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Stefan Wimmers
Obere Hindenburgstraße braucht Notfallplan

Stefan Wimmers: Obere Hindenburgstraße braucht Notfallplan
Die obere Hindenburgstraße (Foto unten links) braucht dringend einen zündenden Funken, findet Stefan Wimmers (oben l.). Für den Sonnenhausplatz (unten r.) wünscht er sich weniger Nutzungsvorgaben. Und er sagt, dass verkaufsoffene Sonntage wichtig für die Umsätze sind. FOTO: Raupold/Ilgner/Titz
Mönchengladbach. Stefan Wimmers, Vorsitzender des Gladbacher Citymanagements, über Veranstaltungen auf dem Sonnenhausplatz und die Auflösung der FWG.

Die verkaufsoffenen Sonntage sind durch ein Gerichtsurteil in die Diskussion geraten. Was würde ein Verlust für den Handel in Mönchengladbach bedeuten?

Wimmers Das wäre eine Katastrophe. Die verkaufsoffenen Sonntage sind von großer Bedeutung und lösen unglaubliche Effekte aus. Die Innenstadt ist voll, die Umsätze sind hoch. Die beiden letzten verkaufsoffenen Sonntage in Rheydt und Mönchengladbach liefen glänzend. Mit Blick auf die nahe Grenze, jenseits derer man sonntags problemlos einkaufen kann, stellt sich die Frage, ob weitere Einschränkungen der Sonntagsöffnung überhaupt mit dem europäischen Wettbewerbsrecht kompatibel sind. Wir brauchen jetzt eine Klarstellung durch den Gesetzgeber.

FOTO: Ilgner Detlef

Der Sonnenhausplatz ist endlich fertig. Wie zufrieden sind Sie damit?

Wimmers Ich finde den Hype darum etwas übertrieben, aber er ist sehr gelungen. Mir gefällt, wie die Topographie überwunden wurde und das Gefälle gar nicht mehr auffällt.

FOTO: Ilgner Detlef

Die Vorgabe von Stadt und Politik für seine Nutzung heißt: Hier sollen qualitativ hochwertige Veranstaltungen stattfinden. Ärgert Sie so eine Festlegung?

Wimmers Es stellt sich die Frage, was das im Einzelfall bedeutet. Vielleicht nur Demonstrationen wie am letzten Samstag? Wer legt fest, was hochwertig ist? Eine Geschmackspolizei? Verstehen Sie mich nicht falsch, wir sind für hochwertige Veranstaltungen, und ich verstehe auch, dass man regulieren muss, aber im Augenblick sehe ich uns kurz vor der Planwirtschaft.

Mit welchen Veranstaltungen möchte das Citymanagement denn auf den Sonnenhausplatz?

Wimmers Wir werden mit dem Weihnachtsmarkt beginnen, der ist genehmigt und zwar für die nächsten fünf Jahre. Das ist ein Zeitraum, der bei den dafür erforderlichen Investitionen auch notwendig ist. Und mit diesem Weihnachtsmarkt müssen wir auch Erlöse generieren. Die brauchen wir unter anderem, um die Weihnachtsbeleuchtung zu finanzieren. Weitere Veranstaltungen kann ich momentan noch nicht erkennen, denn man hat uns signalisiert, dass wir den Platz so ohne weiteres nicht bekommen.

Sie hatten seitens des Citymanagements große Hoffnungen auf den Platz gesetzt.

Wimmers Ja, es war immer von Multifunktionalität die Rede. Dass es auf dem neuen Sonnenhausplatz, für den man viel Geld in die Hand genommen hat, nicht aussehen soll wie bei Hempels unterm Sofa, kann man verstehen. Das will auch der Handel nicht. Aber ob ein Kriterienkatalog, den man jetzt erstellt, hilfreich ist, weiß ich nicht. Welche anderen Plätze haben wir denn? Auf dem Alten Markt ist im Sommer nicht viel Platz für Veranstaltungen, auf den Kapuzinerplatz kommt vielleicht eine Markthalle. Wohin also?

Haben Sie schon mit den Planungen für 2017 begonnen?

Wimmers Wir haben im Augenblick keine Planungsgrundlage. Wichtig ist und bleibt eine lebendige Innenstadt, die Menschen aus der ganzen Region anzieht. Das hat im letzten Jahr funktioniert, die Leute kommen wieder nach Gladbach. Unsere Veranstaltungen sollen auf jeden Fall den Wohlfühleffekt erhöhen. Vielleicht können wir im nächsten Jahr mit der Musikschule zusammen arbeiten. Ich könnte mir auch Promenadenkonzerte am Samstagnachmittag vorstellen. Aber für all diese Dinge bräuchten wir natürlich den Sonnenhausplatz.

