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Mönchengladbach
OB Reiners fordert: "Putzt die Stolpersteine!"

Mönchengladbach: OB Reiners fordert: "Putzt die Stolpersteine!"
OB Reiners will, dass Bürger Stolpersteine putzen. FOTO: Knappe
Mönchengladbach. Es gibt zwei Gedenkveranstaltungen zum 78. Jahrestag der Reichspogromnacht. Dies sorgt für Kritik. Von Dieter Weber

Angehende Abiturienten des Berufskollegs für Technik und Medien haben es vorgemacht: Vor zwei Jahren haben sie 85 sogenannte Stolpersteine geputzt. Diese Gedenksteine, die der Künstler Gunter Demnig verlegt, erinnern an die von den Nazis ermordeten Juden, die einst in Mönchengladbach gelebt haben. Die Betonquader tragen auf einer Messingplatte den Namen und das Geburtsdatum der Verstorbenen, Datum und Zielort der Deportation sowie Datum und Ort der Ermordung. Die anfangs glänzenden Steine wirken irgendwann matt - und verlieren damit ihre Wirkung.

"Wir sollten eine neue Aktion starten und die Stolpersteine säubern. Gerade jetzt vor dem Jahrestag der Reichpogromnacht wäre das ein nachhaltiges Zeichen", sagt Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners. Sein Aufruf geht an Schulen, Jugendverbände, Nachbarschaften, Vereine. Reiners: "Die Stolpersteine erinnern an ermordete Menschen. Sie sind für uns alle ein Mahnmal." In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in ganz Deutschland die Synagogen, in Brand gesetzt von organisierten Schlägertrupps. Der 9. November vor 78 Jahren ist der Tag, an dem tausende Juden misshandelt, verhaftet und getötet wurden.

Deshalb gibt es jährlich am 9. November in Mönchengladbach Gedenkveranstaltungen. Viele Jahre lang richteten Stadt, die christlichen Kirchen und die Jüdische Gemeinde eine gemeinsame Gedenkveranstaltung aus. Inzwischen gibt es zwei: Die Jüdische Gemeinde gedenkt der Pogrome am Mittwoch, 9. November, 18 Uhr, bei einer Veranstaltung in der Synagoge an der Albertusstraße. Die Stadt lädt am selben Tag um 18.30 Uhr zum jüdischen Friedhof an der Kamphausener Straße nach Odenkirchen ein.

Es gibt Stimmen, die dies kritisch sehen. Denn während es in vielen Kommunen gemeinsame Veranstaltungen gibt, wundert man sich über die räumliche und zeitliche Trennung der beiden Gedenkfeiern in Mönchengladbach. Es heißt, die Jüdische Gemeinde sei unter anderem mit der Leitlinie der Stadt nicht einverstanden, diese Veranstaltung an unterschiedlichen Orten auszurichten: in Gladbach, Rheydt und Odenkirchen. Doch mittlerweile gibt es eine Annäherung: Ein Vertreter der Jüdischen Gemeinde wird zur städtischen Feier kommen, Ulrich Rosocha, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), und Bürgermeister Michael Schroeren besuchen die Gedenkfeier der Jüdischen Gemeinde in der Synagoge Albertusstraße.

Es gibt am Mittwoch eine weitere interessante Veranstaltung zum Thema. Um 20 Uhr ist die Uraufführung der Videoperformance "8.504 Days" des New Yorker Künstlers Karl Nussbaum am Gedenkstein für die zerstörte Synagoge in Rheydt (Werner-Gilles-Straße/Ecke Wilhelm-Strater-Straße). "8.504 Days" ist Geistergeschichte und Lobpreisung des verstorbenen Erwin Nussbaum, Karls Onkel. Der Titel benennt die Anzahl der Tage, die Erwin Nussbaum auf dieser Erde lebte. Er wurde 1920 in Rheydt geboren und hatte ein kurzes und tragisches Leben. Gefangengehalten in drei Konzentrationslagern, wurde er 1944 als 23-Jähriger in Auschwitz ermordet. "Es ist für uns eine große Ehre, dass Karl Nussbaum diese Performance eigens für Mönchengladbach entwickelt hat", erklärt Kulturbüroleiter Dr. Thomas Hoeps.

Am Samstag, 12. November, laden ACK, die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und die Evangelische Kirchengemeinde Rheydt zu einer weiteren Veranstaltung ein: "An seinem Geburtstag brannten die Synagogen - Martin Luther und die Juden" heißt das Thema eines ökumenischen Gottesdienstes um 18 Uhr in der Hauptkirche. Die Predigt hält Pfarrer Albrecht Fischer, die musikalische Gestaltung übernehmen Kirchenmusikdirektor Udo Witt und der Kammerchor Cantiamus unter der Leitung von Katharina von Nahmen.

Quelle: RP
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