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Mönchengladbach
Nierssalon diskutierte über Populismus

Mönchengladbach. Schüler des Gymnasiums Odenkirchen untersuchten, warum sich Menschen radikalisieren. Von Eva Baches

22 Schüler des Gymnasiums Odenkirchen fanden sich in einer Projektgruppe zusammen und erarbeiteten einen wissenschaftlichen Fragebogen für eine Umfrage an ihrer Schule. Unterstützt wurden sie vom stellvertretenden Direktor Ludolf Kolsdorf. 15 Oberkategorien umfasste der Fragenkatalog, darunter Themen wie allgemeine Zufriedenheit, politisches Interesse oder politische Orientierung. Die Gruppe wollte auch wissen, wie sich Schüler informieren oder wie ihre Mitschüler zum Thema Werte stehen.

"Es war uns wichtig, den Schülern vor Augen zu halten, sich für Politik zu interessieren", sagte Suruthy Uthayakunan beim vierten Nierssalon, den Bezirksvorsteherin Barbara Gersmann organisiert hatte. 252 Schüler haben an der Umfrage teilgenommen und über 60 Prozent der Bögen konnten ausgewertet werden. Insgesamt stehen die Schüler der Thematik neutral gegenüber. Sie schätzten ihre Zukunft als relativ solide ein und sind zuversichtlich, was ihre Bildung und spätere Berufschancen angeht. Anders sieht es aus, wenn es um das politische Interesse geht. Lediglich ein Fünftel der Befragten verfolgen das politische Geschehen. Dies spiegelt sich auch in Sachen Parteinähe wieder. Wenige möchten oder können sich mit einer Partei identifizieren. Es gibt allerdings eine klare Abgrenzung rechten Parteien gegenüber.

Eine Frage gab der Gruppe besonders zu denken. Sie lautete: Ich bin gegen eine Diktatur, aber eine starke Hand würde Deutschland schon guttun. 30 Prozent stimmten dem zu. Kolsdorf sieht darin den Ausdruck von Orientierungslosigkeit und den Wunsch nach Führung. "Es ist sehr diffus, so ein Grundrumoren. Das kann den Nährboden für eine Orientierung nach rechts oder links bereiten." Auch Martin Weinert von der Friedrich Ebert Stiftung sieht einen Zusammenhang zwischen den aktuellen ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen in Deutschland, in Europa und dem Zulauf rechtspopulistischer Parteien und Gruppierungen. In seinem Vortrag "Was ist Rechtspopulismus?" machte er deutlich: "Trotz aller politischen Maßnahmen wird die Schere zwischen Arm und Reich immer größer."

Deutschland befinde sich zudem in einer kulturellen Identitätskrise. Es gebe keine eindeutige Antwort auf die Frage: "Was ist eigentlich Deutsch?" Auf politischer Seite fühlen sich viele Wähler von den Parteien nicht mehr wahrgenommen. "Das führt dann zu den Protestwählern, um den großen Parteien einen Denkzettel zu verpassen", sagt Martin Weinert. Was kann die Politik also tun? Norbert Bude hat darauf in der anschließenden Podiumsdiskussion eine Antwort: "Wir müssen wieder dahin, wo die Menschen sind, zum Beispiel auf den Rheydter Markt. Allein der Begriff Politik ist vielleicht zu abstrakt. Aber wenn man direkt mit den Jugendlichen redet, dann bringen sie sich ein." Die Schülervertretung kann ein erster Schritt in Richtung politisches Engagement sein.

Quelle: RP
 
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