Die Situation auf der oberen Hindenburgstraße ist problematisch. Wie groß ist der Handlungsdruck für Stadt, Politik, Hauseigentümer und Geschäftsleute, hier etwas zu tun? Wünschen Sie sich jetzt doch die Bibliothek dorthin?

Wimmers Gegen Frequenzbringer hätte jedenfalls niemand etwas. Und dort oben fehlt Frequenz.

Welchen Frequenzbringer können Sie sich vorstellen?

Wimmers Ohne zündenden Funken ist es im Moment schwierig, dort etwas zu ändern. Es wird viel über Qualität gesprochen, auch und gerade im Zusammenhang mit dem Maria-Hilf-Gelände. Das ist auch alles richtig, aber das dauert für die Geschäftsleute dort oben zu lange. Es muss jetzt etwas geschehen. Wir können im Moment nur Kleinigkeiten vorschlagen wie die Verlegung der Bushaltestelle.

Was muss Ihrer Meinung nach sonst geschehen, um die Situation zu verbessern?

Wimmers Ich könnte mir eine Immobilienoffensive vorstellen, bei der die WFMG die Führung übernimmt, um die vorhandenen Angebote dem Markt zu offerieren, Kontakt zu den Eigentümern zu halten und mit politisch beschlossenen Plänen zu synchronisieren. Das Problem ist, dass es für die Bilanz der Eigentümer besser ist, Immobilien leerstehen zu lassen als sie zu billig zu vermieten. Deswegen stören sich große Fonds nicht an Leerständen. Das tut der oberen Hindenburgstraße nicht gut. Außerdem sollte man jetzt handeln und das Hotel Oberstadt endlich abreißen. Der Durchstich zum Museum Abteiberg ist wichtig. Ich weiß, dass ein Grundstück noch fehlt, das gekauft werden soll. Aber man kann nicht ewig warten und diskutieren. Ich würde mir eine Taskforce unter der Ägide einer städtischen Gesellschaft wünschen, die sich um die obere Hindenburgstraße kümmert. Wir müssen einen Notfallplan haben, der zeitnah zündet.

Was ist Ihrer Meinung nach nötig, um die Mönchengladbacher City für die Zukunft gut aufzustellen?

Wimmers Es ist an der Zeit, über ein neues Einzelhandelskonzept nachzudenken. Das letzte stammt noch aus D-Mark-Zeiten. Darin muss beispielsweise die City auch räumlich definiert werden. Die Stadt geht bei der Gültigkeit der Gewerbesatzung davon aus, dass die City am Bahnhof endet. Der Media Markt beispielsweise gehört dann nicht dazu. Das ist nicht zu Ende gedacht. Es muss auch verhindert werden, dass die City zerfasert. Der Fehler in Rheydt, wo eine gut funktionierende Innenstadt durch den Ausbau der Mittelstraße und den Bau von Real sehr gelitten hat, darf sich nicht wiederholen.

Ihr Eindruck: Wie funktioniert die neue Busregelung für die Hindenburgstraße?

Wimmers Ich kann das noch nicht wirklich einschätzen, aber ich höre von einigen Seiten, dass Rückgänge bei den Kundenzahlen zu verzeichnen sind. Ich gehe davon aus, dass es Erhebungen geben wird und wir nächstes Jahr anhand von vernünftigen Parametern entscheiden können, wie es weitergehen soll.

Die FWG, der Sie angehörten, hat sich aufgelöst. Was bedeutet das für Sie?

Wimmers Ich bin trotzdem der Gleiche (lacht). Die Auflösung hat mich nicht überrascht, es gab einen sehr offenen basisdemokratischen Abstimmungsprozess. Das war kein einsamer Entschluss.

Wie machen Sie weiter? Ist eine Rückkehr zur CDU denkbar?

Wimmers Das kann ich mir so nicht vorstellen. Ich fühle mich nicht unwohl, ich bin frei und unabhängig. Ich brauche keine Partei, um abzustimmen, was ich zu sagen habe.

DIETER WEBER, JAN SCHNETTLER, INGE SCHNETTLER UND ANGELA RIETDORF FÜHRTEN DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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