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Mönchengladbach
Onkel Otto soll nicht mehr filmen

Mönchengladbach. Das Awo-Bildungswerk der Generationen legt sein neues Programm vor. Ein Highlight: die Filmschule. Von Angela Rietdorf

Gerhard Comelli kann recht deutlich werden, wenn es ums schlechte Filmen geht. "Das ist schon nahe an Körperverletzung", urteilt er über Videos, wie sie zu Zehntausenden in Deutschland gezeigt werden. Mit wackliger Kameraführung, plötzlichem Schwenk, sinnlosem Zoomen und Unschärfen, die den Betrachter dazu bringen, einen Besuch beim Optiker in Erwägung zu ziehen. Vom Schneiden hat ein solcher Hobbyfilmer auch oft keine Ahnung, er lässt die schwachen Szenen drin und unterlegt sie im Zweifelsfall mit kleistriger Musiksoße. In den Kommentaren wird nur beschrieben, was der Zuschauer sowieso schon sieht. Fertig ist der Film, den Gerhard Comelli Onkel Otto zuordnet, dem Prototypen des schlechten Filmers.

Onkel Otto soll es an den Kragen gehen, jedenfalls was seine filmerischen Fähigkeiten angeht. Gerhard Comelli, Vorsitzender des Mönchengladbacher Filmclubs Objektiv, will Hobbyfilmern die handwerklichen Grundlagen für ansehnliche Filme vermitteln. Und zwar in der Filmschule, die im Rahmen des Kursangebotes des Awo-Bildungswerks stattfindet. "Filmen kann man lernen", betont Comelli, der seit den 70er Jahren filmt und von sich selbst sagt: "Die ersten zehn Jahre habe ich auch einfach drauflosgefilmt, ohne wirklich zu wissen, was ich tue." Wie Onkel Otto eben. Die Filmschule wird vom Filmclub Objektiv organisiert und ist ein in der Region einzigartiges Angebot, wie Comelli unterstreicht. "So etwas sucht man sonst weit und breit vergebens." Zwölf Workshoptage umfasst die Filmschule, über ein Jahr verteilt. Die Schüler beschäftigen sich mit Kameraführung und Einstellungsgrößen, Schnitt, Ton oder dem Erzählen von Geschichten. Zwischen den Treffen liegen immer einige Wochen, in denen Hausaufgaben erledigt werden müssen. Die werden dann beim nächsten Treffen diskutiert und kritisiert. Die Filmschule wendet sich an interessierte Hobbyfilmer, die dazulernen wollen. Die Basisfähigkeiten sollten schon vorhanden sein. Die Teilnehmer müssen ihre Kamera bedienen können und über Schnittmöglichkeiten verfügen. "Alles andere bringen wir ihnen schon bei", sagt Comelli und verspricht: "Schon das Einhalten von knapp einem Dutzend Regeln macht jeden Hobbyfilmer besser als Onkel Otto." Das potenzielle Publikum wird es ihm danken. Die Teilnahme an der Filmschule kostet 150 Euro. Das Angebot wendet sich ausschließlich an Amateure. "Leute, die das Erlernte beruflich nutzen wollen, müssen sich an andere Institutionen wenden", erklärt der Filmschulleiter.

Die Filmschule ist eines von rund 180 Kursangeboten, die im neuen Programmheft des Awo-Bildungswerks der Generationen vorgestellt werden. Es gibt Mutter-Kind-Kurse, Sportangebote, Sprachkurse von Englisch über Polnisch bis Italienisch, Computerkurse, die besonders gefragt sind und schließlich die Kreativkurse, zu denen auch die Filmschule gehört. Die Kurse finden im Familienbildungswerk an der Rheydter Straße, in der Seniorenakademie an der Landwehr und teilweise auch in den Awo-Begegnungsstätten statt. Dort liegen auch die Programmbroschüren aus, ebenso wie in öffentlichen Einrichtungen oder Buchhandlungen.

Quelle: RP
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