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Mönchengladbach
"Mogli" bringt Kita zu Flüchtlingskindern

Mönchengladbach: "Mogli" bringt Kita zu Flüchtlingskindern
Professor Astrid Krus, OB Hans Wilhelm Reiners, Dr. Erwin Müch (Rotary Club), Thomas Thüring (Erzieher), Professor Harald Vergossen und Andrea Riedel (Erzieherin, v.l.) mit Kindern in der mobilen Kita. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Eine mobile Kita besucht Flüchtlingskinder und ihre Eltern in ihren Unterkünften und gewöhnt sie auf diese Weise an deutsche Bildungseinrichtungen. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und könnte zum Modell werden. Von Angela Rietdorf

Hassan spielt mit der Holzeisenbahn, setzt die Schienen zusammen und schiebt die bunten Wagen über die Holzbrücke. Erzieherin Andrea Riedel sitzt bei ihm und spielt mit. An einem Tisch malen die Jüngeren. Dazwischen springen Kinder umher, die sich lachend bunte Tücher über den Kopf legen. Alle haben sich fein gemacht, weil Besuch angekündigt ist. Ein ganz normaler Kita-Alltag? Nein, denn diese Kita ist in der Flüchtlingsunterkunft am Fleener Weg untergebracht, aber auch nur an einem Tag der Woche. An den anderen Wochentagen macht sie Station in vier weiteren Unterkünften für geflüchtete Menschen zwischen Rheindahlen und Giesenkirchen.

Mogli heißt das Projekt. Das steht für "Mobil gemeinsam lernen international" und verfolgt das Ziel, die Kinder in den Flüchtlingsunterkünften an den Alltag in den deutschen Kindergärten heranzuführen und auch die Eltern mit den Strukturen bekannt zu machen. 299 Kinder im Kindergartenalter leben in Mönchengladbacher Flüchtlingseinrichtungen, nur rund 80 besuchen eine Kita. "Nach einer Flucht möchten die meisten Eltern ihre kleinen Kinder nicht in fremde Hände geben", erklärt Sozialdezernentin Dörte Schall. "Wenn die Kinder also nicht in die Kita gehen, muss die Kita eben erst mal zu den Kindern kommen." Einmal in der Woche kommt die mobile Kita in jede der Flüchtlingsunterkünfte.

Dass es zu diesem Projekt kommen konnte, ist einer Konstellation zu verdanken, wie sie für Mönchengladbach inzwischen erfreulicherweise typisch ist: Gemeinsinn trifft auf offene Strukturen in der Verwaltung und vorhandene professionelle Einrichtungen werden eingebunden. Mit anderen Worten: Der Rotary Club finanziert im Rahmen seines jährlichen Sozialprojekts Sachmittel und Transportkosten, das Land hat zwei Erzieherstellen bewilligt und die Hochschule Niederrhein begleitet das Projekt wissenschaftlich und ergänzt es durch ein psychomotorisches Angebot der Studenten.

Das Angebot der Hochschule zielt darauf, das Grundbedürfnis der Kinder nach Bewegung für Entwicklungsprozesse zu nutzen, also nicht nur auf der motorischen Ebene zu bleiben. "Wir bauen Bewegungslandschaften auf, die auch umgestaltet werden können, so dass die Kinder laufen, springen, klettern und sich selbstwirksam fühlen können", erklärt eine der Studierenden. Sie lernen dabei aber auch, was "über", "unter" oder "hinter" bedeutet.

Bewegung ist umso wichtiger, als die Kinder im Normalfall gar kein Deutsch können. Das sei der entscheidende Unterschied zur Arbeit in einer normalen Kita, meint Andrea Riedel. "Wir arbeiten mit Händen und Füßen und Mimik." Natürlich nicht nur bei den Kindern, sondern oft auch bei den Eltern. "Die Eltern sind sehr offen und wir haben einen sehr herzlichen Umgang", berichtet die Erzieherin. Und ihr Kollege ergänzt: "Es ist eine sehr freudevolle und gewinnbringende Arbeit."

Sie ist für dieses Jahr finanziert und die Stadt hofft auf Dauerhaftigkeit. "Wir haben beim Land schon einen Folgeantrag gestellt", sagt Jugendamtsleiter Reinhold Steins.

Quelle: RP
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