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Mönchengladbach
Muna nimmt die Angst vor dem Lesen

Mönchengladbach: Muna nimmt die Angst vor dem Lesen
Muna ist für die Kinder mehr als ein Hund: Sie tröstet, hört den Kindern zu und ist vor allem ganz, ganz kuschelig. FOTO: privat
Mönchengladbach. Am Franz-Meyers-Gymnasium gibt es einen Schulhund, der Kinder beim Lesenlernen unterstützt. Von Christian Lingen

Muna ist gerade einmal etwas mehr als ein Jahr alt. Bei Geschichten über Piraten und spannenden Abenteuern hört sie ganz gebannt zu. Dazu legt sich Muna auf ihre graue Decke, spitzt die braunen Öhrchen und starrt ihren Vorleser an. Zweimal in der Woche kommt die Australian Shepherd Hündin zu Kindern der fünften und sechsten Klasse des Franz-Meyers-Gymnasiums, die eine Leseschwäche haben. Einige haben Hemmungen, andere stottern oder tun sich schwer, flüssig zu lesen. Muna hilft den Schülern. Ihre Leseschwäche verschwindet. Indem sie der Hündin vorlesen, verlieren die Kinder ihre Ängste. Die Leseförderung ist nur eines von vielen Projekten, die das Franz-Meyers-Gymnasium in der Nachmittagsbetreuung anbietet.

"Bei Klassenarbeiten haben wir festgestellt, dass sich die Noten von Schülern, die eines der Angebote wahrnehmen, verbessern", sagt Alexandra Oellers. Der Mathematik- und Deutschlehrerin gehört Muna. "In einem Kurs habe ich sie zum Therapie-Begleithund ausbilden lassen", sagt sie. Durch ihren Gehorsam und ihre Freundlichkeit eignet sie sich bestens als Schulhund. Als Belohnung für ihren Einsatz bei den Kindern gibt es Leckerchen und Streicheleinheiten.

FOTO: Privat

"In der Leseförderung trauen sich Kinder, die im Unterricht völlig still sind, vorzulesen", sagt Alexandra Oellers. Das ist Munas Verdienst. Sie motiviert die Schüler. Anders als im normalen Unterricht sind die Stunden in der Leseförderung völlig zwanglos und vor allem eines: freiwillig. Einige Kinder kommen, weil sie mitmachen möchten, andere, weil die Lehrer den Eltern eine Teilnahme empfohlen haben. Ebenfalls an Kinder der fünften und sechsten Klasse richtet sich an vier Tagen in der Woche eine dreistündige Hausaufgaben- und Übermittagsbetreuung sowie ein Lernbüro. Neben einer Kraft der AWO helfen Lehrer und Mittelstufenschüler bei der Betreuung. Im Lernbüro machen die Schüler zunächst Tests und prüfen, was sie gut können und was noch nicht so richtig klappt. Danach werden die Defizite verbessert. "Jeder kann individuell arbeiten. Manche Schüler machen nur vor Klausuren mit, um den Stoff zu wiederholen und sich vorzubereiten", sagt Alexandra Oellers. Seit diesem Schuljahr gibt es eine Lernbegleitung in Mathe, Englisch, Französisch und Latein. Sie richtet sich an Siebt- und Achtklässler. Für das kommende Schuljahr ist ein Angebot für Schüler der neunten Jahrgangsstufe in Planung. Zwei weitere Kleingruppen helfen den Kindern, ihre Konzentration zu stärken. Zweimal pro Woche treffen sie sich und trainieren mit Sudokus, Bilderrätseln und Gleichgewichtsübungen.

"Förderung hat an unserer Schule Tradition. Als das Gymnasium vor 40 Jahren entstand, war Giesenkirchen ein typischer Arbeiterstadtteil. Schon immer setzten wir daher auf einen Aufstieg durch Bildung. Die Herkunft spielt keine Rolle. Entscheidend ist, dass die Angebote kostenlos sind. So kann jeder mitmachen", sagt Schulleiter Armin Bruder.

Quelle: RP
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