| 00.00 Uhr

Serie Was Macht Eigentlich?
Nicht nur Mecki Langens Frisur war stachelig

Serie Was Macht Eigentlich?: Nicht nur Mecki Langens Frisur war stachelig
Langen Consulting Engineering GmbH im Nordpark, kurz LCE, und die beiden Manfred Langen: "Mecki" und "Matty". FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Manfred Langen, seit mehr als 60 Jahren "Mecki" genannt, hat es aus einer kinderreichen Familie zum erfolgreichen Logistik-Planer gebracht. Er engagierte und exponierte sich in der Kommunalpolitik, bekam Ärger, wechselte die Partei. Und sagt: "Ich bin immer zuverlässig." Von O. E. Schütz

Er war schon als Kind sehr schnell, manchen zu schnell. "Beim Nachlaufen in der Nachbarschaft durfte ich nicht mitmachen, weil ich schneller als die anderen war", erzählt Manfred Langen. Dafür aber war er sehr gefragt beim "Schellemännkes", bei dem - damals ein beliebter Spaß nicht nur böser Buben - an fremden Haustüren Alarm geklingelt und dann schnell weggelaufen wurde. Oder beim Ausschalten der Gaslaternen, die bis in die 50er Jahre an den Straßen standen und die Buben zum Unfug herausforderten. Weggelaufen vor Problemen aber ist er schon bald kaum.

Manfred Langen, 1943 geboren, wurde an der Hardterbroicher Straße groß, als ältestes von fünf Kindern, mit vier Schwestern, den Eltern, Großmutter und Urgroßmutter im Haushalt. Er machte Unfug, spielte Fußball, im Winter Eishockey auf dem zugefrorenen Volksgartenweiher und vor allem Handball. Aus Manfred wurde "Mecki" - der Name, unter dem er bis heute bekannt ist: nach dem Igel, der ab 1949 als Maskottchen der Zeitschrift "Hörzu" bekannt wurde und den es heute noch gibt.

Der "Mecki" Diese Frisur brachte ihm den Spitznamen. FOTO: ML

Langens Igelfigur ist längst Vergangenheit. Das Haupt des 73-Jährigen, der es vom Dreher-Lehrling zum Inhaber eines international tätigen Planungs- und Beratungsbüro für Logistik gebracht hat, ziert heute eine gepflegte Mähne. Unfug macht er kaum noch. Der Name Mecki aber ist geblieben. Viele Mönchengladbacher mögen ihn. Manche - vor allem in der Kommunalpolitik - haben sich über ihn aufgeregt. Er wurde Mitglied in drei Parteien, kam für alle drei in den Stadtrat, scherte sich aber nicht um Parteidisziplin, wenn es ihm der Sache wegen richtig erschien. Und bekam auch häufiger öffentlichkeitswirksamen Krach: in der SPD, der FWG und auch in der Zentrumspartei, in der er heute einer der letzten "Überlebenden" ist. "Ich gehe keinem Problem aus dem Weg, suche die Konfrontation, wenn ich vom Ziel überzeugt bin", sagt Mecki Langen. "Dann habe ich auch schon mal mit den anderen Fraktionen gestimmt, dies aber stets vorher in der eigenen Fraktion angekündigt."

Überzeugt war er 1968 auch davon, sich in der Politik engagieren zu müssen. Aber nicht voll und ganz im Sinne der heute sogenannten Alt-68er: "Ich wollte keine Straßenschlachten, sondern sie verhindern." Über die Jungsozialisten kam er in die SPD, wurde in die Bezirksvertretung Volksgarten und in den Stadtrat gewählt, wurde Bezirksvorsteher im Volksgarten. Und stolperte schließlich über ein angebliches Geheimpapier, in dem seine Wahl zum Vorsteher mit den Stimmen der CDU und sein Rücktritt nach einem halben Jahr zugunsten des CDU-Mannes Michael Schroeren vereinbart worden waren. "Der SPD-Ortsvereinsvorstand war über alles informiert, hat dies so beschlossen, weil wir in einer schwierigen Lage waren und uns so in jeder Menge Sachfragen durchgesetzt haben", sagt Langen. "Ich bin immer zuverlässig, handele stets nach dem Grundsatz ein Mann, ein Wort", sagt Langen.

Wahlkampf-Auftritt mit Ex-Bundeskanzler Willy Brandt in der Jahnhalle. FOTO: ML

Viele Genossen jedoch waren sauer. Einer klagte vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf: Langen dürfe gar nicht in der Bezirksvertretung sein. Denn er habe sein Büro im Bezirk Volksgarten, wohne aber dort nicht. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf sah dies in erster Instanz auch so. "Doch vor dem Oberverwaltungsgericht Düsseldorf bekam ich nach vierstündiger Sitzung, diesmal mit Zeugen-Vernehmungen, in allen Punkten Recht", sagt Langen. "Ich blieb in der Bezirksvertretung." Der Ärger in der SPD aber blieb auch. 1995 trat Langen aus der Partei aus, in der er ein Vierteljahrhundert gewesen war. Doch die Politik ließ ihn nicht los. Drei Jahre später kam er für die FWG in den Stadtrat. Und trat 2001 nach Dauerstreit mit dem Vorsitzenden Erich Oberem auch aus dieser Partei aus, blieb aber bis zum Ende der Wahlperiode 2004 als Parteiloser im Rat.

2010 wurde er noch einmal Ratsherr, diesmal als Mitglied der neu gegründeten Zentrumspartei, bis zur Wahl 2014. Und musste mit dem Vorwurf leben, einen Großteil der Sitzungen versäumt zu haben. "Wenn ich ein Projekt im Ausland habe, stimmen meine Klienten ihre Termine nicht mit denen im Gladbacher Stadtrat ab", sagt der erfolgreiche Geschäftsmann dazu, "Ich bekam zwar von der Stadt eine Aufwandsentschädigung (429,80 Euro im Monat, die Red.), habe aber ein Vielfaches sozialen und gemeinnützigen Zwecken zukommen lassen." Oder kürzlich bei der NRW-Landtagswahl der Partei, in der er nie war, aber mit der er ("der Sache wegen") einst schon mal gestimmt hat.

Hoch oben in den USA: Manfred Langen auf einem Spezialstapler. FOTO: ML

Langen ist unter anderem im Förderverein Volksgarten und seit mehr als 60 Jahren im VfL Welfia, wo er als Hardterbroicher Steppke mit Handball begonnen hat - recht erfolgreich: Er war mit ihm vielmaliger Jugend-Niederrheinmeister, spielte in der westdeutschen Auswahl, später zwölf Jahre in der Herren-Landesliga, schaffte als Trainer mit Welfia den Aufstieg in die Verbandsliga und war zehn Jahre Vorsitzender des Vereins. Und er ist Gründungsmitglied der "Perlhühner": ein Freundeskreis aus leitenden Verwaltungsbeamten, Politikern und Privatleuten, die sich um Probleme anderer Menschen kümmern und ihnen helfen.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Serie Was Macht Eigentlich?: Nicht nur Mecki Langens Frisur war stachelig


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.