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Mönchengladbach
Musikschule: Sonderpreise im Zehnerpack

Mönchengladbach: Musikschule: Sonderpreise im Zehnerpack
(v.l.n.r.): Marie Lina Hanke (Gesang), Marion Bleyer-Heck (Lehrerin), Sophie Shen (Harfe), Klaus Paulsen (Lehrer), Lea Schürings (Blockflöte, Viola, Klavier), Laura Schmidt (Blockflöte) FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Ensembles sorgen bei "Jugend musiziert" für ein Spitzenrenommee der Musikschule. Vor allem drei hiesige Lehrer - Holger Busboom, Klaus Paulsen und Marion Bleyer-Heck - führten die jungen Musiker zu Ausnahmeleistungen. Von Dirk Richerdt

Keine Freude ohne Wermutstropfen. Beim Gespräch mit fünf Schülerinnen und drei Dozenten, darunter die Fachleiter für Holzblasinstrumente, Holger Busboom, und für Gesang, Klaus Paulsen, im Lehrerzimmer der Musikschule stellt Marion Bleyer-Heck betrübt fest: "Die Aushänge mit den Sonderpreisen vom Bundeswettbewerb Jugend musiziert sind leider abgehängt worden." Dazu äußert Busboom, Chef der Blockflötenlehrerin, Bedauern - doch auch er weiß nicht, wer die für das Renommee des Instituts so wichtigen Erfolgsberichte von der Info-Wand entfernt hat, und weshalb.

Umso erfreulicher das folgende Round-Table-Gespräch: Münsterkantor Klaus Paulsen, der vor 15 Jahren die Gladbacher Singschule aus der Taufe hob und seit zehn Jahren als Fachleiter für Gesang an der Musikschule wirkt, lobt die "hervorragende Zusammenarbeit" unter den beteiligten Kollegen, nennt insbesondere Marion Bleyer (Blockflöte) und die Harfendozentin Hye-Young Kim. Denn wenn über ein halbes Jahr lang regelmäßig bis zu vier Stunden dauernde Proben an Wochenenden zu betreuen sind, kommt es auf passgenaue Koordination und langen Atem an. Dabei werden Dozenten zu Chauffeuren, Spediteuren, die Cembali und Harfen transportieren, zu Klavierstimmern - und Caterern. "Wir hatten immer viel Spaß bei den Proben, das lag auch daran, dass es oft Leckeres in den Pausen zu essen gab und wir viel zu lachen hatten. Die Atmosphäre war immer entspannt", betont die 16-jährige Blockflötistin Lea Schürings, die mit dem Ensemble "Alte Musik" der Altersgruppe IV gleich drei Sonderpreise erhielt, davon ging der Sonderpreis der Geschwister Sütterlin an die Cembalistin Josephina Lucke. Marion Bleyer stand an Probentagen morgens um fünf auf, um Salat zu schnippeln oder Kuchen zu backen. Bei den Proben habe es nie Drill oder Überlastung gegeben, bestätigen Lea Schürings, Laura Schmidt (Blockflöte) und Clara Müller (Violine). Gesangsschülerin Marie Lina Hanke bringt auf den Punkt, was sie persönlich zu Höchstleistungen motiviert: "Nicht Druck bewirkt das, sondern wenn ich beobachte, wie toll andere sind, dann möchte ich das auch so gut hinkriegen."

Für die Proben und Auftritte des neunköpfigen Ensembles, das Bachs Concerto für vier Cembali und Continuo erarbeitete, brachte Klaus Paulsen "jeweils rund zweieinhalb Stunden allein mit dem Stimmen der Cembali zu". Seine Gesangsschülerin Marie Hanke holte neben dem 1. Preis beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" in Kassel zusammen mit Sophie Shen (14, Harfe) und Laura Schmidt (14, Blockflöte) auch den Sonderpreis der Bärenreiter-Stiftung. Persönlich gab es für Marie Lina den Sonderpreis der Deutschen Gesellschaft für Gesang. Ohne Umschweife kommt ihre Antwort, fragt man sie nach ihrem Berufswunsch: "Ich singe, seit ich neun bin, und es steht für mich längst fest, dass ich Opernsängerin werden möchte! Ich finde dabei auch das Schauspielern wichtig." Voll des Lobes ist Marie besonders für Marion Bleyer-Heck, die hauptamtlich als Lehrerin für Deutsch und Musik am Clara-Schumann-Gymnasium Dülken tätig ist: "Eine Wahnsinnsarbeit, die Marion mit uns geleistet hat", urteilt sie. Die gesamten Sommerferien 2015 nutzte Bleyer für die Planung des Wettbewerbsprogramms. Wobei sie Raritäten wie eine Kantate des französischen Barockmeisters Clérambault und sogar Werke aus dem Hochmittelalter entdeckte. Ihre Stimme wird die zwölfjährige Marie, abgesehen von der Teilnahme am Festival auf Schloss Wissen, zu dem das Trio Hanke, Schmidt, Shen im September eingeladen ist, in nächster Zukunft schonen. "Ich habe zwischenzeitlich an einer Allergie gelitten", erklärt sie. "Das ist so bei Profis", kommentiert Klaus Paulsen schmunzelnd diese Erfahrung von Unpässlichkeit, "das betrifft Sänger leider nicht so selten." Er muss es als ausgebildeter Tenor und Kirchenmusiker wissen.

Quelle: RP
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