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Mönchengladbach
Nach der Flucht: Neuanfang in der Küche

Mönchengladbach: Nach der Flucht: Neuanfang in der Küche
Nach wenigen Wochen hat Martin Mevi aus Ghana bereits viel Routine. In seiner Heimat hatte der 40-Jährige bereits eine Kochausbildung gemacht. FOTO: Ilgner
Mönchengladbach. Nach drei Wochen als Praktikant hat Martin Mevi im Restaurant Graefen+König eine Festanstellung bekommen. Für seinen Chef ist der Flüchtling aus Ghana ein Mitarbeiter, wie man ihn sich wünscht. Von Marcel Romahn

Teller und Besteck spülen, Fleisch anbraten, den Boden wischen - in der Großküche des Restaurants Graefen+König ist Martin Mevi inzwischen eine tragende Säule, und das nach nur drei Wochen Übung. "Sein Engagement ist bewundernswert", sagt Restaurant-Inhaber Uwe Schmitz. "Martin ist sehr fleißig und bringt viel Erfahrung mit." Deshalb wollte der Chef seine neue Kraft nach Ablauf der Praktikumszeit nicht mehr gehen lassen. Martin Mevi bekam vor wenigen Tagen seinen Vertrag. Zunächst für ein Jahr ist er nun festangestellte Küchenhilfe - für den 40-jährigen aus Ghana ein Schritt in ein neues Leben, nachdem er aus seinem Heimatland fliehen musste.

Zur Mittagszeit arbeitet Martin Mevi in der Küche mit drei weiteren Kollegen, darunter ein Landsmann aus Ghana und eine Küchenhilfe aus dem Irak. Kommuniziert wird entweder auf Deutsch, Englisch oder mit "Händen und Füßen". Probleme im Alltagsgeschäft gebe es dadurch jedoch nicht. "Unser Personal ist inzwischen ein eingespieltes Team", sagt Schmitz. "Und Martin weiß genau, worauf er achten muss." Oberstes Gebot in der Küche: die Hygiene. Deshalb muss man beim Händeschütteln mit Martins Unterarm vorliebnehmen. Mit Handschuhen wäscht er das frische Gemüse und richtet es auf einer Platte für das Frühstücksbuffet an. Das Restaurant ist voll mit hungrigen Gästen, die Köche produzieren am Fließband. Doch mit Stress in der Küche hat Martin, der 2014 alleine nach Deutschland kam, keine Probleme. "Ich habe in Ghana eine Ausbildung zum Koch gemacht", sagt er. "Ich liebe diesen Job und freue mich, dass ich nun hier dauerhaft arbeiten darf."

Über die Deutsche Angestellten Akademie wurde der Ghanaer an das Restaurant vermittelt. Weil er dauerhaft in Mönchengladbach leben möchte, besucht Martin Mevi seit zwei Jahren eine Sprachschule. "Ich mag Deutschland", sagt er. "Die Menschen hier sind sehr freundlich und hilfsbereit. Man kann sich hier sehr wohlfühlen." Später möchte sich der Ghanaer für seinen Arbeitgeber auch an neuen Rezepten versuchen - an Ideen aus seiner Heimat mangelt es ihm nicht. "Ich kenne mich gut aus, wenn es um Fisch und Meeresfrüchte geht", sagt Mevi. "Vielleicht kann ich auch eigene Menüs zusammenstellen."

Sein Chef kann sich durchaus vorstellen, den 40-Jährigen auch über die Vertragszeit hinaus zu beschäftigen. "Er passt hier perfekt hinein", sagt Schmitz." Die Laufzeit von einem Jahr sei eine Formalie. "Mit Sicherheit können wir danach über eine Verlängerung sprechen." Auch wenn Sympathie und Persönlichkeit bei der Einstellung einer neuen Arbeitskraft immer eine Rolle spielen, entscheidender Faktor sei dies im Fall Martin Mevi nicht gewesen. "Er hat auch noch großes Talent ", so Schmitz. Der Restaurant-Betreiber will zudem ein Zeichen gegen Klischees setzen. "Es heißt immer: Flüchtlinge nehmen uns Jobs weg. Das ist Quatsch. Viele von ihnen sind tüchtige Mitarbeiter und gute Menschen."

Quelle: RP
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