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Mönchengladbach
Museum zeigt Interesse am Graffiti-Projekt

Mönchengladbach: Museum zeigt Interesse am Graffiti-Projekt
Die Künstler vom Geroweiher: Nina Sentis (l.) und Janine von den Driesch bei den Abschlussarbeiten ihres Werks an der Fassade des Jukomm. FOTO: Ilgner
Mönchengladbach. Jugendliche haben eine begehbare Graffiti-Galerie erstellt - ganz legal. Noch ist das eine Ausnahme, denn geeignete Flächen fehlen in der Stadt. Von Dominik Lauter

Graffiti galt lange Zeit als Vandalismus, als bloße Schmiererei - und auch heutzutage wird diese Form der Kunst noch kontrovers diskutiert. Dementsprechend gibt es in der Stadt bisher kaum Möglichkeiten für so genannte "Street Artists", also Straßenkünstler, ihre Leidenschaft legal auszuleben.

Um dies zu ändern und um Nachwuchs für die aufstrebende Kunstform zu gewinnen, hat der SKM (Verein für soziale Dienste) in Rheydt in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und dem Jukomm den Graffiti-Workshop "Step by Step" organisiert. Vier Tage lang verwandelten ausgewählte Jugendliche unter der Leitung der Künstler "Hoker" und "Norm-Abartig" die Fassade des Jugendzentrumes Step in eine temporäre, begehbare Graffiti-Galerie.

Hinter den Pseudonymen stecken Steffen Mumm und Philipp Kömen, die als Experten von der Kulturpädagogin Heike Kox ins Boot geholt worden waren. "Das Projekt hat zwei Standbeine. Zum einen gibt es den Workshop mit den Jugendlichen, und zum anderen die Bildung eines Graffiti- und Street-Art-Arbeitskreises", sagte Kox. Der Arbeitskreis habe zum Ziel, Graffiti als legale Kunst zu fördern und Schmierereien und Vandalismus vorzubeugen. "Die Dose ist genauso ein künstlerisches Medium wie ein Stift oder ein Pinsel", betonte Mumm. Auch Kömen ist sich sicher: "Kunst verbindet, aber vielen fehlt ganz einfach der Zugang".

Mit dabei waren nicht nur Jugendliche aus dem Jukomm. Auch Interessierte vom Gymnasium am Geroweiher waren beteiligt, die schon im vergangenen Jahr mit den beiden Künstlern erste Erfahrungen mit dem Sprayen gemacht haben. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Über zwei Etagen verteilt stehen die gesprühten Kunstwerke. In der urbanen Fassade finden sich unter anderem Motive wie Blumen, Engelsflügel und ein Sonnenuntergang über dem Meer.

Über eines sind sich Projektinitiatoren und Künstler einig: Es muss mehr legale Möglichkeiten geben, diese Kunst zu betreiben. Als Vorbild gilt Bochum: Mit über 20 öffentlich nutzbaren Freiflächen gilt die Stadt als ein Mekka der Subkultur in NRW. Aber auch die meisten anderen Städte im Ruhrgebiet haben diese so genannten "Halls of Fame", die man sich auch hier in Gladbach sehnlichst wünscht. Laut der beiden Künstler stand in Mönchengladbach lediglich der Margarethengarten als Graffiti-Hot-Spot zur Verfügung. Das Gelände soll aber bald einem Neubau-Projekt weichen.

Gemeinhin sind die Meinungen über derartige Kunst-Projekte noch sehr konservativ. "Die Bewerbungsphase lief sehr schleppend. Viele weiterführenden Schulen zeigten kaum Interesse. Umso wichtiger ist dann die Eigeninitiative einzelner Lehrer und Pädagogen", sagte Kox. Unter den Interessierten war am Donnerstagnachmittag auch Uwe Riedel vom Museum Abteiberg. Er kam als "interessierter Nachbar" vorbei und zeigte sich durchaus beeindruckt: "Vielleicht können wir ja in Zukunft ein ähnliches Projekt starten."

Freunde der Fotografie haben heute noch die Gelegenheit, von 10 bis 18 Uhr die Werke der jungen Künstler zu bewundern und mit der urbanen Fassade zu experimentieren.

Quelle: RP
 
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