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Mönchengladbach
"Nur Haut ist doch irgendwie langweilig"

Das war die Tattoo Ink Explosion in Mönchengladbach 2016
Das war die Tattoo Ink Explosion in Mönchengladbach 2016 FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Die "Tattoo Ink Explosion" gehört zu den deutschen Höhepunkten in der Tätowier-Szene und findet bereits zum siebten Mal in Mönchengladbach statt. In der Kaiser-Friedrich-Halle zeigen Künstler und Händler noch bis Sonntag ihr Können. Von Sebastian Eußem

Patricia Brandl kennt das Prozedere. Eine gemütliche Position auf der Liege einnehmen, die Schmerzen ertragen und warten, bis das Kunstwerk fertig ist. Wie viele Tätowierungen sie mittlerweile hat, kann sie gar nicht genau sagen. Angefangen hat ihre Leidenschaft bereits mit 13 Jahren, als sie ihre Mutter vor die Wahl stellte: entweder Tattoo oder Piercing. Letzterem folgte drei Jahre später das erste Tattoo. Was fasziniert sie an dieser Kunstform? "Die reine Haut ist für mich doch irgendwie langweilig. Wenn man einmal angefangen hat, wird man es nicht mehr los."

Tattoo Ink Explosion in Mönchengladbach 2015 FOTO: Isabella Raupold

Auch an diesem Tag nicht. Ihr Verlobter, der im bayerischen Kempten als Tätowierer tätig ist, verpasst ihrem linken Oberschenkel ein weiteres Bild. Das Konterfei eines Seemanns soll es werden. Dieses Motiv passt genau zum Motto der diesjährigen "Tattoo Ink Explosion", einer der größten Messen der Branche in Deutschland. Rund 600 Tätowierer aus 20 Ländern präsentieren ihr Können an diesem Wochenende in der Kaiser-Friedrich-Halle. Sogar aus China, Taiwan, den Vereinigten Staaten und Kanada sind sie angereist. Neben den sich zahlreich vorstellenden Studios geht es nicht nur um die reine Stechkunst, auch zahlreiche Händler präsentieren ihre Fachzeitschriften, Technik, Mode oder Accessoires rund um die beliebte Kunstform.

Nicht nur die erwartete Besucherzahl von bis zu 3000 zeigt, dass das Tragen eines Tattoos nicht mehr verpönt ist wie in der Vergangenheit. Die Mitveranstalterin der Convention, Claudia Bender, weiß um die Beliebtheit von künstlerischen Motiven auf der Haut: "Auch wenn Tätowierungen in einigen Berufen nicht geduldet werden, sind sie in der Mitte der Gesellschaft angekommen."Ob vom vollständig kolorierten Liebhaber bis zum interessierten Laien, für Jedermann sei die Messe gedacht, so Bender weiter.

Vierte Tattoo Ink Explosion in Mönchengladbach FOTO: RPO Boeker

Der Ausprägung des Kults sind keinerlei Grenzen gesetzt. Nicht selten setzt die Begeisterung für aufwendige und kostspielige Motive erst nach dem ersten Tattoo ein, sagt Claudia Bender, die auch im "Bundesverband Tattoo" vertreten ist. Dieser setzt sich beispielsweise für die Etablierung von bundesweit einheitlichen Hygienestandards ein. "Je mehr Motive man auf dem Körper trägt, desto weniger Bedeutung braucht man für das nächste. Am Anfang lässt man sich vielleicht ein besonderes Datum oder Geburtsdatum stechen, danach reichen ganz banale Dinge für das nächste Tattoo aus", sagt sie.

Das diesjährige Motto der bereits zum siebten Mal in Mönchengladbach stattfindenden Convention lautet "Schiff Ahoi!" Kompatibel dazu hat man die Dekoration, die Outfits und das Bühnenbild der Messe angepasst. "Die Qualität des dreitägigen Events soll im Vordergrund stehen. Wir haben in diesem Jahr einige der weltweit besten Tätowierer dabei, so dass wir eine sehr hochwertige Convention bieten können", sagt Andi Schmidt, der ebenfalls für die Organisation zuständig ist. "Wir haben die Aussteller nach einer Bewerberphase selbstständig ausgewählt, um ganz gezielt eine ausgewogene Mischung von verschiedenen Stilrichtungen zu haben."

Differenziert wird angesichts der unzähligen Stilrichtungen unter anderem zwischen dem klassischen "Dotwork" und dem moderneren "Realistic"-Stil. Wie die Experten berichten, hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur die Technik verändert, auch habe die Qualität der Künstler in den vergangenen Jahren massiv zugenommen.

Interessierte können sich noch bis Sonntag, 20 Uhr, vom komplexen Feld der Tattoo-Welt inspirieren lassen. Ein umfangreiches Bühnenprogramm mit zahlreichen Music-Acts und Künstlern wartet auf die Besucher. Der Mönchengladbacher Standort eignet sich seit Jahren perfekt für die Veranstaltung, sagt Schmidt: "Wir werden auch in Zukunft hier bleiben. Die Atmosphäre hier mit den verschiedenen Ebenen ist wunderbar, auch wenn die Halle gerne noch ein wenig größer sein könnte."

Quelle: RP
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