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"Offener Ganztag" in Mönchengladbach
Fehlende Betreuungsplätze bringen Eltern in große Not

"Offener Ganztag": Fehlende Betreuungsplätze bringen Eltern in große Not
79 Kinder stehen in Venn auf der Warteliste für einen Übermittag-Betreuungsplatz. Manche Eltern bringt das in Existenznot. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. An der Grundschule Venn in Mönchengladbach fehlen 79 Betreuungsplätze. Das bringt vor allem Alleinerziehende in Existenznöte. Eltern haben sich in ihrer Verzweiflung an Stadt und Politiker gewandt. Doch ihnen wurde bis jetzt wenig Hoffnung gemacht. Von Gabi Peters

Wenn Kira Wilden (6) nach den Sommerferien eingeschult wird, verliert ihre Mama möglicherweise den Job. Denn an der katholischen Grundschule Venn, wo das kleine Mädchen angemeldet wurde, fehlen Nachmittagsbetreuungsplätze. Auf einen solchen hatte die alleinerziehende Mutter Sabine Wilden aber gesetzt. Sie ist Krankenschwester und konnte bisher Familie und Arbeit gut miteinander vereinbaren. Kira war bis nachmittags in der Kita, und Sabine Wildens Arbeitgeber hatte, um die ausgebildete Fachkraft zu halten, extra für sie eine Tag-Schicht eingeführt. Jetzt kommt die sechsjährige Kira in die Grundschule und hat dreimal in der Woche um 11.15 Uhr Unterrichtsschluss. Das ist auch nicht mehr mit der Sonder-Tagesschicht vereinbar.

"Was soll ich jetzt sagen?"

Anna Soliwoda ist ebenfalls verzweifelt. Die Alleinerziehende hat gerade eine Umschulung gemacht. Nach 15 Jahren hatte sie ihren Job verloren, jetzt hat sie etliche Bewerbungen geschrieben, um wieder eine Stelle zu bekommen. "Was soll ich jetzt beim Bewerbungsgespräch sagen, wenn sie mich fragen, wie es mit der Betreuung meiner Kinder aussieht? Da habe ich doch keine Chance."

79 Kinder stehen derzeit an der Venner Grundschule auf einer Warteliste. Dort gibt es zwei Betreuungsformen. Da ist zum einen die Offene Ganztagsschule (OGS) mit Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung, zum anderen die Betreuung bis 14 Uhr ohne Essen und Hausaufgabenhilfe. Weil der Bedarf so groß ist, wurden an der Schule schon im Schuljahr 2011/12 die Plätze in den drei OGS-Gruppen aufgestockt. Statt 25 Kinder werden nun 30 Kinder pro Gruppe betreut. Mitte Oktober vergangenen Jahres soll die Schulleitung bereits der Stadt mitgeteilt haben, dass 79 Prozent der neuangemeldeten Kinder nicht mit einem gewünschten Betreuungsplatz bedient werden können.

Die Eltern haben sich in ihrer Verzweiflung an den Oberbürgermeister, an das Bürgerbüro und an verschiedene Politiker gewandt. Von der Schule war nämlich der Vorschlag gekommen, auf dem Grundstück Container für weitere OGS-Gruppen aufzubauen. Die nötigen Leitungen seien alle schon vorhanden.

Doch bislang wurden die Eltern nur vertröstet. "Wir sollen die Ratssitzung im Mai abwarten, heißt es. Gleichzeitig wurde uns aber geraten, selbstständig nach einer anderen Betreuungsmöglichkeit zu suchen. Denn man wisse ja nicht, ob überhaupt ein OGS-Ausbau beschlossen wird. Und wenn ja, sei unbestimmt, wann er erfolge", sagt Sabine Burkhardt. Sie hatte ihren Sohn Jan (6) für eine Übermittag-Betreuung angemeldet und eine Absage bekommen. Sie arbeitet 20 Stunden an vier Tagen in der Woche in Düsseldorf. "Ich bin dankbar, dass ich diesen Job habe. Aber nur zwei Stunden am Tag zu arbeiten, damit ich meinen Sohn rechtzeitig von der Schule abholen kann, das würde mein Arbeitgeber nicht mitmachen. Und das kann ich auch verstehen", sagt sie.

Familien können nicht immer helfen

Sabine Burkhardt findet es gut und richtig, dass es einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz gibt. "Aber wenn die Kinder dann zur Schule gehen, fällt man in ein Betreuungsloch." Verwandte möchte die Mutter nur in Ausnahmesituationen für die Betreuung ihrer Kinder in Anspruch nehmen. "Man kann nicht permanent darauf bauen, dass die Familie ständig für einen einspringt." Das sieht Gisela Schallenberger genauso. Sie arbeitet bislang 20 Stunden pro Woche als Verwaltungsangestellte für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Eigentlich wollte ihr Arbeitgeber die Stundenzahl aufstocken. Doch das geht jetzt nicht. Denn auch ihre Tochter wird, so wie es bis jetzt aussieht, keinen OGS-Platz bekommen.

Was keiner versteht: "Politiker reden immer von besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber hier wird nichts gemacht." Die Eltern wollen sich an den Beschwerdeausschuss wenden, und sie sammeln gerade Unterschriften.

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Gert Fischer, Dezernent für Bildung, Sport und Kultur, kennt die Probleme an der Grundschule Venn, wie er selbst sagt. "Wir sind in Gesprächen mit der Schule, und die OGS-Situation wird auch im nächsten Schulausschuss in der übernächsten Woche ein Thema sein", sagt er. Ein OGS-Rahmenkonzept gibt es wohl schon. Dort sind auch die Schulen aufgeführt, wo Betreuungsplätze fehlen. Venn gehört dazu, andere Standorte ebenfalls. Jetzt hängt es davon ab, wie schnell mögliche Ausbauten umgesetzt werden können.

Quelle: RP
 
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