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Stauungen in Wohngebieten
Navis sollen Lkw aus Mönchengladbach raushalten

Lkw kracht vor Fußgängerbrücke
Lkw kracht vor Fußgängerbrücke FOTO: Ilgner Detlef
Mönchengladbach. Immer häufiger sorgen Lastwagen für Staus, weil sie in Wohngebieten feststecken oder an niedrigen Brücken nicht weiterfahren können. IHK und etliche Städte, darunter Gladbach, wollen nun bessere Karten für Navis erstellen lassen. Von Thorsten Breitkopf und Jan Schnettler

Im Januar blieb ein Lkw-Fahrer mit seinem Fahrzeug an der Fußgängerbrücke am Museum Abteiberg hängen. Der ortsunkundige Niederländer war den Anweisungen seines Navigationsgerätes gefolgt. Solche Szenen sind in den Städten der Rheinschiene längst keine Ausnahme mehr: Vor einigen Wochen etwa fuhr sich ein mit einem Windradflügel beladener Schwerlasttransporter in einer Kurve am Mörsenbroicher Ei fest und legte den morgendlichen Berufsverkehr in und um Düsseldorf für Stunden lahm.

Die Ursache, warum Lastwagen in Wohngebieten nicht mehr weiterkommen oder vor zu niedrigen Straßen- und Eisenbahnbrücken feststecken, ist oft die gleiche. "Die Lastwagen-Fahrer nutzen meist Navigationsgeräte, die eigentlich für Autofahrer vorgesehen sind", sagt Monika Frohn vom Bereich Verkehr und Handel der IHK Aachen.

Sie bieten bislang keinerlei Hinweise auf niedrige Durchfahrten, für Lkw nicht passierbare Baustellen oder zu enge Straßen. Durch in der Stadt feststeckende Lkw entstünden nicht nur ärgerliche Staus, sondern auch wirtschaftliche Schäden für die Spediteure und psychischer Druck auf die Lkw-Fahrer.

Die Straßenkarte steht vor einem Comeback FOTO: rpo/berthold

Die Industrie- und Handelskammern im Rheinland haben sich nun zusammengeschlossen, um Abhilfe zu schaffen. Die Rheinland-IHKs (Aachen, Bonn/Rhein-Sieg, Düsseldorf, Köln, Mittlerer Niederrhein und Wuppertal-Solingen-Remscheid), der Verkehrsverbund Rhein-Sieg und das Mobilitätsportal "mobil-im-rheinland" haben ihr gemeinsames Projekt gestartet.

Mit dem vom Land Nordrhein-Westfalen geförderten Programm sollen teilnehmende Kommunen die Möglichkeit erhalten, Karten für ihre Gebiete zu erstellen, die für Lkw-Fahrer wichtige Informationen wie zum Beispiel Gewichts- und Breitenbegrenzungen sowie Durchfahrtshöhen oder -verbote enthalten.

Ziel sei es, Hindernisse auszuschließen, anstatt Lkw-Verkehr zu behindern. "Das Projekt erhöht die Verkehrssicherheit, steigert die Effizienz der Logistik und optimiert die Infrastrukturnutzung", sagt Projektleiterin Frohn. Die fertigen Karten sollen dann ab Mitte 2016 als Open-Source den Navigationsgeräte-Herstellern zweimal jährlich kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Auch Empfehlungen, bestimmte Umweltzonen weiträumig zu umfahren, sollen Teil des Projektes sein. Denn speziell die in Mönchengladbach, Neuss und Krefeld eingerichteten Umweltzonen, Lkw-Durchfahrtsverbote sowie die drohenden Beschränkungen nach der Umsetzung der Lärmaktionspläne stellten nicht unerhebliche Unwägbarkeiten dar, sagt Wolfgang Baumeister, Verkehrsreferent der IHK Mittlerer Niederrhein.

Schwertransporter fährt sich am Nördlichen Zubringer fest FOTO: Hans-Juergen Bauer

"Wir halten den Aufwand für die Kommunen für überschaubar", fügt Monika Frohn hinzu. Denn der Erfolg der Initiative sei letztlich davon abhängig, wie viele Kommunen sich beteiligen und in wie viele Lkw-Führerhäuser die Zusatzinformationen Eingang finden.

Neben anderen Kommunen habe auch die Stadt Mönchengladbach, sagt Sprecher Dirk Rütten, "den Kammern ihre grundsätzliche Bereitschaft zur Beteiligung signalisiert". Kommenden Monat solle es diesbezüglich auf Einladung der Industrie- und Handelskammern ein erstes Treffen mit den interessierten Städten geben.

Quelle: RP
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