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Mönchengladbach
Monsterjagd auf der Krichelstraße

Mönchengladbach: Monsterjagd auf der Krichelstraße
Überall in der Stadt sind die "Pokémon Go"- Spieler unterwegs - wie hier an der Krichelstraße. Mit den Handys in der Hand gehen sie auf Monsterjagd. FOTO: Ilgner Detlef
Mönchengladbach. Seit Mittwoch ist das Handy-Spiel "Pokémon Go" in Deutschland erhältlich, Hunderte Spieler bevölkern seitdem auch Mönchengladbach. Was sie an der digitalen Monsterjagd fasziniert - und warum man sie sogar auf Friedhöfen trifft. Von A. Artz, M. Keller und L. Krause

Sie stehen an der Krichelstraße, ein Dutzend vielleicht, und starren auf ihre Smartphones. Sie lachen, reden, manche geben an, die meisten sind sich nie zuvor in ihrem Leben begegnet. Und doch tun sie sich derzeit auch in Mönchengladbach zusammen. Hunderte, mit einem Ziel: Monsterjagd.

Dass Jugendliche und junge Erwachsene auf ihr Handy starren, wenn sie durch die Innenstadt laufen, kennt man mittlerweile. Sie schreiben mit ihren Freunden, posten etwas in sozialen Netzwerken wie Facebook. Seit Mittwoch aber ist alles ein bisschen anders: Seither gibt es einen neuen Grund, für den alle in der Stadt auf ihr Handy starren - und der heißt "Pokémon Go". Die App hat Deutschland im Sturm erobert, auch in Mönchengladbach sieht man die Spieler seit dieser Woche auf der Straße. Zu viele, um sie ernsthaft zählen zu können, treffen sich. Vor allem an jenen Orten, an denen die Pokémon genannten Monster am häufigsten zu finden sind.

So funktioniert "Pokémon Go"

Einer von ihnen ist Marius (19). Seit drei Stunden läuft er durch die Stadt, auf der Suche nach immer stärkeren Monstern, mittlerweile ist auch er an der Krichelstraße angekommen, weil es dort gerade durch einen Bonus besonders viel zu holen gibt. "Das Spiel ist einfach fabelhaft", sagt er. Nun aber droht das vorzeitige Ende: Der Akku seines Handys gibt gleich den Geist auf, dann ist erst einmal Feierabend, eigentlich. "Ich werde mir noch eine Powerbank kaufen", sagt er. Ein zusätzlicher Akku, mit dem das Handy länger genutzt werden kann - und die Suche noch länger dauert.

Bei "Pokémon Go" wird das Bild der Umgebung per Handykamera auf den Bildschirm übertragen, darauf tauchen dann die digitalen Wesen auf. Wassermonster findet man eher an der Niers, wer sich auf Friedhöfe der Stadt traut, trifft auf Geister-Pokémon. Ziel ist es, möglichst seltene Monster zu fangen, um diese in Arenen gegeneinander antreten zu lassen. Eine davon befindet sich am Brunnen vom Bismarckplatz, eine andere am Hauptbahnhof, gleich zwei rund um den Borussia-Park, wie die Fohlenelf bei Facebook meldet. Und der Stadtbetrieb schreibt: "Manche jagen Pokémon, wir jagen Müll!" Gerade sind eben alle im Pokémon-Fieber.

"Pokémon Go": Ein Pokémon entwickelt sich

Das erste Spiel der Reihe brachte der japanische Videospiel-Hersteller Nintendo im Jahr 1996 für den Gameboy auf den Markt, nun gibt es also auch einen Ableger für Smartphones und Tablets. Und viele von denen, die damals schon gespielt haben, verfallen nun erneut dem Sammelfieber.

Dennis arbeitet im Minto, gerade hat der 31-Jährige aber Mittagspause und fängt Monster am Hans-Jonas-Park. "Ich hab die alten Spiele früher schon gehabt, jetzt fühle ich mich an meine Kindheit erinnert", sagt er. Mit dem Unterschied, dass das neue Spiel die Zocker von der Couch holt: Wer Monster fangen möchte, muss raus - und viel laufen. Bis zu zehn Kilometer legen manche zu Fuß pro Tag dafür zurück. Von den Spielern in der Umgebung hört man ähnliche Geschichten wie die von Dennis. Manche grinsen, wenn man sie auf der Jagd ertappt, fühlen sich erwischt. Andere prahlen sofort mit ihren jüngsten Fängen. Und fast alle haben früher schonmal ein Pokémon-Spiel in den Händen gehabt. Aber eben nur fast: Die 13-jährige Sarah ist in den Ferien mit ihrer Freundin im Hans-Jonas-Park unterwegs und findet die kleinen Tierchen einfach nur "süß". Von gruseligen Geistern bis zu flauschig-dicken Schweinchen bietet das Spiel eben alles.

Spiel: Pokémon Go - Alles was man wissen muss FOTO: Marcel Salven

Als die Bonus-Zeit abläuft, löst sich die Gruppe an der Krichelstraße langsam wieder auf. Manche gehen zurück zur Arbeit, andere nach Hause. Viele aber ziehen einfach weiter, mit einem Ziel: Monsterjagd in Mönchengladbach.

Quelle: RP
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