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Mönchengladbach
Nicole Hafner bewegt rund 3000 Menschen

Mönchengladbach: Nicole Hafner bewegt rund 3000 Menschen
Nicole Hafner ist Cheforganisatorin des Santander-Marathon. Die 28-Jährige war früher als Judokämpferin in der Bundesliga aktiv. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Eine 28-jährige ehemalige Judokämpferin will den Santander-Marathon zur Marke machen. Die letzten Tage werden zur Härteprüfung. Von Dieter Weber

Sie hat aufgehört, die Tausende von Kilometern zu zählen, die sie in den vergangenen Monaten zwischen dem Sitz ihrer Agentur in Bochum und Mönchengladbach gependelt ist. Sie hat sich auch längst daran gewöhnt, dass das Schlafdefizit gerade jetzt immens ist. Und sie ist mittlerweile Spezialistin für Problemlösungen aller Art. Für Nicole Hafner sind die letzten Tage vor dem Veranstaltungstag am Samstag eine einzige Härteprüfung: Die 28-Jährige organisiert den Santander-Marathon, und da ist so quasi "Mädchen für alles". Denn fast alles geht über ihren Schreibtisch - Verhandlungen mit Partnern, Abnahme der Laufstrecke, Behördengänge, Merchandising, Helfersuche, Zeitnahme und vieles mehr. "Es ist momentan ein Fulltime-Job - ohne zeitliche Begrenzung. Und immer mit vollem Einsatz", sagt sie.

Da hilft es ihr, dass sie selbst durch den Sport sozialisiert wurde. Nicole Hafner war als Judokämpferin Leistungssportlerin, hat sich in ihrer Heimatstadt Oberhausen erste sportliche Meriten verdient und als Jugendliche gelernt, was es heißt, wenn man mit der deutschen Spitze mithalten will. "Morgens habe ich die Schulbank im Gymnasium gedrückt. Am Nachmittag bin ich dann anderthalb Stunden mit dem Zug nach Mönchengladbach gefahren. Und dann nach vier Stunden Training wieder anderthalb Stunden zurück", erzählt sie. Das prägt. Das härtet auch ab. Und das weckt die Bereitschaft, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Viele Jahre war das bei ihr der Judosport. Beim 1. Judoclub Mönchengladbach hat sie in der Bundesliga gekämpft, dazu kamen Einsätze in Auswahlteams. Irgendwann machte die Schulter nicht mehr mit. "Und da habe ich mich mir gesagt: Es wird Zeit, dass du dich um deine berufliche Zukunft kümmerst", sagt sie.

FOTO: Stadt Mönchengladbach

Nicole Hafner hat in Essen ein Studium aufgenommen, das sie in die Jugend- und Erwachsenenbildung geführt hat. Nach dem Bachelor-Abschluss folgte das Masterstudium - auch in dieser Fachrichtung. Und nebenher hat sie Kindersporttage organisiert, dazu kam eine halbe Stelle in einer Agentur, die sich auf Zeitmessung für Laufveranstaltungen spezialisiert hat: "Ich habe noch vier Schwestern. Unseren Eltern war es wichtig, dass wir alle eine gute schulische Ausbildung bekommen, dass wir aber auch nebenher Jobs übernehmen und uns unser Taschengeld mitverdienten."

Micky Hilgers, Geschäftsführer der Hockeypark Betriebs-GmbH, wurde auf die junge Frau aufmerksam. Er holte sie als Event-Managerin in sein Team. Und fortan kümmerte sich die ehemalige Leistungssportlerin vorrangig um die Konzerte im heutigen Sparkassenpark. Hafner: "Planen, organisieren, gestalten, abrechnen - diese Aufgaben musste ich übernehmen." Dies gefiel der ausgebildeten Pädagogin. Und irgendwann fällte sie die Entscheidung: Ich gründe meine eigene Agentur. Das war 2014, und es war ein Sprung ins kalte Wasser: "Das ist schon ein großer Unterschied, wenn man zunächst Arbeitnehmer ist und dann plötzlich alles alleine regeln muss. Und es war eine weitere Zäsur, als ich dann die ersten Mitarbeiter eingestellt habe. Da war ich dann nicht nur für mich, sondern auch für die Existenz anderer Menschen verantwortlich."

Mittlerweile ist die Auftragslage gut. Hafners Agentur NeoMove kümmert sich jährlich um acht Veranstaltungen, leistet im Wesentlichen Daten- und Zeitenservice. Der Marathon ist jetzt eine andere Hausnummer. "Wir haben alles übernommen, von der Entwicklung der Homepage bis zur Vor-Ort-Betreuung. Vor allem im ersten Jahr ist das eine Mammutaufgabe, weil wir da ja alles das erste Mal machen. In den nächsten Jahren wird das einfacher, weil wir dann schon auf Strukturen zurückgreifen und Erfahrungen gemacht haben." Ihre schwierigste Aufgabe jetzt in Mönchengladbach: "Ich musste rund 1000 Helfer finden, die uns, die Teilnehmer auf der Strecke und die Bürger unterstützen." Ihr Vertrag für die Organisation des Santander-Marathons läuft zunächst über fünf Jahre und kann dann verlängert werden. Das gibt Sicherheit.

Und: Träumt sie davon, irgendwann die Riesen-Veranstaltung zu organisieren? Einen Marathon etwa wie in Berlin mit mehr als 40.000 Teilnehmern? Nicole Hafner schüttelt energisch den Kopf. "Nein, das ist so gar nicht mein Ding, diese Größenordnung strebe ich gar nicht an. Veranstaltung bis zu 10.000 Teilnehmer und knapp drüber, das geht noch. Bei den Riesen-Veranstaltungen arbeitet man dann doch nur noch am Schreibtisch, hat kaum noch Kontakt zu den Menschen, für die man das alles macht."

Auch der Santander-Marathon soll wachsen - darin sind sich Veranstalter Micky Hilgers und Cheforganisatorin Nicole Hafner einig. Er soll vor allem durch seinen Charakter als Musik-Marathon die Laufszene langfristig binden. Ob er ein Hit wird, entscheidet sich am Samstag. "Wir tun jedenfalls alles dafür", sagt Hafner und betont: "Wirklich alles!"

Quelle: RP
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