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Serie "Was macht eigentlich?"
Von der Rathausspitze an die Tafel

Monika Bartsch aus Mönchengladbach: Vom Rathaus zur Tafel
Die Vorsitzende der Tafel steht einmal die Woche selbst hinter dem Lebensmittelstand. FOTO: MB
Mönchengladbach. Fünfeinhalb Jahre Lehrerin, zwei Töchter großgezogen, Kommunalpolitikerin, sieben Jahre Oberbürgermeisterin, nun seit bald elf Jahren ehrenamtliche, sehr aktive Vorsitzende der Mönchengladbacher Tafel. Monika Bartsch hat viel getan, viel erlebt und sagt: "Ich bereue nichts." Von O. E. Schütz

Sie hat 2002 als Oberbürgermeisterin eine Blitzreise nach Australien mit Olympiasieger Micki Hilgers gemacht, um die Hockey-Weltmeisterschaft 2006 nach Mönchengladbach zu holen - das Sommermärchen mit dem Titelgewinn Deutschlands als Krönung.

Monika Bartsch hat bei der Landesregierung in Düsseldorf um Unterstützung für den Bau des Borussia-Parks und des Hockey-Stadions geworben, ebenfalls erfolgreich. In der Folge sind drumherum im Nordpark mittlerweile an die 20.000 Arbeitsplätze entstanden oder kommen dorthin.

Es ist ein immer noch wachsender neuer Stadtteil. Monika Bartsch kann von ihrem Haus in Hehn bequem in ein paar Minuten dorthin radeln, - mit nicht zur Schau getragenem Stolz. Noch in diesem Jahr soll nun auch der gemeinnützige Verein "Mönchengladbacher Tafel" in den Nordpark ziehen - die Institution, der Monika Bartsch, Mönchengladbachs Oberbürgermeisterin im "Ruhestand", seit elf Jahren einen Großteil ihrer Zeit widmet - als Vorsitzende, ehrenamtlich mit sehr viel Spaß am Unruhestand.

Oberbürgermeisterin ist Monika Bartsch seit 2004 nicht mehr. Doch Langeweile kennt sie gar nicht. "Die Vorstellung, meine Zeit ausschließlich mit Haushalt, Gartenarbeit und irgendwelchen Freizeitbeschäftigungen zu verbringen, ist für mich ein Horror", sagt die 68-Jährige. "Darum habe ich mir nach meinem - selbst bestimmten - Ausscheiden als Oberbürgermeisterin sehr bewusst das Engagement bei der Tafel ausgesucht, deren Arbeit ich schon im Amt schätzen gelernt hatte. Sie hilft benachteiligten Menschen, "die es sehr schwer haben in unserer Gesellschaft".

Küsschen: der scheidende Oberbürgermeister Heinz Feldhege und seine Nachfolgerin Monika Bartsch am 18. September 1997. FOTO: Lothar Strücken

900 Familien kommen regelmäßig zur "Tafel" an den Fleener Weg in Lürrip: Arbeitslose, Rentner mit sehr kleinem Einkommen, Alleinstehende mit und ohne Kinder. Lauter Menschen, die wirklich bedürftig und als solche amtlich anerkannt sind, die die gültige Leistungsbescheinigung des Job-Centers vorweisen können - "vorrangig die Bedürftigsten der Bedürftigen".

Einmal in der Woche gibt es für jeden "Kunden" Lebensmittel. Mit fünf Kühlwagen und je drei "Mann" Besatzung holt die Tafel fünfmal in der Woche bei Supermärkten, Discountern, Lebensmittel-Läden und -Herstellern, Bäckern, Metzgern und Landwirten Waren ab, deren Haltbarkeitsdatum bald erreicht ist, oder Überproduktionen.

Sie werden, statt vernicht zu werden, für einen geringen Obolus an bedürftige Menschen abgegeben oder auch an Schulen, Kindergärten, Jugendzentren und Obdachlosen-Treffs. Dreimal in der Woche ist der "Tafel-Laden" geöffnet. Und es wird jedes Mal festgehalten, wer in dieser Woche schon etwas bekommen hat.

Nur wenige passive Mitglieder hat die Tafel; aber 110 aktive Helfer mit einem eingespielten Führungsteam aus sieben Vorstandsmitgliedern. "Alles Leute, die aus ihrem Beruf den nötigen Sachverstand und die Begeisterung, aktiv zu helfen, mitbringen", sagt Monika Bartsch. Sie selbst packt wie die anderen tüchtig mit an: Sie fährt mit im Kühlwagen, holt die Lebensmittel ab, hilft beim Entladen und Lagern im Kühlraum. Sie steht an den drei Verkaufstagen im Laden und gibt Lebensmittel aus. Arbeit, die keineswegs immer reibungslos läuft: "Unsere Kunden sind nicht alle einfach.

Das Kommunionkind FOTO: Lothar Strücken

Da gibt es Verständigungsprobleme und auch mal Ärger", sagt Monika Bartsch. "Wer depressiv veranlagt ist, hat da als Helfer schnell Probleme. Da muss man schon mal Konflikte aushalten und lösen." Doch die dankbaren Gesichter der Bedürftigen sind den Einsatz wert. Mehr "Lohn" gibt es nicht: Alles ist rein ehrenamtlich, selbst die Fahrtkosten werden nicht erstattet. Bei einigen bleibt es auch nicht immer bei einem Vormittag in der Woche. Die Vorsitzende zum Beispiel macht auch noch die Öffentlichkeitsarbeit der Tafel, wie auch die anderen Vorstandsmitglieder zusätzliche Aufgaben eigenverantwortlich erledigen.

Und nun kommt für den Verein noch ein kompletter Umzug hinzu. Das Gebäude am Fleener Weg wird abgerissen, der Vertrag mit der EWMG für ein anderes Domizil ist so gut wie unterschriftsreif. Bis Jahresende soll der Umzug abgeschlossen werden in einen Teil des einstigen "Theater im Nordpark", kurz TiN: früher eine riesige Lagerhalle des britischen Militärs, dann Ausweichquartier für das Opernhaus, Flüchtlingsquartier und nun schon zum Teil für die "Redbox" genutzt: die Veranstaltungshalle von Micki Hilgers. So schließt sich der Kreis zum Australien-Trip 2002.

Quelle: RP
 
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