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Mönchengladbach
Nach Stich und Faden
Mönchengladbach. Ab August bildet das Mönchengladbacher Traditionsunternehmen Gardeur zum ersten Mal seit 14 Jahren wieder Modenäherinnen aus. Der Beruf ist in großen Firmen sehr selten geworden. Doch einen passenden Auszubildenden zu finden, ist gar nicht so einfach. Von Anke Schönlau

Zwischen surrenden Nähmaschinen, Schneiderscheren und Abstecknadeln finden ab August zwei junge Auszubildende ihren neuen Arbeitsplatz. Für sie wird der Traum wahr, in einem weltweit agierenden Modeunternehmen die Trends von Morgen zu beeinflussen.

Hohe Ansprüche

Die Ausbildung zur Modenäherin ist selten geworden. Sie entwickeln direkt am Firmensitz mit dem Designteam die neuen Modelle, sind bis zur Verabschiedung in die Produktion mit involviert. Aus Kostengründen wird dieser Schritt mittlerweile aber oft übersprungen, der Entwurf geht direkt zu den Produktionsstätten. Für Gardeur sind die neuen Modenäherinnen eine Investition in die Zukunft und die Qualitätssicherung des Unternehmens. Doch einen passenden Auszubildenden zu finden, ist gar nicht so einfach.

Neben einem qualifizierten Haupt- oder Realschulabschluss und passablen Noten in Mathe und Deutsch werden hohe Ansprüche an die Persönlichkeit des Bewerbers gestellt. "In diesem Beruf braucht man viel Kreativität und Vorstellungsvermögen. Wir müssen ja das, was die Designer uns vorgeben, richtig umsetzen", sagt Alla Porsch, die Ausbildungsleiterin der neuen Modenäherinnen. Doch gerade vor dem Start einer neuen Kollektion wird es hektisch am Schneidertisch. Zyta Grandt, Leiterin der Musternäherei, weiß, worauf es dann ankommt: "Die neuen Auszubildenden müssen gleichzeitig ruhig und geduldig arbeiten und dabei dem Zeitdruck standhalten".

Eine Hose besteht, je nach Aufwendigkeit, aus mehreren Dutzend Einzelteilen. Wer in der Musterschneiderei arbeitet, muss den Überblick behalten können. "Um hier erfolgreich zu sein, muss man diesen Beruf einfach lieben", sagt Geschäftsführer Gerhard Kränzle. Nach vielen Bewerbungen und Gesprächen überzeugten schließlich zwei junge Frauen. Eine hatte sich bereits ein aufwendiges Karnevalskostüm selbst genäht, die andere Anwärterin Kleider. Für Ausbildungsleiterin Alla Porsch war von Kindheit an klar: "Ich wollte auf jeden Fall Schneiderin werden. Dass die Bewerberinnen bereits selbst in diesem Bereich Erfahrungen gesammelt haben, überzeugte uns."

Nach zwei Jahren können die Modenäherinnen ihre Ausbildung um ein weiteres Jahr verlängern. Es beinhaltet Elemente der Kostenplanung und Qualitätssicherung. Am Ende steht die Berufsbezeichnung der Modeschneiderin. Was für die neuen Modenäherinnen Zukunftsmusik ist, ist für Geschäftsführer Gerhard Kränzle heute schon von großer Bedeutung: "Wir wollen den Ruf von Gardeur in die Welt hinaus tragen und unseren Standort in der Region verfestigen. Mönchengladbach ist unsere Heimat."

Quelle: RP/ac
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