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Mönchengladbach
Musikhör-Unterricht mit Fortsetzung

Mönchengladbach: Musikhör-Unterricht mit Fortsetzung
Wolfram Goertz erklärt den Besuchern im Carl-Orff-Saal pointiert die Feinheiten der Musik. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach. Wolfram Goertz' "Betreutes Hören" ist ein überaus amüsantes Plauderstündchen, mit dem er Besucher zu aufmerksamen Hörern erziehen möchte. Nur leider streikte im Carl-Orff-Saal der Mönchengladbacher Musikschule die Technik. Von Armin Kaumanns

Alle Jahre wieder erfreut Wolfram Goertz, Musikredakteur der Rheinischen Post, Stadt und Land mit einem launig moderierten Einblick in seinen schier unermesslichen Plattenschrank. "Betreutes Hören" nennt der geborene Gladbacher augenzwinkernd seine One-Man-Show mit CD-Player, deren zwei Heimspiele im Carl-Orff-Saal der städtischen Musikschule mal wieder ruckzuck ausverkauft waren. Die Glücklichen, die eine Karte ergattert hatten (der Erlös geht an die Musikerambulanz der Uniklinik Düsseldorf), hatten beim ersten der beiden Abende des Titels "Musik - Balsam für die Seele" doppeltes und halbes Vergnügen zugleich. Und das kam so.

Es ist überaus amüsant zu erleben, wie locker flockig da einer, dessen Texte man regelmäßig neben dem Frühstücksei liegen hat, sein an und für sich ernstes Anliegen - nämlich die geneigten Mitmenschen zum aufmerksamen, bewussten Hören zu erziehen - in ein lustiges Plauderstündchen verpackt. Goertz' jungenhafter Charme, seine selbstironischen Eitelkeiten, sein großes Wissen um die Musik und sein komödiantisches Talent sind einzig. Wie er sich selbst die Stichworte gibt, damit die Pointen sitzen, das ist schon ziemlich witzig.

So spinnt er scheinbar mühelos einen roten Faden durch die Bedeutungsfelder Kreuzfahrt, Au-Weh, Wald, (immer wieder) schöne Frauen, antike Philosophie und (musikalische) Orgasmen. Das alles soll beruhigen, Puls wie Seele. Und da passt die mitgebrachte Musik in all ihren Facetten prima hinein: Jazz-Posaunist Nils Landgrens Trio improvisiert einen Sonnenaufgang, Mendelssohns Hörner-Notturno gibt's nach Herreweghe-Art, Mozarts Klarinettenkonzert mit Wolfgang Meyer, den Pachelbel-Kanon mit der Musica Antiqua. Hier darf das Publikum gleich mal die Bassfigur mitsingen. Als die Herren Sting und Grönemeyer auf dem Plattenteller liegen, wird aber ganz offenkundig, dass die Sound-Anlage der Musikschule an diesem Abend vom "Geist des Carl-Orff-Saals" torpediert wird. Was vorher nach miesen Boxen klang, entpuppt sich dem Ohr als Fehlen ganzer Tonspuren. Man hört die Sänger zum Beispiel kaum.

Da ist Goertz in seinem Improvisations-Element. Zur allgemeinen Gaudi singt er mit dem Publikum das Martinslied vom rauschenden Herbstwind. Als dann der Hausherr, Musikschulleiter Christian Malescov, mit einem herbeigeschleppten neuen CD-Player scheitert und der Einfall eines Herrn aus dem Publikum, das Mikrofon abzuschalten, ebenfalls erfolglos bleibt, bricht Wolfram Goertz nach rund 70 Minuten sein "betreutes Hören" ab. Balsam verschoben. Es wird allerdings einen Ersatztermin im Frühjahr geben für alle im Saal, die ihm eine E-Mail schreiben. Zum gestrigen zweiten "Balsam"-Abend wollte Goertz dann lieber doch seine eigene Anlage mitbringen. Das Publikum des "ausgefallenen" Programms hatte jedenfalls Spaß satt - und demnächst noch mehr.

Quelle: RP
 
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