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Stiftungspreis verliehen
Mönchengladbacher Schülerin steckt mit Tanzleidenschaft an

Stiftungspreis verliehen: Mönchengladbacher Schülerin steckt mit Tanzleidenschaft an
"Und wenn sie tanzt..." - Miriam Röder in Aktion. FOTO: Klose / Plüm
Mönchengladbach. Die ehemalige Huma-Schülerin Miriam Röder engagiert sich seit Jahren in vielen sozialen Tanzprojekten. Auch dafür wurde sie am Freitag an ihrer alten Schule geehrt. Von Markus Plüm

Der deutsche Pop-Star Max Giesinger besingt in seinem Hit "Wenn sie tanzt" eine Frau, die sich in ihrer eigenen Traumwelt befindet, sobald sie sich zur Musik bewegt. Ob er damit Miriam Röder meint, sei einmal dahingestellt. Sie könnte aber durchaus die Besungene sein.

Denn Tanz ist nicht nur die große Leidenschaft der 25-Jährigen. Tanz ist ihr Lebensinhalt, ihr Leitmotiv. Und es ist ihr sehnlichster Wunsch, andere anzustecken, zu begeistern. "Wenn ich tanze, fühle ich mich lebendig. Und ich möchte, dass andere ihre eigene Freude daran entdecken können." Das hat Röder verinnerlicht - und Tanz zu ihrem Beruf gemacht. Nach einem Bachelor-Studium im Fach "Bühnentanz" an der Kölner Hochschule für Musik und Kunst absolvierte sie an der Hochschule für Kunst und Theater in Ottersberg bei Bremen ihren Master im Schwerpunkt "Tanzpädagogik".

FOTO: Plüm Markus

Um ihren tänzerischen Werdegang zu verstehen, hilft ein Blick in ihre Kindheit. Röder wurde im April 1992 in Mönchengladbach geboren - und kam im Alter von vier Jahren erstmals mit dem Tanzen in Berührung. "Meine Eltern haben mich in die Ballettvorstellung ,Max und Moritz' mitgenommen. Hinterher haben sie mich gefragt, ob ich auch in die Ballettschule möchte." Sie zögerte damals keine Sekunde, sagte sofort ja. Und so ging sie fortan zum Ballettunterricht der Mönchengladbacher Schule "Happy Dance". Neben Ballett erlernte sie dort auch Jazz Dance und Modern Dance.

Mit elf Jahren merkte sie dann, dass das Tanzen für sie doch mehr sein könnte, als nur ein Hobby. "Also wurden aus zwei Trainingseinheiten pro Woche vier bis fünf." Röder wurde immer besser. Mit 16 meldete sie sich zur Aufnahmeprüfung an der Folkwang-Universität der Künste in Essen an. "Ich wurde genommen. Dabei wollte ich eigentlich nur schauen, ob ich realistische Chancen habe, das später beruflich zu machen." Sie verzichtete, trainierte zunächst weiter in Mönchengladbach und ackerte für ihr Abitur am Stiftisch Humanistischen Gymnasium (Huma).

Dieses besuchte sie seit dem Jahr 2002 - und konnte auch dort nicht vom Tanzen ablassen. Sie wirkte in den Schulmusicals "Oklahoma" und "West Side Story" mit, nahm am Suchtvorbeugungs-Projekt "Tanz als Prävention" teil. Und sie engagierte sich auch sozial. "Beim Behindertensportfest war ich als Teampartnerin dabei und sammelte im Philosophiekursus alte Handys, um damit Aufklärungsarbeit gegen Mädchenbeschneidung zu unterstützen."

Im Jahr 2011 machte sie schließlich ihr Abitur - und reiste direkt nach den Prüfungen mit einem Düsseldorfer Verein nach Israel, um dort an einem interkulturellen Tanzprojekt mit Israelis, Palästinensern und Deutschen ihren Teil zur Völkerverständigung beizutragen - Tanz als Brückenbau.

Ihre soziale Ader verlor sie dann auch im Studium nicht. Sie tanzte in den Semesterferien ehrenamtlich mit Kindern der Mönchengladbacher Astrid-Lindgren-Grundschule. Nach ihrem Umzug nach Bremen engagierte sie sich dort an einer Grundschule, übte mit Neuntklässlern ein eigenes Stück ein und führte es am Theater Bremen auf. "Wichtig war mir immer, dass ich dabei Menschen begegne. Das ist das, was mir Freude bereitet." Das darf sie als Tanzpädagogin heute sogar beruflich machen. "Das empfinde ich als großes Glück - ich kann das machen, was ich liebe."

Ihren Werdegang verfolgte man in all den Jahren auch am Huma mit großem Interesse. Ihr Engagement begeisterte auch ihren ehemaligen Lehrer Marc Breuer, der Röder schließlich als Preisträgerin für den Stiftungspreis der Neustiftung des Huma vorschlug. Damit sollen Schüler oder Ehemalige geehrt werden, die sich in besonderer Weise dem "Prinzip Verantwortung" des Philosophen und Huma-Absolventen Hans Jonas verschrieben haben.

Im April erhielt Röder schließlich den Anruf, dass sie ausgewählt wurde. "Das war ein emotionaler Moment für mich, damit hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet", gibt Miriam Röder unumwunden zu. Gestern nun fand die Preisverleihung in der Huma-Aula statt - und Röder war sichtlich gerührt. Sie appellierte an die versammelten Oberstufen-Schüler: "Nutzt die Schulzeit, euch einzubringen und denkt nicht nur an die schulischen Leistungen. Schule bedeutet noch so viel mehr als nur Lernen."

Eigentlich müsste man Max Giesinger raten, seinen Refrain noch einmal umzuschreiben: "Und wenn sie tanzt, denkt sie an andere."

Quelle: RP
 
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