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Mönchengladbach
Nur weiße Hühner legen weiße Eier

Mönchengladbach: Nur weiße Hühner legen weiße Eier
Biobauer Reiner Brungs inmitten seiner Hühnerschar. 700 Hühner leben luxuriös - sie haben viel Auslauf und einen überdachten Wintergarten. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Auf dem Bio-Hof von Reiner Brungs in Venn herrscht noch vorfrühlingshafte Ruhe. Mit einigen Ausnahmen: Die Hühner sind schon recht fleißig. Von Angela Rietdorf

Den ersten wärmeren Frühlingstag genießt auch das Federvieh. Siebenhundert Hühner gackern und scharren in ihrem Auslauf, bewacht und begleitet von stolzen Hähnen. Diese Vögel haben es nicht nur gut, sondern ziemlich luxuriös auf dem Bio-Hof von Reiner Brungs in Venn: Sie haben nicht nur bei schönem Wetter ihren Auslauf, sondern bei Regen und Schnee sogar noch einen überdachten Wintergarten, in dem sie sich tummeln können. So schreiben es die strengen Biovorschriften vor. Unter solchen Bedingungen können die Hühner natürlich ordentlich Eier legen für die kommenden Ostertage.

Allerdings sind es braune Eier. Zum traditionellen Ostereier-Färben wären weiße besser geeignet, keine Frage. Aber: "Nur weiße Hühner legen nun mal weiße Eier", sagt Reiner Brungs. Und seine Hühner sind braun, nur die Hähne haben weiße Federn. Aber auch braune Eier kann man bunt färben, das beweisen die mit Naturfarben selbst gefärbten Exemplare, die im Hofladen bereit stehen.

Obwohl sie also für ausreichend Eier sorgen, sind die Hühner nicht begeistert von diesem bisher kalten und feuchten Frühjahr. "Hühner mögen es warm", weiß der Biobauer. Im Gegensatz dazu stehen die Kühe noch im Stall, könnten die Temperaturen aber gut vertragen. "Kühe haben eine Wohlfühltemperatur von minus fünfzehn bis plus fünfzehn Grad", erklärt Brungs. Sie können aber noch nicht auf die Weide, weil es zu nass ist und sie das Gras zu Matsch zertreten würden. Vierzig Prozent mehr Regen als üblich gab es bisher und der Boden trocknet noch nicht richtig ab, obwohl der Biolandbau zu größerer Durchlässigkeit beiträgt. Auf den Feldern stehen weniger Pfützen. "Der Boden bekommt eine andere Struktur", erklärt der Biobauer. "Die Zahl der Lebewesen im Boden nimmt zu." Die der Pflanzen übrigens auch. Auf den Feldern wachsen nicht nur Hafer, Gerste oder Weizen, sondern dazwischen auch Kornblumen, Klatschmohn oder Ehrenpreis. Den Biobauern freut es.

Bis es aber grünt und blüht, wird noch etwas Zeit vergehen müssen. "Es ist zu kalt, wir können noch nichts machen", sagt Brungs. Im Biolandbau werde jetzt nicht gedüngt, sondern abgewartet, dass die Nährstoffe im Boden durch die Temperatur nach oben steigen. Also herrscht noch Ruhe auf dem Hof. "Ich habe Zeit", sagt der Biobauer gelassen. "Hinterher geht es dann umso schneller." Dafür gibt es jetzt aber leider noch nichts Frisches vom Feld. "Ich habe nachgeguckt, was die Wildkräuter machen, aber es ist noch nichts da, nur Vogelmiere und Sauerampfer", stellt er fest. Meerrettich hat er ausgepflanzt. "Das hätte ich auch schon früher machen können, aber vorher war es mir zu usselig", sagt er lachend. Ansonsten gibt es jetzt nur Sellerie und die Kohlsorten: Rotkohl, Weißkohl, Grünkohl. Mit Grünkohl will Brungs im nächsten Jahr ein bisschen experimentieren. "Ich will die Ostfriesische Palme anbauen", sagt er. "Sie wird 1,80 Meter hoch." Vermutlich braucht sie noch den Frost, weil bei ihr nicht wie bei den anderen Sorten die Bitterstoffe weggezüchtet wurden. Auch bei den Beeren setzt der Biobauer auf die alten Sorten. "Die Erdbeeren zum Beispiel sind widerstandsfähiger und aromatischer, aber sie machen natürlich nicht die Masse", erklärt er. Dafür haben sie den Duft und den Geschmack des Sommers. Bis dahin allerdings müssen sich die Mönchengladbacher noch in Geduld üben.

Quelle: RP
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