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Mönchengladbach
Panama Papers führen nach Gladbach

Diese Promis stehen unter Verdacht
Diese Promis stehen unter Verdacht FOTO: afp, jr
Mönchengladbach. Die Stadtsparkasse und Monforts Textilmaschinen tauchen in den am Montag veröffentlichten Datensätzen auf.Ebenso der in Kleinenbroich wohnende Mitarbeiter eines Gladbacher Großunternehmens. Eine Spurensuche. Von Jan Schnettler und Ruth Wiedner

Das Internationale Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ), das am Montag Adressen und Firmennamen von Protagonisten der so genannten Panama Papers im Internet frei zugänglich machte, weist selber darauf hin: Eine bloße Nennung sagt noch nichts darüber aus, ob tatsächlich Gesetze gebrochen wurden oder anderweitig verwerfliches Handeln vorliegt. Trotzdem gibt es sicher einen besseren Leumund, als in den Datensätzen der 320.000 Offshore-Unternehmen und Briefkastenfirmen aufzutauchen. Drei Treffer weist das Internetportal "Offshore Leaks" aus, die in Verbindung mit Mönchengladbach stehen. Ein Kleinenbroicher Bürger, der für ein renommiertes Gladbacher Großunternehmen arbeitet, die A. Monforts Textilmaschinen - und die Stadtsparkasse. Als einzige in ganz Deutschland.

Dort gab man sich gestern "überrascht", nachdem man durch einen externen Hinweis von der Nennung in den Panama Papers erfahren habe. Darin wird das Kreditinstitut mit der Accelonic Ltd. in Verbindung gebracht, die auf den Britischen Jungferninseln domiziliert ist und eine Hongkonger Adresse ausweist. "Wir haben im Rahmen der Abwicklung eines notleidenden Kreditengagements unter anderem Pfandrechte an Aktien einer in Deutschland ansässigen Unternehmung geltend gemacht, der Fahr Beteiligungen AG", teilte das Kreditinstitut mit. Diese Unternehmung sei Ende 2003 offensichtlich von MFC Bancorp Ltd. mit Sitz in Hongkong übernommen worden. In diesem Zusammenhang erfolgte der Tausch in MFC-Aktien der MFC Bancorp Ltd. mit Sitz in Hongkong. "Diese befinden sich mit Blick auf unsere Forderungen gegen unseren Kunden auch aktuell noch als Pfand in unserer Verwahrung. Ein darüber hinaus gehendes Interesse haben wir daran nicht", hieß es aus der Stadtsparkasse. Wie letztlich die Verbindung zur Accelonic Ltd. hergestellt wurde, entziehe sich der Kenntnis. "Wir können nur vermuten, dass es hier zu weiteren Übernahmen gekommen sein muss, die jedoch ohne unsere Kenntnis und ohne unsere Mitwirkung durchgeführt worden sein müssen." Noch gestern wollte das Kreditinstitut die Aufsichtsbehörden über den Sachverhalt unterrichten.

Als Leiter von Accelonic wird ein enger Vertrauter des ehemaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic ausgegeben. Zuvor hatten US-Medien berichtet, wie auch Kleininvestoren aus dem Bundesstaat Washington, die Anfang der 80er in einem örtlichen Immobilienprojekt Geld angelegt hatten, über Umwege wie Accelonic später plötzlich Anteile einer Offshore-Firma hielten, die in Uganda Kobalt abbaute. Ein Paradebeispiel für die verschlungenen internationalen Finanzströme, die ICIJ mit den Panama Papers aufdecken wollte.

Monforts Textilmaschinen und die ABT Vermögensverwaltungs-Gesellschaft mbH mit Sitz an der Schwalmstraße tauchen ebenfalls in den Papieren auf. Sie seien an der Favour State Limited (Gerichtsbarkeit: British Virgin Islands, Sitz: Hongkong) beteiligt, die wiederum mit der Teamwork Secretarial Company Limited (Hongkong) verbandelt ist. Das Unternehmen reagierte gestern nicht auf Anfragen. Besagter Kleinenbroicher wird im Zusammenhang mit einer auf den Seychellen ansässigen Firma genannt. Sein Mönchengladbacher Arbeitgeber wird dabei nicht erwähnt.

Quelle: RP
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