutter. Natürlich macht man sich da Gedanken", sagt die Unternehmerin. Auch sie weiß, dass es viele Hilfsangebote für den jungen Mann gab, die er jedoch allesamt ablehnte.

Todesursache nicht mehr sicher feststellbar

Mark S. wurde im Januar zum letzten Mal gesehen. Ende April wurde er leblos in einer Eibe auf einem Privatgrundstück gefunden. Laut Obduktionsbericht starb er an Unterkühlung oder an einer Überdosis. Die genaue Todesursache konnten die Rechtsmediziner nicht mehr feststellen, da Marks Leichnam wochenlang unentdeckt blieb.

Am Mittwoch soll er nah bei seiner Mutter beerdigt werden.