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Mönchengladbach
Mönchengladbachs Oase am Wasserturm

Mönchengladbach. Seit 100 Jahren pflegt der Kleingärtnerverein (KGV) Windberg ein beschauliches grünes Refugium für seine Mitglieder und Erholung suchende Besucher und Passanten. Zunehmend pachten Familien mit Kindern hier Parzellen. Von Anke Schönlau

Es summt rund um Johanna Müllers kleine Laube. Aus drei Stöcken fliegen die Bienen ein und aus in ihrem Kleingarten, es ist idyllisch und heiß an diesem Samstagmittag. Schon drei Mal musste die Süßkirsche in diesem Jahr abgeerntet werden, darunter gibt es ein wenig Schatten und Kühle. Der Honig, den der Imker bereits aus den Stöcken geholt hat, glänzt goldgelb und flüssig in der Sonne.

100 Jahre gibt es nun dieses kleine Refugium zwischen Stadt und Land schon, den Kleingärtnerverein (KGV) Windberg. Regelmäßig landet Gladbachs ältester Kleingartenverein bei landes- und bundesweiten Wettbewerben unter den ersten Zehn. Zur 100-Jahr-Feier sind Bürgermeister Michael Schroeren, Bezirksvorsteher Herbert Pauls, SPD-Fraktionsvorsitzender Felix Heinrichs und Vertreter von überregionalen Kleingartenvereinen gekommen. Der Verein hat eine bewegte Zeit hinter sich. Die Nachkriegszeit war schwer, immer wieder gab es Hochs und Tiefs. Bis heute hat der Verein 441 Kleingartenpächter kommen und gehen sehen.

1/3 Gemüse, 1/3 Laube, 1/3 Zierpflanzen, das sind die Regeln für jeden Pächter. Das klingt nach hartem Regelwerk und abgeschlossener Welt hinter Gartenzäunen. Für die Windberger ist es heute viel mehr als das: "Ein Naherholungsgebiet", sagt der Vorsitzende Thomas Dedters nicht ohne Stolz. Gerade Jüngere entdeckten den Kleingarten wieder für sich. Das etwas angestaubte Image wurde abgelegt, die letzten drei Gärten an Familien mit Eltern unter 25 Jahren vermietet. Kinder können hier draußen spielen, wie es in der Stadt oft nicht möglich ist. Die Bewohner des benachbarten Altenheims spazieren durch die Wege, eine Gruppe bewirtschaftet ihr eigenes Gemüsebeet. Wer Ruhe oder Bewegung braucht, findet beides hier mit Gewissheit.

Nachwuchsprobleme kennt der Verein derzeit nicht. Mit der Zeit gehen will man, auch was die Gärtnerei selbst betrifft. Michael Corres hat eine Ausbildung zum Fachberater gemacht und viele Dinge im Verein angestoßen. Gemeinsam mit befreundeten Mitgliedern hat er eine 350 Quadratmeter große Kompostieranlage aufgebaut. Statt Chemie soll Salz das Unkraut im Zaum halten, ein "Insektenhotel" Raum für Schmetterlinge und Käfer aller Art bieten - natürliche Schädlingsbekämpfung, gespritzt wird fast gar nicht mehr. "Alles soll hier möglichst biologisch zugehen", sagt Corres. Auch für ihn ist der Kleingarten ein Stück Erholung, er findet hier Ausgleich zur Arbeit in der Gastronomie. Am schönsten sei es frühmorgens, wenn im Sommer das Sonnenlicht durch die Gardinen fällt und die Vögel zwitschern.

Bei Johanna Müller summen dann die Bienen. Die sind den ganzen Tag genauso entspannt wie sie selbst, wenn sie in ihrem Garten arbeitet. "Nur wenn der Imker kommt und den Honig fortnimmt, werden sie etwas böse", verrät Müller.

Quelle: RP
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