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Mönchengladbach
Ode an die Freundschaft

Mönchengladbach. Ein privater Verein kümmert sich in Mönchengladbach um die sechs Städtepartnerschaften. Vom Land NRW gab es dafür jetzt 5000 Euro. Wie werden die Partnerschaften heute noch gelebt? Von Marei Vittinghoff

Das "Fest der Freundschaft" im nordfranzösischen Roubaix hat Annette Coenen-Lösch schon immer begeistert. "Es gibt Musikdarbietungen, Menschen verschiedenster Nationen stellen Essen bereit und preisen ihre Waren an. "Wir waren schon oft zu Besuch und sind von Stand zu Stand gezogen. Es war jedes Mal schön", schwärmt die Vorsitzende des Vereins "Interessengemeinschaft Städtepartnerschaft Mönchengladbach".

Roubaix, die Französin unter den sechs Gladbacher Partnerstädten, feiert die Vielfalt in Form eines bunten Festes und lässt den Geschmack Botschafter ihrer Mission des Zusammenlebens sein. Essen verbindet - das ist kein Geheimnis. Und trotzdem ein klares Zeichen in einer Zeit, in der der europäische Gedanke zunehmend in Frage gestellt wird.

Diesen Effekt möchte nun auch die Interessengemeinschaft in Mönchengladbach für ihre neue Aktion nutzen.

"Meet and Eat - ein interkulturelles Kochprojekt" heißt das Konzept, das der Verein im Mai für den Landeswettbewerb mit dem Titel "Europa bei uns zuhause" eingereicht hat. Am 11. Juli gab es schließlich die Zusage vom nordrhein-westfälischen Europaminister Stephan Holthoff-Pförtner: Gladbach ist unter den 19 Städtepartnerschaftsvereinen und Kommunen, die für ihre Arbeit einen finanziellen Zuschuss erhalten. Wie aber will der Verein, der zurzeit um die 50 Mitglieder zählt, Europa durch das Kochen nach Mönchengladbach holen?

"Wir wollen Flüchtlingen und Zugewanderten das Ankommen erleichtern, indem wir mit ihnen vom 1. November bis zum 31. Juli nächsten Jahres einen Kochkursus durchführen", erklärt Coenen-Lösch. "Der Kursus soll als Tandem stattfinden - immer ein Mitglied des Städtepartnerschaftsvereins und ein Flüchtling oder Zugezogener kochen zusammen. "Vor dem Herd kommt man miteinander ins Gespräch, tauscht sich aus und lernt die Rezepte der jeweiligen Länder aus erster Hand kennen", sagt die Vorsitzende des Vereins. Auf diese Weise sollen mal typisch deutsche und mal Gerichte anderer Kulturen in der Gruppe zubereitet und gegessen werden. "Wir wollen den Verein öffnen und auf neue Leute zugehen", sagt Coenen-Lösch. Um die regelmäßigen Treffen festzuhalten, wird die Aktion von Gladbacher Fotokünstlern begleitet. Ein Kochbuch mit den besten Rezepten rundet das Projekt schließlich ab.

Den Vereinsmitgliedern reicht das aber noch nicht. Die Partnerstädte Roubaix und Verviers sollen in die Kochaktion eingebunden werden, indem Vertreter aus den jeweiligen Städten zu den Gemeinschaftsabenden eingeladen und die Ergebnisse nach Ende des Projekts in den beiden französischen und belgischen Orten präsentiert werden. Warum aber gerade Roubaix und Verviers? "Die Städte haben einen hohen Ausländeranteil und stehen darum vor der gleichen Aufgabe wie Mönchengladbach: Integration. Durch die ähnliche Struktur lässt sich das Projekt leicht übertragen. Außerdem ist der Reiseweg für den Austausch recht schnell", klärt Coenen-Lösch auf.

Nun hat es für die Ehrenamtler den maximalen Betrag von 5000 Euro vom Land gegeben: Eine wichtige Unterstützung, denn die Stadt Mönchengladbach hat den Haushaltsposten für Städtepartnerschaften im Jahr 2000 auf null Euro gesetzt. Das war mal anders - wurden die Partnerschaften doch durch die Oberbürgermeister selbst geschlossen, als Europa gerade zusammenwuchs und Gladbach sich auf die Suche nach Freunden im Westen machte. In Roubaix, Verviers und Bradford fand man so etwa Städte, die - wie Gladbach - alle für ihre Textilindustrie bekannt waren. Die Gladbacherinnen Irmgard Kopp und Anneliese Berndt ließen in den 80er Jahren schließlich eine Interessengemeinschaft entstehen, die kostengünstige Reisen in die Partnerstädte plante und sich im Jahr 2003 zu einem eingetragenen, gemeinnützigen Verein entwickelte. Themenabende mit Filmen über die Partnerstädte werden durchgeführt, Mitgliederversammlungen ausgerichtet, Praktika vermittelt, Reisen nach Bradford, North Tyneside und Roubaix realisiert, Tagesausflüge nach Roermond und Verviers veranstaltet und Programme für die Gegenbesuche zusammengestellt.

An ein Ende der Partnerschaften denkt man in Gladbach noch lange nicht. Die Vereinsmitglieder sind immer auf der Suche nach jungen Gesichtern. Vielleicht werden sie ja durch das interkulturelle Kochprojekt im November fündig.

Quelle: RP
 
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