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Mönchengladbach
Müllfrei in Mönchengladbach

Mönchengladbach: Müllfrei in Mönchengladbach
"Ganz schlimm fand ich im Supermarkt schon immer diejenigen, die sich fünf Plastiktütchen herausrupfen, obwohl sie nur ein paar Bananen brauchen", sagt die 40-jährige Jessica Prüßmann. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Jessica Prüßmann lebt "Zero Waste" - dabei versucht sie, im Alltag fast komplett auf Verpackungen zu verzichten. Mittlerweile gibt es sogar einen kleinen Unverpackt-Laden in der Stadt. Und trotzdem gelingt "müllfrei" nicht immer. Von Ludwig Krause

Unauffällig kommt er daher. So unauffällig, dass man tatsächlich daran vorbeilaufen könnte, ohne zu wissen, dass man gerade daran vorbeigelaufen ist. Mönchengladbach hat seit März seinen eigenen kleinen Unverpackt-Laden an der Gasthausstraße. Nudeln und Gewürze gibt es dort, Mehl, Seifen und Bambus-Zahnbürsten. Alles ohne Plastik-Verpackungen, vieles in Gläsern und Tonnen zum selbst abfüllen.

Im Laden steht Jessica Prüßmann und füllt sich eine Schippe Nudeln in das mitgebrachte Beutelchen. Die 40-Jährige arbeitet als Vertriebsassistentin in Düsseldorf, lebt mit ihrem Freund in Mönchengladbach - und das "Zero Waste". So nennt man den Trend, bei dem Menschen so weit wie möglich auf Müll, vor allem aber auf Plastikverpackungen, verzichten. "Seit ungefähr einem Jahr leben wir schon so", sagt Prüßmann. Auf eine nachhaltige Lebensweise haben sie schon vorher geachtet. "Dann habe ich aber Reportagen über das Thema gesehen und mich immer mehr reingedacht", sagt sie. Prüßmann fing an, ihr Freund zog relativ schnell nach. "Natürlich war er am Anfang ein bisschen skeptisch. Aber mittlerweile ist er selbst total dabei", sagt sie.

"Tante Lemi" hilft dabei. So heißt der Unverpackt-Laden, der vom Verein Eine Erde betrieben wird und zweimal in der Woche geöffnet hat. Wer einkaufen möchte, muss dem Verein beitreten, die Formulare liegen im Laden aus. Das ist kostenlos, jederzeit kündbar und ohne weitere Verpflichtungen, wie die Macher sagen. Knapp 100 Mitglieder konnte man so mittlerweile gewinnen. Wie Jessica Prüßmann. "Ganz schlimm fand ich im Supermarkt schon immer diejenigen, die sich fünf Plastiktütchen herausrupfen, obwohl sie nur ein paar Bananen brauchen", sagt die 40-Jährige. Über das soziale Netzwerk Instagram knüpft sie Kontakt zu Bloggern, die ebenfalls auf Müll verzichten. Shia Su ist so eine. Die 32-Jährige aus Bochum betreibt das Internet-Blog "Wasteland Rebel" und hat gerade das Buch "Zero Waste: Weniger Müll ist das neue Grün" veröffentlicht.

Ihre Zahnbürste ist aus Bambus, die Zahnpasta besteht aus kleinen Tabletten, die ebenfalls bei "Tante Lemi" erhältlich sind. Shampoo kauft sich Jessica Prüßmann in fester Form, am Stück. "So, wie meine Oma es auch immer gemacht hat", sagt sie. Viele Produkte seien aber auch einfach auf dem Wochenmarkt erhältlich. "Die Händler kennen uns schon ganz genau, wissen, was wir wollen", sagt sie. Keine Plastik-Tüten, Folien oder Ähnliches. Aber ist das nicht deutlich teurer als im Supermarkt? "Wir haben schon seit Jahren immer gleich viel Geld in der Haushaltskasse. Und das reicht genauso wie früher", sagt Prüßmann. Gekauft wird in Beuteln, zu Hause wandert alles in bereitstehende Gläser. "Das spart nicht nur Müll, sondern sieht auch noch richtig gut aus", sagt Prüßmann. Ihre Freunde kennen die Wohnung ohne Verpackungen (die derart stilvoll daherkommt, dass sich schon einschlägige Portale mit Foto-Geschichten darauf gestürzt haben) längst. "Wir kochen sehr viel, haben gerne Gäste zu Hause. Ich will ja niemanden überreden. Wenn nur zwei Menschen ein bisschen etwas ändern, weil sie die Idee gut finden, ist das schon ein Gewinn", sagt sie.

Ganz ohne Verpackungen kommt aber auch Prüßmann nicht aus. Ihre drei Katzen sind, wie Katzen eben so sind: fressen nur das eine Futter, das es eben nur mit entsprechendem Müll gibt. "Wir haben Alternativen versucht, aber das rühren sie nicht an", sagt sie. Und auch beim sich ankündigenden Nachwuchs gibt es die eine oder andere Klippe zu umschiffen. "Und ich würde auch lügen, wenn ich sage, dass ich nie einen schwachen Moment habe und immer tapfer an den Chips-Tüten vorbeigehe", sagt sie. Aber: Den Abfall haben Jessica Prüßmann und ihr Freund mittlerweile auf die Hälfte reduziert.

Quelle: RP
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