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Mönchengladbach
Nur 20 Stunden für ein Vorzeigemöbel

Mönchengladbach: Nur 20 Stunden für ein Vorzeigemöbel
Eric Renner (Franz Rademacher Tischlerei) mit einem Schränkchen für ein Longboard. FOTO: Tischler-Innung MG/RY
Mönchengladbach. Angehende Tischler zeigen derzeit im Foyer der NEW an der Odenkirchener Straße ihre ersten Produkte: Damit wollen sie einige Monate vor der Abschlussprüfung beweisen, was sie zu leisten imstande sind. Die Besucher waren angetan. Von Jana Kosky

Schnell wird hier noch einmal eine Schublade richtig zugeschoben, dort eine Mappe mit Papieren zurechtgerückt. Und der fragende Blick wandert immer zu den eigenen Gesellenstücken: Werden sie dem Publikum gefallen? Es ist für die angehenden Tischler der erste Kontakt mit einer Gästeschar, die begutachtet - und aus der in Zukunft die Kunden kommen können.

Wenn die Auszubildenden der Tischler-Innung Mönchengladbach/Rheydt ihre selbst gebauten Multifunktionsmöbel zum Thema "Zeitlos schön" zeigen, machen sie auf sich und auf die Möglichkeiten der Branche aufmerksam. Die Stücke wurden als Vorbereitung für die große Abschlussprüfung im nächsten Sommer gefertigt. Dirk Classen, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit der Tischler-Innung: "Die angehenden Tischler sind natürlich vor so einer Ausstellung sehr nervös. Es ist aber auch eine große Motivation und eine Möglichkeit zur Bewährungsprobe für die Abschlussprüfung."

Die angehenden Tischler, Vertreter ihrer Ausbildungsbetriebe und Mitarbeiter der NEW bei der Präsentation der Möbelstücke. FOTO: Raupold

Die Stücke von rund 30, überwiegend männlichen Auszubildenden stehen im Foyer der NEW an der Odenkirchener Straße. Der Versorger stellt seine Räume seit 2012 für die Ausstellung zur Verfügung. "Damit wollen wir unsere Nähe zum Handwerk zeigen", erklärt Stabsabteilungsleiter Udo Carmanns.

Die Ideen der Möbelschöpfer zum Thema "Zeitlos schön" sollten sich auch in Form- und Farbgebung sowie im Materialmix und in der Umweltfreundlichkeit des Produktes widerspiegeln - ganz nach dem Motto: Upcycling geht über die Produktion von Brennholz. So findet sich unter den Ausstellungsstücken ein Schrank, in den alte Longboardrollen und eine Longboardachse als Türgriff eingearbeitet sind. Und ein Nachttisch, der aus Holzresten einer Treppenproduktion gebaut wurde. Auffallend ist, dass für die angehenden Tischler die zeitlos schönste Holzart die Eiche zu sein scheint: Sie findet sich besonders häufig wieder.

Jens Leiwe von der Tischlerei Klomp hat einen Beistelltisch gefertigt. FOTO: Tischler-Innung MG/RY

Trotz der gleichen Themenvorgabe und denselben Bewertungskriterien ist die Vielfältigkeit der ausgestellten Möbel groß: Nachttische, Schränke - sowohl hängend als auch stehend - Couchtische, Schmuckschatullen und sogar ein Arzneischrank in Sanduhrform sind darunter.

Ebenso verschieden sind Holzarten und Lackierungen. Bei einem Ausstellungsstück finden alte Zeitungen eine neue Funktion als Dekoration einer Bar, in einem anderem Schränkchen sind asiatische Intarsien eingebrannt.

Andre Haffes (Alfons Mantz GmbH) zeigt einen hängenden Nachttisch. FOTO: Tischler-Innung MG/RY

Dabei muss alle Kreativität gut geplant sein, denn auch die Vorarbeit wird bewertet. Zur Vorarbeit gehören Entwurfsskizzen, Ansichts- und Schnittzeichnungen, Arbeitsablaufplan und vieles mehr. Unterstützung bei der Realisierung der Möbelprojekte erhielten die Auszubildenden in ihren Betrieben. Denn die Prüfungsvorgaben sind hart: Die gesamte Arbeitszeit für das Ausstellungsstück darf nicht länger als 20 Stunden dauern. Ein Schubkasten und ein Drehelement sollen eingebaut werden. Nicht jeder hat zum jetzigen Zeitpunkt der dreijährigen Lehrzeit bereits alle Fertigkeiten und Techniken gelernt. Ebenso zur Aufgabe gehörte, die Gesellenstücke selbst aufzubauen und in Szene zu rücken.

Allerdings sei das Erscheinungsbild der Möbel in der Ausstellung ein vollkommen anderes als in einem voll möbliertem Raum, wie Carmanns, der selbst Architekt ist, erklärt. Nach der Eröffnung mussten dann alle Auszubildenden noch einmal zittern: Während sie vor der Tür warten mussten, begutachteten und bewerteten die Prüfer die einzelnen Stücke und die Vorarbeit.

Die Gesellenstücke werden bis zum 25. November noch im Foyer der NEW ausgestellt. Das Foyer hat montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr geöffnet.

Quelle: RP
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