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Mönchengladbach
Nils Mönkemeyer - der Solist an der Bratsche

Mönchengladbach. Eigenartige Klänge waren im zweiten Sinfoniekonzert zu hören. Auch kundige Musikfreunde kamen im Konzertsaal Theater nicht so recht dahinter, ob womöglich von einem versteckten Tonträger menschliche Stimmen oder elektronische Geräusche eingespielt würden. Recherchen ergaben, dass nichts davon zutraf. Der nur wenig bekannte Komponist Jón Leifs hatte so raffiniert instrumentiert, dass man in der eigentümlichen Kombination die einzelnen verwendeten Instrumente kaum erkannte. Das Prelude for orchestra op. 51 ist der Gattung Programmmusik zuzuordnen; es schildert mit musikalischen Mitteln die Tätigkeit eines Geysirs. Der 1899 in Island geborene Leifs hatte auf eine sehr originelle Art und Weise seinen Kindheitserinnerungen musikalischen Ausdruck verliehen. Sieben Schlagzeuger waren im Einsatz, nicht nur auf der Bühne, sondern auch in der Tiefe des Raumes. Von Gert Holtmeyer

Die Bratsche ist weit mehr als nur Gegenstand ungezählter Klischee-Witze. Sie ist in Wirklichkeit ein wunderschönes Instrument, das nur selten solistisch zu erleben ist. Eine nennenswerte Ausnahme ist das Violakonzert des Engländers William Walton. Mit Nils Mönkemeyer war ein Solist der allerersten Garnitur gekommen. Er habe, sagte er einmal, mit 16 Jahren von Geige auf Bratsche umgesattelt, weil ihm die hohen Geigentöne unangenehm gewesen wären. In Waltons Konzert hatte er indessen in den allerhöchsten Lagen ganze Arbeit zu leisten, was ihm offenbar nicht die geringsten Schwierigkeiten bereitete - genauso wenig wie schwierige Doppelgriffe und andere technische Herausforderungen. Er spielt mit einer intensiven, schlackenlosen Tonbildung; auch in den Höhen gibt es bei ihm keine näselnden Klangfarben. Vibrato setzt er sehr differenziert ein, von dezent angedeutet bis kräftig schwingend. Die Begeisterung des Publikums war groß; als Zugabe hörte es noch die Sarabande aus der zweiten Suite d-Moll von Johann Sebastian Bach.

Die Niederrheinischen Sinfoniker unter GMD Mihkel Kütson hatten sich schon mit der anspruchsvollen Wiedergabe des Leifs-Geysirs und der Begleitung im Walton-Konzert ausgezeichnet. Vorzüglich gelang im zweiten Teil dann auch Bruckners sechste Sinfonie. Es gab keine Instrumentengruppe, die sich nicht auszeichnete. Präzise und absolut intonationsrein agierten die Blechbläser; in fabelhafter Verfassung präsentierten sich die Holzbläser. Die Streicher glänzten sowohl mit kraftvollem, sattem Klangvolumen als auch mit zarten Tönen. Kütson garantierte die Ausgewogenheit im Gesamtklang sowie den Aufbau und das Halten von Spannung.

Quelle: RP
 
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