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Mönchengladbach
Neue Jobvermittlung für Flüchtlinge

Mönchengladbach: Neue Jobvermittlung für Flüchtlinge
Angela Schoofs, Klaus Müller und Dörte Schall stellten gestern die Arbeit des "Integration Points" vor. Dort sollen Asylbewerber möglichst schnell für den Arbeitsmarkt vorbereitet werden. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Der "Integration Point" von Arbeitsagentur, Jobcenter und Stadt hat gestern seinen Dienst aufgenommen. 13 Fachkräfte sollen dort Asylbewerber auf den Eintritt in den Arbeitsmarkt vorbereiten. Dafür stehen zwei Millionen Euro bereit. Von Andreas Gruhn

Flüchtlinge haben in Mönchengladbach eine neue zentrale Anlaufstelle. Der "Integration Point" hat mit 13 Fachkräften seinen Dienst im Jobcenter aufgenommen. Sie sollen Asylbewerber mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit möglichst schnell eine Ausbildungsstelle oder einen Arbeitsplatz vermitteln - zumindest aber für den Arbeitsmarkt qualifizieren, etwa mit Sprachkursen. "Gelingendes Ankommen nennen wir die Integration in Ausbildung und Arbeitsmarkt", sagte Angela Schoofs, Geschäftsführerin der Arbeitsagentur, gestern bei der Eröffnung des "Integration Points".

Landesweit gibt es mittlerweile diese zentralen Anlaufpunkte, die von der Arbeitsagentur, dem Jobcenter und der Kommune gemeinsam getragen werden. Dafür wurden im Agenturbezirk (Gladbach und Rhein-Kreis Neuss) 30 neue Berater eingestellt (davon 13 in Gladbach). Für Fördermaßnahmen, also Qualifizierungskurse, stehen im Agenturbezirk rund zwei Millionen Euro zur Verfügung. Finanziert wird das aus Mitteln des Bundes und der Kommunen. "Wichtig ist: Alles kommt oben drauf", betont Schoofs. "Niemand bekommt weniger als vorher. Keiner kommt zu kurz. Jeder bekommt die gleiche Dienstleistung."

Die Arbeit der mehrsprachigen Spezialisten im "Integration Point" funktioniert so: Die Berater besuchen Flüchtlinge in ihren Unterkünften und informieren sie über Deutschkurse und Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Anschließend kommen sie zu ihrem Berater im "Integration Point", der in Einzelgesprächen einen individuellen Plan erarbeitet, wie der Asylbewerber eine Ausbildung oder einen Arbeitsplatz finden kann. "Wir können herausfinden, welche Vorkenntnisse es gibt, welche Ausbildungen derjenige schon absolviert hat", sagt Klaus Müller, Geschäftsführer des Jobcenters. Dafür sprechen die Mitarbeiter im "Integration Point" Arabisch, Paschtu, Farsi, Urdu, Englisch und Französisch.

"Und wir können auch schon erste Helfer-Jobs vermitteln", sagt Müller. Am Eingang liegen in einem Regal Stellenangebote, die für Flüchtlinge geeignet sind: Helferjobs in Küchen, Fabriken, im Hotel, in der Gebäudereinigung, aber auch für Dachdecker oder Bäcker. An Defiziten wird in Fördermaßnahmen, also in Weiterbildungsangeboten, gearbeitet. Die Arbeitsagentur rechnet für Gladbach und Neuss allein in diesem Jahr mit rund 1500 Eintritten in solche Fördermaßnahmen. Die werden nicht nur von Arbeitsagentur und Jobcenter angeboten, sondern von weiteren Bildungsträgern. Neu ist diese Integrations-Arbeit nicht, aber sie findet nun erstmals in einer Behörde gebündelt und ohne lange Wartezeiten statt - und zwar, bevor die Entscheidung über den Aufenthaltsstatus des Asylbewerbers gefallen ist. "Flüchtlinge wollen arbeiten und auf eigenen Beinen stehen", sagte Sozialdezernentin Dörte Schall. "Wenn wir denen sagen, sie sollen warten, bis ihr Antrag bearbeitet und entschieden ist, dann wird es immer schwieriger, sie zu integrieren. Wir können nicht die Bearbeitung beschleunigen, aber wir können eben vorher viele wichtige Dinge tun." Derzeit leben in der Stadt rund 1960 zugewiesene Flüchtlinge, die theoretisch arbeiten könnten. Die Hälfte davon ist unter 25 Jahre alt. Insgesamt beherbergt Gladbach rund 2500 Asylbewerber. Fachkräftemangel kann mit ihnen aber wohl erst mittelfristig behoben werden, wenn Qualifizierungen und Sprachkurse greifen. "Wir haben genug Arbeitsplätze", sagt Schoofs. "Flüchtlinge nehmen niemandem Arbeit weg."

Quelle: RP
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