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Unfallstatistik 2017
Sechs Tote auf Gladbacher Straßen

Mönchengladbach: Unfallstatistik 2017
Am 16. Juni sorgte das illegale Rennen auf der Fliethstraße für einen toten Fußgänger. Es war der spektakulärste Unfall im vergangenen Jahr. Inzwischen ist Mord-Anklage erhoben. FOTO: Rixkens
Mönchengladbach. Die Zahl der Unfälle ist 2017 laut Polizei-Statistik leicht gesunken. Unauffällig ist in dieser Hinsicht auch die Fahrradstraße "Blaue Route". Von Andreas Gruhn

Weniger Unfälle, weniger Verletzte, aber mehr Tote im Straßenverkehr - das ist die Bilanz der Verkehrsunfallstatistik in Mönchengladbach im vergangenen Jahr. Sechs Menschen starben 2017 bei Unfällen auf den Mönchengladbacher Straßen (ohne Autobahnen). 2016 hatte es fünf Todesopfer gegeben, in den Jahren davor jeweils nur zwei.

Der spektakulärste Fall 2017 war das illegale Autorennen, das sich drei Fahrer auf der Fliethstraße lieferten und dabei einen 37-jährigen Fußgänger bei hohem Tempo erfassten und meterweit durch die Luft schleuderten. Der Mann starb an der Unfallstelle, ein 27-jähriger Autofahrer ist wegen Mordes angeklagt. Noch ist offen, ob das Gericht die Anklage akzeptiert. Aber der Fall zeigt: Ein Auto kann zum Tatwerkzeug, ein Unfall zur fahrlässigen oder vorsätzlichen Körperverletzung oder gar zum Tötungsdelikt werden. "Straßenverkehr ist kein Spiel mit Matchbox-Autos", sagte Polizeipräsident Mathis Wiesselmann am Freitag bei der Vorstellung der Unfallstatistik.

Vier Strafanzeigen wegen Rasens

Seit Oktober ist die Teilnahme an illegalen Autorennen eine Straftat. Seitdem sind bei der Polizei vier Strafanzeigen wegen Rasens eingegangen. Unklar ist, ob es sich in diesen Fällen tatsächlich um illegale Autorennen handelte. In Mönchengladbach gebe es keine Raserszene, hieß es am Freitag bei der Polizei, wohl aber eine "Poser-Szene". Autofahrer motzen ihre Fahrzeuge auf und stellen sie demonstrativ zur Schau. Das machte sich in Schwerpunkteinsätzen bemerkbar, bei denen die Gladbacher Beamten auch Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen haben, die wegen Umbauten nicht weiter fahren durften.

Insgesamt ist die Zahl der Verkehrsunfälle 2017 wieder unter die Zehntausender-Marke gerutscht. Die Beamten registrierten 9.882 Unfälle (minus 1,3 Prozent). "Grundsätzlich sind wir mit der Entwicklung zufrieden", sagte Wiesselmann. "Allerdings ist die Zahl der Unfälle im Fünfjahresvergleich gestiegen." Einzelne Brennpunkte in der Stadt gebe es nicht, sagte Dirk Hoff, Leiter der Direktion Verkehr.

Naturgemäß ist die Zahl der Unfälle in den Zentren von Mönchengladbach und Rheydt allerdings am höchsten. Bei 860 Unfällen (minus 2,4 Prozent) wurden insgesamt 1085 Menschen verletzt (minus 1,5 Prozent). 203 Menschen wurden schwer verletzt, sie verbrachten mindestens 24 Stunden im Krankenhaus. Die Zahl der Kinder, die bei Unfällen verletzt wurden, stieg von 91 auf 100, die meisten von ihnen waren passiv am Unfall beteiligt, sie saßen also etwa als Mitfahrende im Unfallauto.

Drogen bereiten Polizei Sorgen

Auffällig ist, dass die Hauptunfallursache Alkohol und Drogen erneut angestiegen ist, und zwar um 7,9 Prozent auf 137 Unfälle. Alle anderen registrierten Unfallursachen sind im Fünf-Jahres-Vergleich gesunken, nur die Unfälle im berauschten Zustand kommen immer häufiger vor. "Das macht uns erhebliche Sorgen", sagte Wiesselmann und kündigte weiter verstärkte Kontrollen an. Offenkundig ist auch, dass Unfallfahrer weiter eine hohe Neigung haben, einfach wegzufahren. Das passierte im vergangenen Jahr in 2072 Fällen - rund 20 Prozent aller Unfallfahrer flüchten demnach. "An alle Unfallflüchtige: Wir kriegen Sie trotzdem", sagte Wiesselmann. Die Aufklärungsquote bei Unfällen mit Verletzten lag bei 76,5 Prozent, bei allen Unfällen bei 40,2 Prozent.

Der Anteil der verunglückten Radfahrer und Fußgänger ist weiter hoch. Von den insgesamt 899 verunglückten aktiven Verkehrsteilnehmern waren 233 Radfahrer und 159 Fußgänger. "Der Anteil steigt, aber man sollte nicht generell auf Autofahrer schimpfen", sagt Dirk Hoff. "Wir stellen ein hohes Maß an Selbstgefährdung durch falsches Verhalten fest." Deshalb ist die Polizei seit 2017 mit einer neuen Fahrradstaffel der Direktion Verkehr im Einsatz. Unauffällig ist übrigens die Fahrradstraße ("Blaue Route"), was die Unfallzahlen angeht. Seit Einführung der Fahrradstraßen-Regelung im September wurden drei Unfälle gezählt - genauso viele wie im Vergleichszeitraum ein Jahr zuvor. "Ich fahre dort selbst mit dem Rad seit vier Jahren und habe keine Veränderung festgestellt", sagte Hoff. Allerdings räumte Wiesselmann ein: "Die neue Regelung hat zu einer Emotionalisierung geführt, und die wird im Verkehr auch gelebt."

Quelle: RP
 
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