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Mensch Gladbach
Obacht! Diese Kolumne könnte Sie verunsichern !

Mönchengladbach. Chrom im Abwasser, Polizisten, die sich vorsichtshalber unter feiernde Karnevalisten mischen, und jetzt sind auch noch die Orden der Karnevalisten irgendwie gefährlich. Egal! Wir lassen uns aus Prinzip nicht verunsichern! Das hat der Bundesinnenminister nicht geschafft. Und das schafft nicht mal das Arbeitslosenzentrum.

Der Dalai Lama ist ja, wie wir Gladbacher als Gastgeber schon mal erlebt haben, von äußeren Umständen gänzlich unerschütterbar. Der meditiert Zahnschmerzen, Erdbeben und Terroranschläge einfach weg. Den Rest erledigt der Übersetzer. Das ist aber alles nichts gegen den von uns gleichermaßen geschätzten Niersverband. Ein paar hundert Kilo ins Wasser gekipptes Chrom und deshalb Decillionen von gemeuchelten Bakterien sind für den Niersverband noch lange kein Grund, die Öffentlichkeit zu informieren. Kann man auch noch ein paar Wochen später erzählen. Da kann man mal sehen, was Bundesinnenminister Thomas de Maizière damals nach dem abgesagten Länderspiel in Hannover angerichtet hat. Er wollte lieber nix zur tatsächlichen Gefährdungslage sagen und mäanderte: "Ein Teil der Antworten würde die Bevölkerung verunsichern." Seither sagt lieber niemand mehr was.

Ist Oberbürgermeister Reiners not amused, weil ihn Karnevalisten auf einem Orden piesacken? Sagt er nicht wirklich. Also: Es ist dusselig, eine karnevalistische Auszeichnung für ein politisches Statement zu nutzen - und dann noch für eines, das man mit viel bösem Willen und Unkenntnis auch als Beitrag zur Flüchtlingsdebatte missverstehen kann. Zumal böser Willen und Unkenntnis gerade Hand in Hand durchs untergehende Abendland reiten. Pieksen aber müssen Karnevalisten. Und sie werden nicht die einzigen sein, deren Herz durch diesen Oberbürgermeister nicht ausreichend gewärmt wird. Wenn einer nicht der Oberbürgermeister der Karnevalisten, der Schützen und der Kleingärtner ist, dann ist das in Gladbach schon verunsichernd. Da braucht es viel Fingerspitzengefühl oder mindestens Berater mit eben diesem.

Die Kunst, sich irritieren zu lassen, hat manch langgedienter Sozialarbeiter in den 80ern irgendwo auf dem Weg von Rheydt nach Gladbacher verloren. Meine Güte, was ist das für eine Einrichtung, bei der man weder Standort noch Konzept hinterfragen darf, ohne zum Vaterlandsverräter zu werden? Da ist ja selbst das nordkoreanische Verteidigungsministerium geschmeidiger. Also bei aller Liebe: Man wird ja wohl noch diskutieren dürfen, auf welche Art und Weise und wo man Arbeitslosen heute zeitgemäß hilft. Und wenn das Arbeitslosenzentrum dann überzeugende Argumente hat, bleibt bestimmt auch noch ein paar Jahrzehnte alles genau so, wie es ist. Bisher habe ich die allerdings nicht gehört. Übrigens: Danke der Nachfrage, nein, ich will nicht wissen, wer in der Awo-Begegnungsstätte beim Bingo den Posten des neuen Ordnungsdezernenten gewonnen hat. Ich ahne, dass mich die Antwort mitten im Wochenende zu sehr verunsichern könnte.

Wovon ich mich hingegen gar nicht beeinträchtigen zu lassen gedenke, ist das ganze Terror-Grundrauschen. Ich lasse mir doch nicht von ein paar pseudo-religiösen Wirrköpfen vorschreiben, wie ich zu leben und ob ich Karneval zu feiern habe. Danke an die Polizei, die auch in diesem Fall einen klasse Job macht und dafür sorgt, dass wir aus vollem Herzen lachen, trinken, feiern oder was auch immer können. Und wenn wir das gerade in den kommenden zehn besonders dollen Tagen besonders doll machen - was meinen Sie, was das die Möchtegern-Angst-Säer verunsichert!

Quelle: RP
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