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Mönchengladbach
Müssen Flüchtlinge bald in Zelten wohnen?

Mönchengladbach: Müssen Flüchtlinge bald in Zelten wohnen?
Ende Juli kamen über Nacht 150 Flüchtlinge nach Mönchengladbach. Die meisten von ihnen kamen im Theater im Nordpark (TiN) unter. FOTO: Schultz
Mönchengladbach. Heute kommen 50 Flüchtlinge in der Stadt an. Sie werden in einer Turnhalle untergebracht. Das Land hat weitere 300 Menschen angekündigt - über die normalen Zuweisungen hinaus. Die Verwaltung sucht fieberhaft nach Unterkünften. Von Inge Schnettler

Zum zweiten Mal in diesem Jahr muss die Stadt die Turnhalle der Förderschule an der Wilhelm-Strauß-Straße in Windeseile für etwa 50 Flüchtlinge herrichten lassen. Sie werden heute erwartet. In der Halle werden sie das Nötigste vorfinden - Betten, Stühle, Tische. Mehr nicht. Und ebenfalls zum zweiten Mal in diesem Jahr muss die Stadt auf die zusätzliche Zuweisung von Asylsuchenden durch die Bezirksregierung reagieren. 300 Menschen sind angekündigt, wann sie kommen, ist derzeit noch unklar. Bleiben werden sie ein halbes Jahr, das hat die Bezirksregierung bereits gesagt. "Anders als im Juli, als buchstäblich über Nacht 150 Flüchtlinge zu uns kamen, will das Land uns dieses Mal etwas mehr Zeit geben, damit wir uns vorbereiten können", sagt der städtische Pressesprecher Wolfgang Speen. An einer Lösung wird fieberhaft gearbeitet. Und zum ersten Mal wird über das Errichten von Gebäuden in Leichtbauweise und Zelten nachgedacht.

Derzeit sind in den Unterkünften und in den von der Stadt angemieteten Wohnungen rund 2000 Flüchtlinge untergebracht. "Der dramatische Anstieg der Flüchtlingszahlen in Deutschland hat auch massive Auswirkungen auf unsere Stadt. Wir müssen nun erneut innerhalb kurzer Zeit sehr vielen Menschen eine Unterkunft bieten. Ansonsten droht ihnen die Obdachlosigkeit. Hier haben wir die Verpflichtung, die Menschen unterzubringen. Wer sich die Bilder aus dem Nahen Osten, aus Syrien und Afrika angeschaut hat, kann nachvollziehen, warum die Menschen sich auf die Flucht begeben", sagt Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners. Die Stadt sei weiterhin bemüht, für die Unterbringung von Flüchtlingen sozialverträgliche Lösungen zu finden. "Bisher haben wir immer das Ziel verfolgt, die Menschen nicht zentral an einem Standort unterzubringen, sondern auf das gesamte Stadtgebiet zu verteilen. Nach der Ankündigung von 300 Flüchtlingen des Landes muss allerdings nach einer zentralen Unterkunft gesucht werden", ergänzt er. Wo diese errichtet werden kann, wird sich erst in den nächsten Tagen zeigen. Die Flüchtlinge müssen dann vielleicht tatsächlich in winterfesten Zelten wohnen, so der Oberbürgermeister.

Schon einmal wurde in diesem Jahr die Turnhalle an der Wilhelm-Strauß-Straße für Flüchtlinge hergerichtet. FOTO: Isabella Raupold

Gestern haben sich die Ratsfraktionen von CDU und SPD zum Thema Flüchtlinge zu Wort gemeldet. Sie fordern mehr Unterstützung für die ehrenamtlichen Helfer. "Wir wollen", sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Felix Heinrichs, "dass es in der Stadtverwaltung einen Ansprechpartner für die Unterstützung von Ehrenamtlichen gibt. Und es ist notwendig, die Flüchtlingsarbeit in der Verwaltung enger zusammen zu führen." Ralf Kremer, sozialpolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion, sagt: "Die vielen Mönchengladbacher, die sich in den Unterkünften um Sprachunterricht, soziale Angebote und vieles mehr kümmern, stehen stellvertretend für die in der Stadt stark spürbare Willkommenskultur."

Die Fraktion der Grünen fordert die Stadtverwaltung auf, leerstehende Immobilien im öffentlichen Besitz für die Flüchtlinge herzurichten. Karl Sasserath, Fraktionsvorsitzender der Grünen, denkt dabei insbesondere daran, weitere Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen JHQ zu überprüfen, aber auch an andere Immobilien wie das ehemalige Finanzamt , das in absehbarer Zeit frei werdende Polizeipräsidium oder die Niederrhein-Kaserne.

Quelle: RP
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