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Mönchengladbach
Neues Land, neue Freunde, neues Glück

Mönchengladbach: Neues Land, neue Freunde, neues Glück
Übernahmen das Kommando beim Kinder-Radio-Kanal des WDR und schlüpften in die Rolle der Talkgäste: 13 Gladbacher Grundschüler, die aus verschiedenen Ländern stammen. FOTO: Knappe, Jörg (jkn)
Mönchengladbach. Der WDR sendete aus der Aula der KGS Waisenhausstraße. Das Thema: Flüchtlinge. Die Experten: Gladbacher Schüler. Von Jan Dobrick

Sucaina fummelt nervös an ihrer Halskette herum, Fabian an seinem Namensschild, Fatima und Sude halten sich an den Händen. Die Zehnjährigen sitzen mit neun Mitschülern in einem Stuhlkreis in der Aula der Katholischen Grundschule (KGS) Waisenhausstraße. Der WDR ist da, sendet mit seinem Kinder-Radio-Kanal (KiRaKa) live zum Thema "Ein neues Zuhause?

Wie geht es Kindern, die bei uns Zuflucht suchen?" Die Schüler sind Talkgäste in der Runde. Experten einer Grundschule, an der 80 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund haben. Die Kinder der KGS kommen aus 29 verschiedenen Ländern - teilweise haben sie eine lange Reise hinter sich.

Fabian beispielsweise, er kam vor zwei Jahren aus Livorno (Italien), stammt aber eigentlich aus Albanien. "Ich bin mit meiner Familie nach Mönchengladbach gezogen, weil mein Vater krank war und sich hier behandeln lassen musste", sagt er. Fabian hat viel zurückgelassen. Und das gleich zweimal: Schule, Freunde, Familie. "Ich musste mich umgewöhnen, aber das hat ganz gut geklappt", sagt er stolz: "Dadurch, dass ich viel umgezogen bin, spreche ich drei Sprachen; Albanisch, Italienisch und Deutsch." Freundschaften hat er in Gladbach vor allem in der Schule geknüpft. Oder im "Affenkäfig", beim Fußballspielen mit den Nachbarskindern. "Ich will unbedingt Profi werden. Aber nicht in Deutschland, sondern in Italien, am liebsten beim AC Mailand."

Mit Oliwer (10) aus Grajewo (Polen) sitzt noch ein angehender Star-Kicker in dem multikulturellen Experten-Stuhlkreis. Zwischenziel: ein Stammplatz bei einem hiesigen Fußballverein. Seine Zukunft sieht er aber bei Real Madrid. Zwei Mädchen, die ihre Zukunft in Deutschland sehen, sind Fatima und Sucaina. Ihre Familien kommen aus Marokko, lebten aber lange in Spanien. Dann ging es weiter nach Deutschland, an den Niederrhein. "In Spanien war es für meine Eltern schwierig, Arbeit zu finden", verrät Fatima. "Ich hatte eine Woche Zeit, um mich zu verabschieden, dann saß ich auch schon im Flieger." Der Boden wurde Fatima unter den Füßen weggezogen, die Landung war entsprechend hart. "Ich habe kein Deutsch gesprochen, kannte niemanden. Erst, als ich auf dem Schulhof Freundschaften geknüpft hatte, fühlte ich mich wohl."

Auch Sude (10), die vor einem Jahr aus Istanbul kam, ist "gut aufgenommen" worden. Sie erzählt, dass sie sich hier "schnell heimisch gefühlt" habe, weil sie aus der Türkei etwas mitnehmen durfte, was ihr vertraut war: ihren Kuschelhasen. Ihre Mutter, die in Deutschland groß geworden war, wollte zurück in die Bundesrepublik - jetzt lebt die Familie in Mönchengladbach.

Die Zehn- und Elfjährigen beteiligen sich rege an der WDR-Sendung, erzählen mutig ihre Geschichten, sagen offen, was sie sich erträumen: Sude wünscht sich "zwei Meter lange Haare" - und das "möglichst schnell" -, Jasjot (10, aus Indien) möchte ein "schönes Kinderzimmer", Carlos (11, die Mutter stammt aus Brasilien) einen "coolen Helikopter". Die Schüler sind zuversichtlich, dies alles in Gladbach zu finden. Sie machen anderen Kindern Mut, die ihr Heimatland Hals über Kopf verlassen müssen. "Wir wünschen euch, dass ihr Freunde findet und Spaß habt", sagt Sude - und drückt Fatimas Hand etwas fester.

Quelle: RP
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